Pinneberg
Ärger um Müllbeseitigung

Die Sorgen der Halstenbeker Angler

Ein aggressiver Besucher schlug dem Vorsitzenden Reiner Melcher sogar ins Gesicht, als dieser Hilfe holen wollte.

Halstenbek. Den Krupunder See und seine Uferzonen kennt Reiner Melcher so gut wie die sprichwörtliche eigene Westentasche. Allerdings dürfte es in Melchers Westentasche erheblich aufgeräumter aussehen als im Landschaftschutzgebiet, zu dem das Halstenbeker Renommier-Gewässer gehört. Täglich ist der Vorsitzende des Halstenbeker Sportanglervereins unterwegs, um wenigstens die gröbsten Verunreinigungen aller Art zu beseitigen.

Müllmann wollte Melcher eigentlich nicht werden. Doch in der Praxis läuft es oft darauf hinaus. Essensreste, Plastiktüten, Getränkebehälter aller Art vom Tetrapack bis zu einem halben Dutzend leerer Wodkaflaschen, verdreckte Kleidung und durchnässte Wolldecken gehören zum Sortiment menschlicher Hinterlassenschaften, die der Anglerchef Tag für Tag einsammelt. An den Wochenenden ist es besonders schlimm. Denn der See hat sich längst zur Freiluft-Partymeile entwickelt.

Die Arbeitsteilung zwischen den Anglern und der Gemeinde sieht vor, dass sich der Bauhof der Gemeindewerke um die Entsorgung der Papierkörbe und die Reinigung der großen Rundwege kümmert. Die Petrijünger, als ehrenamtliche Aufseher tätig, dringen dagegen beim Aufräumen auch auf die abgelegenen Pfade vor, die eigentlich nicht von den Erholungssuchenden betreten werden sollen. Die Sperrung, auf der langen Liste der ausgeschilderten verbotenen Betätigungen vermerkt, hat ihren guten Grund: Denn die Tierwelt am See soll ihre Rückzugsbereiche haben, und auch die Pflanzen sollen sich ungestört natürlich entwickeln. Wie beispielsweise im Revier der Vogelschutzzone am westlichen Ufer. Umgestürzte Bäume, wild wucherndes Geäst und Buschwerk haben im Laufe der Jahre eine nur schwer durchdringbare Urwaldlandschaft entstehen lassen.

Doch davor machen ungebetene Besucher nicht Halt, wie die Spuren zeigen. Neben Müll gehören auch - teilweise noch glimmende - Reste von Lagerfeuern dazu. Vor allem nach längeren Trockenperioden brennt das Dickicht wie Zunder. "Reines Glück, dass es noch nicht zu größeren Feuerschäden gekommen ist", sagt Melcher. Der Vereinsvorsitzende musste kürzlich sogar eine kräftige Backpfeife einstecken, nachdem er einen betrunkenen zündelnden See-Besucher ertappte, der Buschwerk in Brand gesteckt hatte. Nachdem Melcher den Brandstifter vergebens zur Ordnung gerufen hatte und per Handy Hilfe holen wollte, rannte der Mann hinter ihm her und verpasste dem Vereinschef eine kräftige Backpfeife.

Trotz dieses Übergriffs spielen sich Melcher und seine Angelkameraden nicht als pedantische Ordnungshüter auf, wenn sie am Ufer ihre Runden machen. Wenn ein Hund mal trotz Verbots von der Leine gelassen wird, aber unter Kontrolle bleibt, drücken die Angler oft ebenso ein Auge zu, wie beim Plantschen von Kindern im See.

Verärgert sind die Vereinsmitglieder allerdings, wenn ihnen Schwarzangler die besten Stücke aus dem See stibitzen. Sogar nachts sind die räuberischen Petrijünger unterwegs. Bei ihren Fischzügen setzen sie sogar Blinklichter ein, um reichere Beute machen zu können. Schlimmer noch als die Schwarzangler machen sich die "schwarzen Teufel" über die Fischbestände her: So nennt Melcher die Kormorane, die mit Vorliebe zum Speisen den Krupunder See aufsuchen. Doch die kann man nicht verbieten. Schließlich sind die gefräßigen Wasservögel selbst ein Stück Natur.