Pinneberg
Gedenken an Juden, Kommunisten und Roma

"Stolpersteine" erinnern an Elmshorner Nazi-Opfer

Foto: Arne Kolarczyk

Die Gehwegsteine, in denen Namen und Lebensdaten der Personen eingraviert sind, wurden vor den letzten Wohnanschriften verlegt.

Elmshorn. Bei strömenden Regen schritt der Kölner Künstler Gunter Demnig gestern in Elmshorn zur Tat. In der Krückaustadt wurden fünf weitere "Stolpersteine" verlegt. Mahnmale mit Namen und Lebensdaten von Opfern des NS-Regimes, die vor ihren letzten Wohnanschriften platziert und sie quasi unvergesslich machen sollen. Mehr als 15 000 solcher Symbole sind bereits von dem Künstler verlegt worden, der diese Aktion vor einigen Jahren ins Leben gerufen hat.

Demnig war bereits zum dritten Mal in Elmshorn in Sachen "Stolpersteine" aktiv. Der Tross um den Künstler wurde unter anderen von Bürgermeisterin Brigitte Fronzek begleitet, auch waren Schüler mehrerer Klassen dabei. Für ein kleines Musikstück zu Ehren der Opfer sorgte an den Verlegeorten die Künstlerin Anna Haentjens.

In der Krückaustadt engagiert sich seit Längerem die "Arbeitsgemeinschaft Stolpersteine für Elmshorn", die die Schicksale und letzten Wohnorte von Opfern des NS-Regimes aufarbeitet. Für jeden Stein gibt es einen Paten, der anlässlich der Verlegung die Vita der auf diese Weise geehrten Person verliest. So hatte etwa der IG Metall-Bevollmächtigte Uwe Zabel die Ehre, am Gerlingweg 79 an Ludwig Otto (1909-1940) zu erinnern. Er flüchtete 1936 nach Spanien und kämpfte dort auf Seiten der demokratischen Volksfrontbewegung gegen die Franco-Faschisten. Schließlich wurde er 1940 in Frankreich verhaftet und später in Belgien erschossen.

Ein ähnliches Schicksal erlitt Emil Seemann (1900-1936) aus dem Gerlingweg 81, der sich 1936 gemeinsam mit Ludwig Otto nach Spanien absetzte und sich den internationalen Brigaden anschloss. Er fiel im Kampf am 20. November 1936 in der Nähe von Madrid. In Elmshorn hatte sich Seemann wie auch Otto der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) angeschlossen, war deswegen 1934 verhaftet und in das Konzentrationslager Esterwegen deportiert worden. Vor einem Prozesstermin kam er frei - und setzte sich ab.

Alfred Oppenheim (1897-1943) wurde aufgrund seiner jüdischen Konfession 1942 inhaftiert und ins Gestapo-Gefängnis nach Fuhlsbüttel gebracht. Im Jahr darauf starb er an den Folgen der Gefangenschaft. Oppenheim war der Sohn des Kaufmanns und Lederfabrikanten Julius Oppenheim - und wurde wie sein Vater Kaufmann. Als seine letzte Wohnstätte in Freiheit wurde ein Gebäude an der Kaltenweide 3 ermittelt.

An der Klaus-Groth-Promenade 13 erinnert seit gestern ein "Stolperstein" an den KPD-Aktivisten Wilhelm Otto Peetz (1892-1935). Er war maßgeblich am antifaschistischen Widerstand in Elmshorn beteiligt und hatte Unterschlupf bei seinem Bruder gefunden, ehe er 1934 im Zuge einer Großrazzia der Staatspolizei in die Hände fiel. Peetz kam zunächst in das Gestapo-Gefängnis Fuhlsbüttel, ehe er in das KZ Esterwegen gebracht wurde. Dort wurde er von der SS zu Tode misshandelt.

Das jüngste NS-Opfer, an das jetzt erinnert wird, ist Benno Bengalo Winterstein (1932-1944). Er wohnte mit seiner Familie in einem umgebauten Fabrikgebäude an der Königstraße 51, etwa in Höhe des Torhauses. Heute ist das Grundstück unbebaut. Benno war Sohn eines Sinti und wurde als Elfjähriger 1944 in das KZ Auschwitz deportiert. Dort verliert sich seine Spur. Seine Schwester Esther überlebte mehrere Konzentrationslager und wurde 1945 vom Roten Kreuz nach Schweden gebracht.