Pinneberg
Hilfsbereit: Ältere Mitbürger bringen Erfahrung ein

Seniorentrainer begleiten soziale, kulturelle und sportliche Projekte

Barmstedt ist bislang die einzige Keimzelle im Kreis: Anke Wrzos und Horst Thomssen haben sich zu Seniorentrainern ausbilden lassen.

Barmstedt. Vier Monate hat allein die Hospitation in Neumünster gedauert, wo landesweit die Fäden dieser bundesweiten Aktion "Erfahrungswissen für Initiativen" (EFI) zusammenlaufen. "Wir entwickeln jetzt gezielt Projekte, bei denen Senioren sich für andere Menschen in Barmstedt einsetzen können", kündigt Thomssen an.

Der Anstoß dazu kam 2002 vom Bundesfamilienministerium. Die Lebenserfahrung älterer Menschen solle nicht brachliegen, sondern jungen Menschen und kommunalen Projekten zugute kommen. Daraus entstanden das EFI-Projekt und später das viel beachtete Konzept der Mehrgenerationenhäuser. Rentner, die nach ihrem Berufsleben eine soziale Aufgabe suchen, so die Idee, sollten als Seniorentrainer soziale Projekte in Kultur, Sport und Vereinen anschieben und begleiten.

In Barmstedt haben Thomssen und Wrzos als Erstes eine wöchentliche Sprechstunde im Rathaus für Ehrenamtliche im Alter ins Leben gerufen, die jeden Montag von 10 bis 12 Uhr zu erreichen ist. Als soziales Projekt initiierten sie die Aktion Zeitgeschenk. "Wir haben 200 Gutscheine in der Stadt verteilt, die Menschen einlösen konnten, die sich in der Vorweihnachtszeit allein fühlen", berichtet Anke Wrzos. So konnten die Beschenkten sich auf Weihnachtsmärkte begleiten oder zum Adventskaffee einladen lassen, erläutert sie. Allerdings seien nur zwölf Gutscheine eingelöst worden. "Das ist natürlich ernüchternd", sagt Anke Wrzos. "Aber es fällt wohl vielen Menschen schwer, zuzugeben, dass sie allein sind und gerne Gesellschaft hätten." Dieses Projekt soll zu Ostern wiederholt werden.

Im Frühjahr starte die Aktion "Nachtrabe", kündigt Thomssen an. Senioren sollen dann abends und bei besonderen Veranstaltungen zu sozialen Brennpunkten gehen und durch Präsenz und Gespräche beruhigend einwirken. "Das ist keine Bürgerwehr, die Nachtraben haben auch keine Polizeigewalt", erklärt Thomssen. Aber Erfahrungen aus Schleswig zeigten, dass dadurch die Jugendkriminalität erheblich gesenkt werden könnte.