Norderstedt
Rettungsschwimmen

Die „Landes“ – ein organisatorisches Meisterstück

Ob als Schwimmer, Helfer oder Organisatoren – die DLRG Norderstedt gab vier Tage lang ein rundum gelungenes Bild ab

Ob als Schwimmer, Helfer oder Organisatoren – die DLRG Norderstedt gab vier Tage lang ein rundum gelungenes Bild ab

Foto: Hauke Lahn

Norderstedts Rettungsschwimmer richten mustergültig Landesjugendtreffen und Landesmeisterschaften aus. Dazu gewinnen sie neunmal Gold.

Norderstedt.  Der Begriff hatte Norderstedts Rettungsschwimmer über Monate verfolgt. „Landes“ hieß es bei jedem Training, jeder abendlichen Sitzung, in täglichen E-Mail-Ketten, Telefongesprächen oder WhatsApp-Chatrunden. Das 29. Landesjugendtreffen der DLRG, kombiniert mit den
49. Landesmeisterschaften, sollte vier Tage lang in der Stadt ausgetragen werden – die größte Gliederung Schleswig-Holsteins wusste schnell, dass sie sich da etwas Großes aufgehalst hatte.

Oder anders ausgedrückt: Sie wurde relativ kurzfristig mit sanftem Druck dazu überredet, als Ausrichter zu fungieren. Hauke Lahn, einer der Veranstaltungsleiter, erinnert sich. „Im Oktober 2014 hatten wir bei den Schulen und beim Arriba-Bad angefragt, im November stand es dann fest. Ab einem gewissen Zeitpunkt waren wir alle Feuer und Flamme.“

Dem Landesverband wurde so ein wenig aus der Bredouille geholfen, denn Norderstedt hatte einspringen müssen, weil sich keine andere Ortsgruppe beworben hatte. „Normal ist eine Vorbereitungszeit von eineinhalb Jahren. Bemerkenswert, wie es die Norderstedter geschafft haben, die Veranstaltung mit einer so kurzen Vorbereitungszeit durchzuführen“, sagte der Landesvorsitzende Christoph Mager.

Schon 1993 und 2002 war Norderstedt Gastgeber

Gefordert waren ausreichende Wettkampfstätten, weswegen sowohl das Schul- und Vereinsbad sowie halbtags auch das Arriba-Erlebnisbad reserviert wurden. Das war jedoch fast Routine im Vergleich zur Aufgabe, Unterkünfte für die 1000 Aktiven und rund 400 Helfer zur Verfügung zu stellen. „Die kamen aus ganz Schleswig-Holstein“, so Hauke Lahn, „wir hatten ja schon 1993 und 2002 Landesjugendtreffen hier und wussten: Es geht nur mit vielen ehrenamtlichen Helfern.“

Deren fleißige Hände verwandelten das Schulzentrum Süd in Glashütte mehr oder weniger über Nacht vom Zeitpunkt der letzten Schulklingel bis zur Ankunft der Sportler aus dem gesamten Bundesland in eine Stadt der Rettungsschwimmer – inklusive Kantine, Kino, Zeitungsredaktion, Freizeit- und Ausflugsmöglichkeiten, einem Sanitätsbereich und Schlafräumen. Weil der Handy-Empfang in den Gebäuden nur gering war, kommunzierten Helfer und „HaSis“ (Haus-Sicherheit) mit Funkgeräten, liebevoll „Quetschen“ genannt.

Wer das Gelände auf einem Rundgang erkundete, sah, dass alle Rädchen ineinander griffen. Grundsätzlich war zwar der Norderstedter Jugendvorstand verantwortlich, doch ein großes Team von Organisationsprofis der Gliederung, des Landesjugendvorstandes und der Landes-DLRG stand dahinter.

Vereinschef Holger Lahn hat die wichtigen Kontakte

„Und es gab eine breite Unterstützung von der Stadt, dem Arriba und den Stadtwerken“, sagte Sonja Lindermann, Jugendvorsitzende in Norderstedt. „Dazu haben wir mit Holger Lahn einen Vereinschef, der gefühlt jeden Menschen in der Stadt kennt. Das hat immer geholfen, wenn wir eine Frage hatten.“ So wurde etwa die unvermeidliche Müllentsorgung elegant gelöst – die Verwaltung übernahm alles, und zwar kostenlos. Unterstützer wie Hamburg Airport, Wasserski Norderstedt und das Bowlingcenter Pins luden zudem zu Aktivitäten ein.

Ernst wurde es parallel im Wasser. Kaum zu stoppen war insbesondere die 15 Jahre alte Norderstedterin Rebecca Nissen. Die Zehntklässlerin hatte zunächst noch gestaunt, was aus dem Schulzentrum Süd, also ihrer eigenen Schule, geworden war. „Das war schon seltsam, nicht zum Lernen hinzugehen.“ Bei den Wettkämpfen nutzte sie dafür ihren Heimvorteil. „Es ist ein anderes Gefühl, im Heimatbecken zu schwimmen, aber nicht minder aufregend. So gute Zeiten bin ich noch nie geschwommen, ich war sehr gut drauf.“

Die Bilanz der DLRG: Vier Einzel- und fünf Mannschaftstitel

Das war auch nötig, denn ihre Konkurrentin Lara Morlang (Glücksburg) erwies sich in der Altersklasse 15/16 als ebenbürtig. Erst die letzte Disziplin – 100 Meter Hindernis – entschied im Rettungsvierkampf nach Herz-Lungen-Wiederbelebung, 50 Meter Retten und 100 Metern Retten mit Flossen zugunsten von Rebecca Nissen. Ähnlich spannend entwickelte sich der Mannschaftswettkampf, wo die Einzelsiegerin gemeinsam mit Paula Heydn, Riana Baas, Ronja Schubert und Hannah Seifert knapp vor Glücksburg gewann.

Dies waren zwei von insgesamt neun Titeln für die Gastgeber, die damit zur erfolgreichsten Gliederung avancierten. So gewannen Fynn Barthel (AK 12), Jannis Gibau (AK 15/16) und Mats Dahmen (kombinierte Rettungsübung) im Einzel sowie vier weitere Teams. Die siegreichen AK-12-Mädchen starteten mit Malena Geßner, Lea Mittag, Tabea Nissen, Ann-Marie Schmidt und Lucia Martinez-Willenborg. Gold gab es in dieser Altersklasse auch für das männliche Team mit Kenan Rama, Fynn und Mika Barthel, Finley Dassau und Till Ziems. Dazu triumphierten die gemischte AK 13/14 (Benedict Ahlquist, Markus Becker, Nele Kolmich, Janne Kusch) sowie die
AK 15/16 (Jannis Gibau, Felix Hagemeister, Adrian Fei Kunze, Jan Kurkowski, Jakob Babbel).

Wie am Rande bekannt wurde, wird Norderstedt künftig eine noch wichtigere Rolle im Rettungssport einnehmen und ist ab sofort ein Landestrainingszentrum für Pool-Disziplinen (Freigewässer: Glücksburg). Demnach werden im Schul- und Vereinsbad mehrmals pro Jahr Lehrgänge für die besten Aktiven stattfinden.