Pinneberg
Rathausstreit: Schlechte Fassadendämmung macht Umbau notwendig - aber:

Denkmalschutz blockiert Sanierung

Elmshorns Verwaltungsgebäude ist im Winter ein Energiefresser, im Sommer ein Backofen. Unzumutbar für die Mitarbeiter.

Steht das Elmshorner Rathaus bald leer? Bürgermeisterin Brigitte Fronzek droht mit einem Auszug der Verwaltung. Der Grund: Das in den 60er-Jahren erbaute Verwaltungsgebäude wurde überraschend als besonderes Kulturdenkmal eingetragen - und die Denkmalschutzbehörde in Kiel verweigert die Zustimmung zu der geplanten Rathaus-Sanierung. "Wenn wir unsere Pläne nicht umsetzen können, bleibt uns nur übrig, auszuziehen und das Haus dem Verfall preiszugeben", so Fronzek.

Anfang Mai 2008 ging ein Schreiben des Landesamtes für Denkmalpflege im Rathaus ein. Inhalt: Es werde beabsichtigt, das Rathaus als einfaches Kulturdenkmal einzustufen. Nach einer Besichtigung am 16. März dieses Jahres gelangten die Mitarbeiter der Behörde zu der Ansicht, dem zwischen 1964 und 1966 errichteten Rathaus sogar den höchsten Schutzstatus, also die Eintragung als besonderes Kulturdenkmal, zuzubilligen.

In der Begründung wird von dem filigranen Erscheinungsbild des Gebäudes geschwärmt, von den "zarten Aluminiumprofilen im Spannungsfeld horizontaler blauer Brüstungselemente und vertikaler Glasflächen". Das Gebäude erscheine durch das zurückgesetzte Erdgeschoss von besonderer Leichtigkeit. "Im Inneren entfaltet das Rathaus, das über einen großen, der Stadt abgewandten Vorplatz zu erreichen ist, eine bescheidene, aber keineswegs schlichte Eleganz in den öffentlichen Bereichen wie zum Beispiel dem Haupttreppenhaus." Das Gebäude zähle "zu den bedeutendsten Nachkriegsbauten Schleswig-Holsteins".

Die Bürgermeisterin kann ob dieser Zeilen nur fassungslos den Kopf schütteln. "Für mich ist das ein reiner Zweckbau und ein Beispiel völlig verfehlter Architektur." So verfüge das Gebäude über eine völlig ungenügende Dämmung. "Im Winter heizen wir uns tot, im Sommer schwitzen wir bei über 40 Grad in den Büros." Alle Versuche, Abhilfe zu schaffen, wie etwa das Anbringen von Jalousien auf der Westseite, seien gescheitert. Die damals gebauten Lüftungskanäle seien falsch dimensioniert, völlig verstopft und könnten nicht mehr genutzt werden. Auch der Brandschutz entspreche nicht den gesetzlichen Anforderungen. So verfügen Teile des Gebäudes, unter anderem ein Sitzungszimmer und die Büros der Verwaltungsleitung, nicht über einen zweiten Rettungsweg. Im Brandfall müsste die Feuerwehr per Drehleiter anrücken. Allerdings ist der Bereich derart verbaut, dass das Fahrzeug - wie bei einer Übung offenbar wurde - zeitaufwendig zum richtigen Standort rangiert werden muss. Hinter den Natursteinwänden auf beiden Längsseiten ist keine Dämmung vorhanden. Um nachzudämmen, müssten die Steine entfernt werden - diese sind jedoch miteinander verklebt und würden komplett zerstört.

"Der Denkmalschutz zwingt uns dazu, das äußere Erscheinungsbild nicht zu verändern. Das würde die Sanierung stark verteuern und die Probleme nicht lösen", so Fronzek. Eine Sanierung mache nur Sinn, wenn die Energie-Problematik angegangen werde. Und das sei nur mit einem Eingriff in die Fassade möglich. "Wir haben Widerspruch gegen die Unterschutzstellung eingelegt." Bei einer Ablehnung stehe der Klageweg offen. "Ich hoffe aber auf ein Einvernehmen." Falls alle Stricke reißen, bliebe nur der Auszug.