Norderstedt
Radsport

Paul Lindenau und der Traum vom DM-Titel

Große Zuversicht strahlen Max und Paul Lindenau (rechts) vom Stevens Racing Team vor dem Auftritt bei den deutschen Querfeldein-Meisterschaften in Bensheimaus

Große Zuversicht strahlen Max und Paul Lindenau (rechts) vom Stevens Racing Team vor dem Auftritt bei den deutschen Querfeldein-Meisterschaften in Bensheimaus

Foto: Anne Pamperin

2012 war der Querfeldein-Radrennfahrer zuletzt Meister, will es in der U23 nun noch einmal wissen. Bruder Max startet in der Eliteklasse

Norderstedt.  Ein Norddeutscher lässt sich vom Wetter nicht vorschreiben, was er tun darf und was er besser lässt. Im Gegenteil: Nach dem Motto „Wat mutt, dat mutt“ können Radsportler Paul Lindenau weder Sturm, Regen oder Kälte davon abhalten, in die Pedale zu treten. Der 21-Jährige genießt die Zeit, die er momentan hat und versucht, so viel wie möglich zu trainieren. Sein Studium im Dienstleistungsmanagement an der Fachhochschule Wedel ermöglicht es ihm in diesem Semester, den Stundenplan individuell zu gestalten. Die so gewonnene Freiheit wird eins zu eins in Sport umgesetzt.

„Ich steige mindestens dreimal pro Woche aufs Rad. Dazu kommt noch Krafttraining“, sagt der in Harksheide lebende Sportler, der seit der Kindheit Radsport betreibt und vor allem im Querfeldeinbereich erfolgreich ist. 2018 tritt Paul Lindenau, der für das Stevens Racing Team startet, zum letzten Mal in der Altersklasse U23 an. Bei den am 13. und 14. Januar in Bensheim stattfindenden Deutschen Meisterschaften will er ganz oben auf dem Siegertreppchen stehen und zum zweiten Mal nach 2012 – damals noch in der Altersklasse U17 – nationaler Champion werden.

„Die Strecke ist zur Hälfte ein Wiesenkurs, glücklicherweise mit einer guten Drainage. Die anderen 50 Prozent sind Acker, das kann schon schwer werden. Man muss auch ein paar Meter mit dem Rad unter dem Arm laufen können“, erklärt Paul Lindenau, der sich auch in diesem Bereich gut vorbereitet hat und viele Übungseinheiten zu Fuß absolviert hat.

Die Qualifikation für die Weltmeisterschaften, die drei Wochen nach der DM im niederländischen Valkenburg ausgetragen werden, hat Lindenau eigentlich schon in der Tasche. Durch den Gewinn des Deutschlandcups, einer Rennserie für Crossfahrer, hat er eine Qualifikationsnorm bereits erfüllt. 296 Punkte aus elf gewerteten Rennen (ein Streichergebnis) reichten locker für Platz eins vor dem Tangstedter Felix Holst (elektroland24-Cyclingteam, 225 Punkte), der Zweiter bei den U23-Fahrern wurde.

Zur WM nach Valkenburg würde auch Paul Lindenaus zwei Jahre älterer Bruder Max gerne fahren. Der 23-Jährige muss allerdings in der Eliteklasse antreten und hat es dort auch mit Sportlern zu tun, die schon als Profis gelten. Max Lindenau arbeitet bei Radsport von Hacht in Hamburg und macht parallel dazu an der Abendschule seinen Handelsfachwirt. Die verbliebene Freizeit wird – oft zusammen mit seinem Bruder Paul – in Trainingseinheiten investiert. „Wir sind sozusagen Halbprofis. Der Aufwand, den wir betreiben, ist schon hoch. Irgendwann kann das sicher nicht mehr funktionieren“, so Paul Lindenau, der nichts dagegen hätte, den Bruder bei der WM an seiner Seite zu haben.

Zusammen in einer Altersklasse muss das Duo erst 2019 starten. Zuletzt war das 2015 der Fall, damals in der U23-Kategorie. Max will bei der diesjährigen DM einen Treppchenplatz bei den Elitefahrern ergattern, denn das würde die Chancen auf eine WM-Nominierung deutlich erhöhen. Er weiß aber, dass das verdammt schwer ist. In der Deutschlandcup-Serie landete Max Lindenau hinter Manuel Müller (RSV Rheinstolz Wyhl) in der Elitefahrerwertung auf dem zweiten Platz, weiß aber, dass bei der DM ein anderer Wind weht. „Es haben nicht alle Crossfahrer beim Deutschlandcup mitgemacht“, so Lindenau, für den vor allem Marcel Meisen (Team Steylaerts) und Sascha Weber (Mountainbike Freiburg) zu den DM-Favoriten zählen.

Aus eigener Erfahrung wissen die Lindenau-Brüder, dass bei einem Rennen viel passieren kann. Ein Sturz oder ein technischer Defekt können ausschlaggebend sein, auch wenn pro Runde bis zu zweimal das Rad gewechselt werden kann. Diese Möglichkeit haben Max und Paul Lindenau dank der Unterstützung durch das Stevens-Team und die dazugehörigen Helfer auch. Wenn das Malheur indes weit entfernt vom Depot passiert, kostet die Tauscherei viel Zeit und reduziert so die Chancen auf eine DM-Medaille deutlich.

www.dm2018.radcross-bensheim.de