Pinneberg
Die fliegenden Museumsstücke

Reservisten-Kameradschaft pflegt betagte Flugzeuge

Erfolgreiche Absolventen der Unteroffizierschule an der Marseille-Kaserne werden mit einem Rundflug über Hamburg belohnt.

Appen/Heist. Längst nicht alle Absolventen der Unteroffizierschule der Luftwaffe in der Appener Marseille-Kaserne gehören zur fliegenden Truppe. Im Gegenteil: Die meisten Lehrgangsteilnehmer sind später in ihrer militärischen Laufbahn fast ausschließlich auf dem Boden im Einsatz. Umso mehr freuten sich acht frisch gebackene Unteroffiziere, dass sie zum Abschluss ihrer Ausbildung wenigstens einmal richtig in die Luft gehen konnten.

Den Rundflug über Hamburg in einem der schon historischen Dornier-Flugzeuge "spendierte" die RK Flugdienst. RK steht für Reservisten-Kameradschaft, eine weit verzweigte Gemeinschaft ehemaliger Soldaten aller Waffengattungen im Verband der Reservisten. Das Besondere an der RK Flugdienst, die ihr Domizil in einem Hangar des früheren Luftwaffenmuseums gefunden hat: Von den etwa 100 Mitgliedern besitzen zehn Prozent den Pilotenschein. Die Männer mit der Lizenz zum Abheben haben mindestens genau so viel Spaß am Fliegen wie ihre jungen Passagiere, die auch bei strammen 30 Knoten Wind den Törn vom Flugplatz Uetersen aus bis über den Hamburger Hafen und zurück tapfer durchhielten.

Hagen Hamm, Vorsitzender und Gründer der RK Flugdienst, steuerte mit Copilot Bernd Scholz die Maschine. "Wir wollen mit solchen Aktionen dafür sorgen, dass die Lehrgangsteilnehmer eine Einweisung in die Grundlagen der Fliegerei bekommen", sagt Hamm. Der einstige Heeressoldat mit dem Reservedienstgrad eines Stabsfeldwebels ist wie weitere 30 aktive Flugdienstmitglieder mit Feuereifer dabei, die betagten Flugzeuge aus den 70er-Jahren zu warten, zu pflegen und als eine Art fliegendes Luftwaffenmuseum in Schuss zu halten. Hamm, im Zivilberuf Inhaber des Pinneberger Auto-Rundumservice, hat sich unter den Kameraden als begnadeter Fummler den akademischen Grad "Dr. med. Mech" erworben. Ein weiterer versierter Schrauber ist ebenfalls ein Mann vom Fach: Kraftfahrzeugmeister Walter Pohl ist gerade dabei, aus zwei Focke-Wulf 149 D ein flugtüchtiges Exemplar zu montieren. Der Lizenzbau des italienischen Hersteller Piaggio diente früher als Trainings- und Ausbildungsflugzeug. Zur weiteren Flotte der RK Flugdienst zählen die einmotorige Dornier Do-27 sowie die mit zwei Propellermotoren ausgestattete Do-28. Die einst als Arbeitspferde bei Heer, Luftwaffe und Marinefliegern eingesetzten Oldtimer sehen dank der liebevollen Pflege und Wartung noch fast wie neu aus. Jüngst spendierte Lufthansa Technik der Do-27 eine signalrote Markierung an Nase, Leitwerk und Tragflächenrändern.

Gearbeitet wird an den Maschinen meist donnerstags in den Abendstunden. Im Hangar stehen auch Schleppfahrzeuge und ein Tanklaster bereit, um die historischen Flugzeuge bewegen und betanken zu können. Zum fliegenden Personal zählen neben früheren Bundeswehr-Piloten auch Berufsflieger wie Bernd Scholz, der bei der Chartergesellschaft "Hamburg international" einen Airbus steuert.