Norderstedt
Rettungsschwimmen

Wind und Wellen halten Rebecca Nissen nicht auf

Es werden nicht nur Kacheln gezählt – regelmäßig fährt Rebecca Nissen auch zum Freiwassertraining an die Costa Kiesa in Tangstedt

Es werden nicht nur Kacheln gezählt – regelmäßig fährt Rebecca Nissen auch zum Freiwassertraining an die Costa Kiesa in Tangstedt

Foto: Hauke Lahn

Norderstedter Rettungsschwimmerin Rebecca Nissen empfiehlt sich bei einem Sichtungslehrgang für eine Nominierung zum D/C-Nationalkader.

Norderstedt.  Mit einer Testbatterie ist nicht zu spaßen. Normalerweise beschreibt der Begriff eine Zusammenstellung verschiedener, meist psychologischer Verfahren, um am Ende eine wissenschaftliche Diagnose stellen zu können. Auch Rebecca Nissen, 15 Jahre alte Rettungsschwimmerin der DLRG Norderstedt, durchlief nun eine solche Prozedur – aber aus einem komplett anderen Anlass.

Sie gehörte zu drei Nachwuchsathleten aus Schleswig-Holstein, die eingeladen wurden zu einer zweitägigen Talentsichtung für Freigewässer-Disziplinen. Vor den Augen mehrerer Junioren-Bundestrainer konnten sich die Teilnehmer im ostwestfälischen Warendorf für eine Nominierung zum D/C-Nationalkader empfehlen. Wer einen dieser begehrten Plätze bekommt, erhält eine besondere Förderung, etwa bei Lehrgängen, und bleibt damit automatisch im Blickfeld.

Kern des Wochenendes war besagte „Testbatterie“, eine anspruchsvolle Zusammenstellung. „Das war aufgebaut wie ein Wettkampf“, sagt Rebecca, die durchpowern musste. „Es waren weniger Pausen als sonst. Und wir hatten mehrere Durchgänge, damit die beste Zeit ermittelt werden konnte. Die Anspannung war groß, ich wusste, dass ich alles geben muss.“

Im Freiwasser können die Bedingungen schwierig sein

Im Freiwasser ist vieles anders als in der vergleichsweise kuscheligen Halle an der Wiesenstraße in Norderstedt. Ob nun auf einem See wie in Warendorf, an Nord- und Ostsee oder wie bei internationalen Meisterschaften im Mittelmeer oder dem Atlantik – es gibt Wind, Wellen, Quallen, Algen, Kälte. „Man muss immer die Orientierung behalten und nach vorne gucken“, sagt Rebecca. „Und beim Sitzen auf dem Board ist es ziemlich wackelig. Deswegen probiere ich jeden Tag zu trainieren.“

Hierfür trifft sich die Schülerin des Lise-Meitner-Gymnasiums oft mit einer kleinen Trainingsgruppe an der Costa Kiesa in Tangstedt, wo nicht nur die älteren DLRG-Sportler Aufsicht haben, sondern viele Rettungsschwimmer verschiedener Altersklassen in den Abendstunden ihre Runden drehen.

Geübt wird zudem am Strand – für die „Beach Flags“. Hierbei müssen die Sportler eine Sprintstrecke im Sand zurücklegen und am Ziel einen Stab schnappen. Wer sich in diesen umkämpften Rennen durchsetzen will, muss nicht nur flink, sondern auch robust und clever sein.

„Man lernt seine Grenzen kennen“

Natürlich gehörte dies gleichermaßen zum Programm in Warendorf. Weiter mussten auf dem Feldmarksee mit dem Board ein Geschicklichkeitsparcours und ein Sprintkurs absolviert werden. Dritter Teil war eine Ausdauerübung – ebenso mit dem Board. Im Abstand von 50 Metern wurden Bojen gesetzt, Rebecca Nissen musste zehn Minuten im Uhrzeigersinn so viel paddeln, wie es ihre Kraft erlaubte. „Da lernt man seine Grenzen kennen. Jeder versucht alles zu geben, um in den Kader zu kommen.“

Die letzten beiden Übungen wurden schließlich noch einmal im normalen Freistil wiederholt. Zehn Stunden, von 9 bis 19 Uhr, waren Rebecca und ihre Mitstreiter gefordert. Und das war nur Tag eins. Nach dem Aufstehen am nächsten Morgen begannen ausgiebige Athletikeinheiten, bei denen Kriterien wie Schnelligkeit, Beweglichkeit und Kraftausdauer im Mittelpunkt standen.

Jetzt wartet Rebecca auf ein Ergebnis

Was in den Bewertungsbögen notiert wurde, weiß Rebecca Nissen natürlich noch nicht. In knapp einer Woche sollte sie das Ergebnis erfahren und damit, ob sie den Sprung in den Nationalkader schafft. Das Wochenende in Warendorf war so oder so erkenntnisreich. „Ich habe viele Rückmeldungen bekommen, was ich verbessern kann. Das war ein Glück für mich, dass ich teilnehmen durfte.“

Rebecca hat die nächsten Ziele übrigens schon anvisiert. Etwa die Deutschen Meisterschaften in Osnabrück im Oktober. Hier wird sie mit dem Team der AK 15/16 – mit ihr schwimmen Paula Heydn, Riana Baas, Ronja Schubert und Hannah Seifert – als amtierende schleswig-holsteinische Landesmeister am Start sein, und auch im Einzel darf sich Rebecca beweisen.