Gedenken an NS-Opfer: Stolpersteine

Sechs Mahnmale auf Helgoland, eines in Tornesch

Auf Helgoland hat Demnig bereits am Sonnabend sechs Stolpersteine verlegt - und zwar am Lung Wai, am Aussichtspunkt Berliner Bär und in der Kirchstraße. Der erste Stein gilt Heinrich Prüß (1899-1944), der einen Friseursalon betrieb.

Er hatte 1943 öffentlich geäußert, dass der Krieg verloren sei. Daraufhin wurde er als Verräter inhaftiert, starb im August 1944 in einem Brandenburger Gefängnis. Die fünf weiteren Steine ehren Männer, die Anfang 1945 auf der vom Militär kontrollierten Insel eine Widerstandsgruppe gründeten. Ihr Ziel war es, die Insel kampflos an die Alliierten zu übergeben, um Blutvergießen und materielle Schäden zu vermeiden. Mitte April wurden die Männer verhaftet und im Mai 1945 in Cuxhaven hingerichtet. Ihre Namen: Erich Paul Jansen Friedrichs (1890-1945), Georg Eduard Braun (1902-1945), Karl Fnouka (1908-1945), Kurt Arthur Pester (1908-1945) und Martin Otto Wachtel (1908-1945).

In Tornesch wird an Anna Margaretha Billian (1885-1942) erinnert. Sie wohnte zuletzt in der Norderstraße 61 und wurde am 15. Dezember 1942 unter Mithilfe der NSDAP-Ortsgruppe aufgrund von Verleumdungen von der Gestapo verhaftet und in das Polizeigefängnis Neumünster gebracht. Dort nahm sich Anna Margaretha Billian laut Sterbeurkunde in der Nacht zum 18. Dezember 1942 das Leben durch Erhängen. Verheiratet war Anna Margaretha Billian mit einem in der Jugendfürsorge tätigen Landesrat der SPD. 1933 war Albert Billian unter der Gesetzgebung der Naziregierung "zum Schutz des Berufsbeamtentums" wegen seiner Mitgliedschaft in der SPD entlassen worden. Das Ehepaar musste aus seiner großen Wohnung ausziehen und fand 1938 in Tornesch bei Familie Kaatsch eine neue Unterkunft. Auch das Ehepaar Kaatsch war Verhören ausgesetzt. Beinah täglich wurde zur Jahreswende 1942/43 ihr Haus durchsucht. Die Erinnerungen von Metta Kaatsch sind über die Nachfahrin Wilgard Kellermann an das Stadtarchiv herangetragen worden.