Norderstedt
Fußball

SVHU-Frauen schaffen Aufstieg nach Schwerstarbeit

Foto: Ulrich Stueckler

Regionalliga-Fußballerinnen verkraften beim 4:2-Heimsieg über Bergedorf 85 auch einen frühen Rückstand. Hamburger SV hält die Klasse

Henstedt-Ulzburg. 15.48 Uhr. Schiedsrichterin Nicole Zabinski vom TSV Nordhastedt hat ein Einsehen mit den zum Zerreißen gespannten Nerven der Auswechselspielerinnen und der Trainer- und Betreuer-Crew von Fußball-Regionalligist SV Henstedt-Ulzburg. Als die Unparteiische mit dem Schlusspfiff den 4:2 (0:1)-Heimsieg der SVHU-Frauen über Verfolger FC Bergedorf 85 und so Titelgewinn und Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord besiegelt, gibt es bei Coach Claus Rath und der gesamten Bank kein Halten mehr.

Alle stürmen aufs Feld, um sich in die Arme zu schließen, sich zu bejubeln und den unfassbaren Glücksmoment zu genießen, auf den das Team seit zehn Monaten hingearbeitet hat. Regionalliga-Meister! Aufsteiger! Begriffe, die nur langsam ins Bewusstsein der Henstedt-Ulzburgerinnen vordringen.

Ein Grund für die überschäumende Freude, die dann auch in der obligatorischen Sekt- und Bierdusche für Coach Rath mündet, ist wohl in dem gehörigen Stück Arbeit zu suchen, das die SVHU-Frauen vor rund 250 Zuschauern am Schäferkampsweg mit ihren Gästen hatten. Denn die Bergedorferinnen waren keinesfalls gekommen, um dem Tabellenführer weitere drei Punkte abzuliefern und dann zur Meisterschaft zu gratulieren. Nein. Die Hamburgerinnen wollten ihre eigene minimale Chance auf den Titel nutzen.

Mit einem Bilderbuchstart und ihrer frühen 1:0-Führung (4.) durchkreuzten die Gäste sämtliche Pläne des SVHU. Eine lange Flanke passierte die noch nicht ganz wache Abwehrreihe der Gastgeberinnen und wurde von
Bergedorfs Torjägerin Nummer eins,
Fabienne Stejskal, eiskalt verwandelt.

Es folgte ein taktisch kluger und disziplinierter Auftritt der Bergedorferinnen, die fortan die eigenen Räume dicht machten und geduldig auf Konterchancen warteten. Und derer gab es bis zum Seitenwechsel nicht wenige, während die Elf von Coach Rath in der folgenden halben Stunde im Abwehrzentrum zu löchrig und im Spiel nach vorn zu kopflos agierte.

Rath reagierte und brachte auf die beiden Sechserpositionen Routinier Christine Schoknecht und Michelle Einfeldt, Maria Marrocu und die angeschlagenen Nadja Schubring machten Platz. Die positive Wirkung stellte sich prompt ein, und nach 58 Minuten war es Alina Witt, die mit einem Heber von halbrechter Position den Bann brach.

Als Michelle Einfeldt nur drei Minuten später mit einem strammen Schuss aus 17 Metern die Führung besorgte, schien alles nach Plan zu laufen. Selbst Stejskals zweiter Treffer zum Einstand (68.) konnte nichts daran ändern, dass der SVHU die Kontrolle übers Spiel übernommen hatte. Und der zweite Doppelschlag – zuerst der 14-Meter-Drop-Kick von Bianca Weech (77.), dann das unwiderstehliche Dribbling von Vera Homp quer durch den Gästestrafraum (82.) – beseitigten letzte Zweifel daran, dass dies der Tag des SV Henstedt-Ulzburg sein sollte.

„Ich bin stolz und glücklich, ein Teil des Teams zu sein“, sagte Trainer Rath, der sein Amt zum Saisonende an Tobias Homp übergibt und die Leitung bei den B-Juniorinnen übernimmt. Derweil sprach „Joker“ Christine Schoknecht aus, was alle Henstedt-Ulzburgerinnen über ihre Mannschaft denken: „Ich habe noch nie einen solchen Zusammenhalt erlebt. Wir sind als echtes Team Meister geworden.“

Bei so viel Jubel in Henstedt-Ulzburg ging unter, dass gleichzeitig die Nachbarn vom Hamburger SV durch den 2:0 (2:0)-Heimsieg über den
SV Ahlerstedt/Ottendorf den Klassenerhalt geschafft haben. Trainer Kay -Ole Schönemann. „Jetzt wollen wir in den letzten Spielen gegen Andervenne und den SVHU auch noch punkten.“

Tore: 0:1 Fabienne Stejskal (4.), 1:1 Alina Witt (58.), 2:1 Michelle Einfeldt (61.), 2:2 Fabienne Stejskal (68.), 3:2 Bianca Weech (77.), 4:2 Vera Homp (82.).
SVHU: Prosch – Michel, Schubring (46. Schoknecht), Weech, Schmitt – von Appen, Engel, Marrocu (46. Einfeldt), Stöckmann – Homp (88. Hege), Witt.
Hamburger SV – SV Ahlerstedt/Ottendorf 2:0 (2:0). Tore: 1:0 Victoria Schulz (9.), 2:0 Tammy Hentze (18.).
Hamburger SV: Pohl – K. Witte (73. Beckert), Knobloch, Steen, F. Witte – Schulz, Zollfrank, Sielka (83. Holst), Kretzschmar – Hentze, Ogundipe (59. Michel).
Tabelle: 1. SV Henstedt-Ulzburg (52 Punkte/75:19 Tore), 2. FC Bergedorf 85 (45/50:21), 3. Bramfelder SV (36/51:30), ..., 7. Werder Bremen II (26/37:41), 8. Hamburger SV (25/33:33), 9. TSV Havelse (24/33:39), 10. SV Heidekraut Andervenne (19/26:41), 11. SV Ahlerstedt/Ottendorf (13/16:44), 12. TuRa Meldorf (13/13:50).