Pinneberg
Keine Nachfolgelösung für das Call-Center

Bei Talkline stirbt die Hoffnung

442 Mitarbeitern wird gekündigt. 160 Spezialisten aus der Informationstechnik wechseln 2010 nach Büdelsdorf.

Elmshorn

Nun ist es raus: Die erhoffte Übernahme des Talkline Call-Centers in Elmshorn durch die Walter-Gruppe aus Ettlingen bei Stuttgart ist geplatzt. Damit werden alle Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens mit Ausnahme der 160 IT-Spezialisten zum Jahresende arbeitslos. Nach neuen, bestätigten Zahlen werden 442 Kündigungen ausgesprochen. Für diese Mitarbeiter tritt ein vereinbarter Sozialplan in Kraft.

Wie berichtet, war die Debitel-Gruppe, zu der Talkline zuletzt gehörte, im Juli vorigen Jahres vom Konkurrenten Freenet aus Büdelsdorf geschluckt worden. Im Zuge des Zusammenschlusses wurde im November das Aus für Talkline verkündet. Nach Protesten von Politik und Stadt versprach Freenet, sich um einen Nachfolger für das Call-Center zu bemühen. Auf diese Weise hätten 200 bis 300 Mitarbeiter weiterbeschäftigt werden können.

"Das Modell hätte sowohl für den Betreiber als auch für die bisherigen Mitarbeiter attraktiv sein müssen", so Freenet-Sprecher Andreas Neumann. Allerdings hätte der neue Betreiber auf Gehaltseinbußen für die Mitarbeiter von durchschnittlich 30 Prozent bestanden. "Das wäre für uns durch Sonderzahlungen nicht ausgleichbar gewesen."

Als "bedauerlich" bezeichnete Talkline-Betriebsratsvorsitzende Susanne Diekert diese Entscheidung. Eine Fortbeschäftigung der Call-Center-Kräfte wäre aus ihrer Sicht wünschenswert gewesen. "Jetzt müssen wir das leider so hinnehmen."

Bis auf die Mitarbeiter der IT, die im vierten Quartal 2010 nach Büdelsdorf wechseln sollen, werden alle anderen Abteilungen spätestens Ende des Jahres aufgelöst. Zu diesem Zeitpunkt erhalten die 442 betroffenen Mitarbeiter die Kündigung. Ihre Chancen, zu gleichen Konditionen einen neuen Arbeitsplatz zu finden, beurteilt Diekert als gering. "Bei Talkline wurde gut bezahlt, und es gab Sozialleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie 30 Tage Jahresurlaub." Dies sei in der Branche inzwischen nicht mehr selbstverständlich.

Der Sozialplan beinhaltet für die Mitarbeiter auch eine sogenannte Outplacement-Beratung. Sie wird von der SKP AG durchgeführt. Die "Talkliner" sollen wieder Selbstbewusstsein und Mut zur Veränderung entwickeln. Die Experten werden ausloten, welche Fähigkeiten die Mitarbeiter haben und welche berufliche Zukunft - auch fernab des jetzigen Jobs - sie sich vorstellen können. Auch ein Bewerbungstraining mit der Erstellung von Unterlagen und der Simulation von Vorstellungsgesprächen ist Bestandteil des Angebots, für das Freenet und die Agentur für Arbeit aufkommen. Zudem soll eine Jobbörse bei der Suche nach neuen Herausforderungen helfen.