Pinneberg
Quickborn soll Pferdesportzentrum werden

Bald Reiten lernen in der Schule?

Foto: Burkhard Fuchs

Hans-Ulrich Plaschke und seine Mitstreiter sehen darin eine ideale Möglichkeit, Motorik, Konzentration und Gleichgewicht zu schulen.

Quickborn. "Unser erklärtes Ziel ist es, Quickborn zu einem Reitzentrum für das Freizeitreiten zu machen", sagt Hans-Ulrich Plaschke. Im vorigen Jahr gelang es dem Quickborner Pferdesportler und Mitveranstalter der Nordpferd-Messe in Neumünster, dass zahlreiche Reiter das Himmelmoor über einen neuen Reitweg erreichen können. Jetzt will Plaschke mit seinen pferdebegeisterten Mitstreitern den Reitsport in die Schulen bringen. "Wir wollen das Reiten als Schulsport etablieren", kündigt Plaschke an. Andere Bundesländer wie Hessen und Nordrhein-Westfalen hätten mit diesem Angebot bereits sehr gute Erfahrungen gemacht.

Für die Kinder sei das Reiten eine ideale Form, Motorik, Gleichgewichtsgefühl und Konzentration zu schulen, erläutert Pferdetherapeutin Lucia Ganci. Zurzeit behandelt sie etwa zehn behinderte und hyperaktive Kinder mit Hilfe des Reitens. "Auf spielerische Weise lernen die Kinder den Umgang mit dem Pferd und können sich viel besser konzentrieren. Und es fördert die richtige Haltung und Bewegung in einer Zeit, in der die meisten Kinder vorm Computer sitzen."

Auch das Selbstbewusstsein der Kinder werde durch das Reiten gestärkt, weiß Ulrich Janßen, der einen Reitstall mit 35 Pferden unterhält und 150 Kindern und 50 Erwachsenen beibringt, sich hoch zu Ross fortzubewegen. "Reiten ist ein anerkannter Gesundheitssport. Wenn die Kinder merken, dass es ihnen leicht gelingt, ein 400 Kilogramm schweres Tier zu bändigen, sind sie immer total begeistert, lebensfroh und können laut sprechen." Zudem lernten sie Regeln und Disziplin.

Reitstallbesitzer Janßen hatte bereits im vorigen Jahr einen Vorstoß gewagt, Reiten zum Schulsport zu erklären. Als die inzwischen abgerissene Sporthalle Mühlenberg wegen baulicher Mängel für den Schul- und Freizeitsport gesperrt werden musste, bot er mehreren Schulen an, diese Lücke mit dem Pferdesport zu füllen. Doch lediglich eine Schule hätte sich gemeldet, wo dann das Projekt am Veto des Lehrerkollegiums gescheitert sei.

Da nun mit der geplanten Johanniterschule die erste christliche Schule in Quickborn im Sommer ihren Ganztagsbetrieb aufnimmt, könnte diese Idee des Schulsportreitens endlich den Durchbruch schaffen, hofft Reitlehrerin Ingeborg Körber. Der Kontakt mit den Pferden sollte Fächer übergreifend in Deutsch, Biologie, Geschichte und Kunst zum Einsatz kommen.

Plaschke: "Schleswig-Holstein ist mit seinen 120 000 Pferden und 30 000 Arbeitsplätzen ein Pferde- und Reiterland. Da sollte es möglich sein, das Reiten zu einem eigenen Unterrichtsfach zu machen." Ein Förderverein, der sich um die Organisation und das Einwerben von Spendengeldern kümmert, soll demnächst gegründet werden.

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