Norderstedt
Fußball

Gegen Leipzig & Co. geht’s zurück zwischen die Pfosten

Bianca Weech, 30, ist nach drei Jahren in der Verteidigung von Zweitliga-Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg für die Saison 2015/2016 in der zweithöchsten Spielklasse ins Tor zurückgekehrt

Bianca Weech, 30, ist nach drei Jahren in der Verteidigung von Zweitliga-Aufsteiger SV Henstedt-Ulzburg für die Saison 2015/2016 in der zweithöchsten Spielklasse ins Tor zurückgekehrt

Foto: Ulrich Stückler

Mit dem Zweitligastart am Sonntag endet für Bianca Weech die Zeit in der Abwehr des SVHU. Jetzt soll sie tun, was sie noch besser kann.

Henstedt-Ulzburg. So richtig neu ist dieses Gefühl zwischen den Torpfosten nicht für Bianca Weech – in diesem Trikot allerdings schon. 160-mal hatte die jetzt 30-Jährige beim Hamburger Sportverein das Tor gehütet, und das sogar in der höchsten Spielklasse, der Bundesliga.

„Mit neun Jahren habe ich beim MTV Henstedt-Ulzburg mit Fußball begonnen, ins Tor ging es aber für mich erst durchs Handballspielen. Das habe ich parallel betrieben, bis ich 15 war“, sagt „Weechy“, wie sie von den jetzigen Mannschaftskameradinnen beim SV Henstedt-Ulzburg gerufen wird, mit Blick auf ihren sportlichen Werdegang. „2000 bin ich dann zum HSV gegangen, und drei Jahre später war ich dann erste Torhüterin.“

Doch als es für sie nach den Kapriolen beim Club mit der Raute nach Henstedt-Ulzburg ging, sollte auch Schluss mit dem „Handspiel“ sein, zu viel Spaß hatte sie daran, selber zu
kicken. Für drei Spielzeiten – zuerst unter Trainer Jan Siemers, dann mit Coach Claus Rath – war die gelernte Groß- und Außenhandels-Kauffrau und geprüfte Handelsfachwirtin nicht aus dem Abwehrverbund des SVHU wegzudenken. Als sich aber der Aufstieg in die 2. Bundesliga und der erneute Trainerwechsel – nun zum ehemaligen HSV-Bundesligaprofi Tobias Homp – abzeichneten, da wurde auch schnell klar, dass das Spaßprinzip für Bianca Weech hinter dem Erfolgsgedanken würde zurückstehen müssen.

„Als sich in Gesprächen abzeichnete, dass mich Claus Rath und die Abteilungsleitung gerne als seinen Nachfolger hätten, habe ich schon im Dezember gesagt, dass ich eine Frau mit Weechys Torhüter-Qualitäten nicht im Feld lassen könne“, sagt Homp. Die „Ex-Rautenträger“ besprachen das Thema zum Jahreswechsel und einigten sich. Obwohl Bianca Weech weiß, wie undankbar in der neuen Spielklasse dieser Job eventuell sein kann. „Im Vergleich zu unseren Regionalliga-Spielzeiten werden die Gegner jetzt ein ganz anderes Kaliber haben“, so die Frau mit über 20 Jahren Fußballerfahrung. „Allerdings ist der Sprung wohl nicht so krass, wie er jetzt nochmal von der zweiten zur ersten Liga wäre.“

Diesen Qualitätsunterschied hatten die SVHU-Frauen, die am Sonntag (14 Uhr, Schäferkampsweg) gegen den FFV Leipzig ihre Ligapremiere feiern, vor Wochenfrist beim 0:6 im DFB-Pokals gegen Erstligist FF USV Jena am eigenen Leib erfahren. „Die waren viel schneller als wir. Du hattest das Gefühl, dass Jena im Mittelfeld immer eine mehr hatten“, sagt „Weechys“ Stürmerkollegin Alina Witt, immer noch merklich beeindruckt. „Kaum hattest du den Ball, stand dir auch schon jemand auf den Füßen.“ In dieser Hinsicht wollen die SVHU-Frauen Sonntag den Spieß umdrehen – angespornt von einer Keeperin, die weiß, wie Abwehr funktioniert.

Zeitgleich mit dem SVHU starten auch die Regionalligafrauen des Hamburger SV zu Hause gegen den TSV Havelse in die Punktrunde. Nach erheblichen Veränderungen im Kader ist für Coach Christian Kroll eine erste Standortbestimmung angesagt.