Norderstedt
FUSSBALL

Der Aufsteiger kämpft, spielt einfach und hat Erfolg

Vera Homp (hier im Zweitliga-Auftaktspiel gegen den FFV Leipzig) traf beim 3:1 (1:1)-Überraschungssieg des SV Henstedt-Ulzburg beim VfL Wolfsburg II zur 2:1-Führung

Vera Homp (hier im Zweitliga-Auftaktspiel gegen den FFV Leipzig) traf beim 3:1 (1:1)-Überraschungssieg des SV Henstedt-Ulzburg beim VfL Wolfsburg II zur 2:1-Führung

Foto: Ulrich Stückler

Zweitliga-Fußballfrauen des SV Henstedt-Ulzburg siegen mit 3:1 beim VfL Wolfsburg II. Das Team von Coach Homp nutzt seine Chancen besser

Henstedt-Ulzburg. Wie vorsichtig doch vor dem Saisonauftakt in der 2. Fußball-Bundesliga der Frauen die Einschätzungen beim Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg gewesen waren. „Ziel kann nur der Klassenerhalt sein.“ „Erst einmal in der Liga ankommen, und herausfinden, wo wir stehen.“ „Jedes Spiel genießen, aber auch hart und diszipliniert arbeiten.“

So und so ähnlich lauteten die Statements von SVHU-Trainer Tobias Homp und seinen Spielerinnen vor dem Start in die zweithöchste deutsche Spielklasse und den bevorstehenden Aufeinandertreffen mit einigen großen Namen des Frauenfußballs. Doch anscheinend sind Namen manchmal doch nur Schall und Rauch. Denn nach dem bereits überraschend deutlichen 6:1-Auftakt-Heimsieg über den FFV Leipzig hat der Liganeuling nun auch noch seinen großen Kooperations-Partner, den VfL Wolfsburg, geärgert und ihm eine 1:3-Heimniederlage beigebracht.

Darauf, dass die somit verteidigte weiße Weste und der erfreuliche zweite Tabellenplatz nach nur zwei Spieltagen aber in Vereins- und Fan-Umfeld keine falschen Begehrlichkeiten aufkommen lässt, da hat Tobias Homp ein waches Auge. War doch der Erfolg beim Unterbau des Deutschen Meisters und Champions-League-Siegers von 2013 und 2014 zwar auch durch bemerkenswerten Einsatz über 90 Minuten von seinem Team geprägt, aber auch durch eine gehörige Portion Glück begünstigt.

„Wir hätten uns nicht beklagen dürfen, wenn Wolfsburg in der ersten Halbzeit eine 4:1-Führung rausgespielt hätte“, sagte Tobias Homp, „Wolfsburg war druckvoller, schneller und hatte mehr Spielwitz“, fasste der bundesligaerfahrene SVHU-Coach die Vorzüge der Gastgeber in der ersten Halbzeit zusammen. Zumal der VfL offenkundig mit Respekt vor dem Aufsteiger personell aufgerüstet hatte. Neben Keeperin Jana Burmeister standen auch vier Feldspielerinnen aus dem Wolfsburger Erstliga-Kader in der Startformation.

Also sprachen Papierform und Spielanlage klar für einen sicheren Wolfsburger Erfolg. Doch Namen alleine schießen keine Tore, Ballbesitz und -kombinationen tauchen in keiner Ergebnisliste auf. Worauf es neben technischer Überlegen auch ankommt, das machte der „Underdog“ dem Favoriten vor. „Die Wolfsburger Stärke war irgendwie zugleich auch deren Schwäche“, sagte SVHU-Stürmerin Vera Homp vieldeutig. „die sind quasi in Schönheit gestorben sind, wollten den Ball förmlich ins Tor tragen und haben darüber den einfachen Weg vergessen.“

Und während die Wolfsburgerinnen ihre Feldüberlegenheit dazu nutzten, den Ball im SVHU-Strafraum noch mehrmals zu passen, suchten besonders Vera Homp und ihre Sturmpartnerin Alina Witt bei jeder Chance schnellstmöglich den Abschluss. Die zu dem Zeitpunkt aber glückliche, wie frühe Gästeführung, die besorgte Sarah Stöckmann aus 16 Metern Distanz mit ein wenig Glück bei einem der anfangs noch seltenen Entlastungsangriffe.

„Da hatte sich ausgezahlt, dass ich dem Ball nachgesetzt bin und mich dann die Wolfsburger Abwehrspielerin mit so viel Wucht beim Klärungsversuch anschoss, dass der Ball ins Tor gesegelt ist“, schilderte Stöckmann diesen Glücksfall, betonte aber, dass die anderen SVHU-Treffer nach dem Seitenwechsel und dem vergebenen Elfmeter von Wolfsburgs Johanna Tietge (21.) sowie dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Zsanett Jakabfi (23.) einem anderen Auftreten des SVHU entsprangen. „Wir haben den Gegner besser angelaufen, haben besser verschoben im Kollektiv, waren aggressiver in den Zweikämpfen und bekamen so mehr eigene Aktionen im Angriff.“

Diese wusste das starke Sturm-Duo des SVHU zu nutzen. Zuerst erlief Vera Homp einen Querpass von Alina Witt und netzte mit einem langen Grätschritt ein (62). Witt profitierte in der Nachspielzeit von den Ausgleichsbemühungen des VfL, traf aus 35 Metern ins leere Tor und blieb nach dem Abpfiff doch Bescheiden: „In der zweiten Halbzeit hat uns unser großer Teamgeist zurück ins Spiel gebracht. Wir wissen aber auch alle, dass wir noch hart an uns weiterarbeiten müssen.“

Tore: 0:1 Sarah Stöckmann (7.), 1:1 Zsanett Jakabfi (23.), 1:2 Vera Homp (62.), 1:3 Alina Witt (90. + 3).
SV Henstedt-Ulzburg: Weech – Michel (46. von Appen), Hegeler, Engel, Schmitt – Kretzschmar
(71. Morich), Zollfrank, Schoknecht (77. Leinbaum), Stöckmann – Witt, Homp.
Tabelle:
1. BV Cloppenburg (6 Punkte/8:0 Tore),
2. SV Henstedt-Ulzburg (6/9:2),
3. MSV Duisburg (6/6:0),
4. FSV Güterloh 2009 (6/7:2),
5. 1. FC Lübars (4/7:4),
6. Herforder SV (4/7:5),
7. SV Meppen (3/4:2),
8. VfL Wolfsburg II (0/1:5),
9. Holstein Kiel (0/2:8),
10. 1. FFC Turbine Potsdam II (0/3:10),
11. BW Hohen Neuendorf (0/0:7),
12. FFV Leipzig (0:1:10).