Norderstedt
Behindertensport

Rauschender Empfang am Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel

Die Norderstedter Werkstätten-Athleten Sebastian Kröger, 26, links, und Andreas Winter, 35, sind mit ihrer Sportlehrerin Maike Rotermund, 52, von den Special Olympics Summer Games in Los Angeles zurückgekehrt und wurden von einem über 50-köpfigen Empfangskomitee lautstark am Flughafen begrüßt. Im Gepäck: Zweimal Bronze – für Kröger im Weitsprung und Winter im 10km-Zeitfahren

Die Norderstedter Werkstätten-Athleten Sebastian Kröger, 26, links, und Andreas Winter, 35, sind mit ihrer Sportlehrerin Maike Rotermund, 52, von den Special Olympics Summer Games in Los Angeles zurückgekehrt und wurden von einem über 50-köpfigen Empfangskomitee lautstark am Flughafen begrüßt. Im Gepäck: Zweimal Bronze – für Kröger im Weitsprung und Winter im 10km-Zeitfahren

Foto: Ulrich Stückler

Leichtathlet Sebastian Kröger und Radfahrer Andreas Winter sind von den Special Olympics in LA zurück: Im Gepäck zwei Bronzemedaillen

Norderstedt. Es waren weder Filmstars noch Promis, die am Flughafen Fuhlsbüttel durch die Tür in Terminal 2 kommen sollten. Dennoch warteten dort 60 Menschen mit Transparenten, Schildern und Blumen. Als sich um 18.35 Uhr die Türen öffneten, brach der Jubelsturm los. Sebastian Kröger und Andreas Winter, Athleten der Norderstedter Werkstätten, sowie ihre Sportlehrerin Maike Rotermund nahmen strahlend die Ovationen entgegen und tauchten ins Meer aus Glückwünschen und Umarmungen ein.

Den rauschenden Empfang hatte sich das Trio redlich verdient: Kröger und Winter schafften mit jeweils einer Bronzemedaille bei den Special Olympics World Games in Los Angeles, den Olympischen Sommerspielen für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung, den Sprung aufs Siegerpodest.

Im Fall von Sebastian Kröger war dies sogar wörtlich zu nehmen. Der Leichtathlet hatte im Weitsprung eine große Nervenbelastung zu bewältigen und meisterte die Herausforderung souverän – mit lautstarker Hilfe von der Tribüne aus. „Ich musste ihn anbrüllen, dass er sich mehr auf den Anlauf konzen­triert und aggressiver wird“, erinnerte sich Maike Rotermund schmunzelnd an die Sekunden vor dem letzten Sprung der Konkurrenz.

Der 26 Jahre alte Kröger, der zu diesem Zeitpunkt auf Platz sechs lag, beherzigte die Anweisung und konzentrierte sich auf die Anlaufbahn, an deren Ende anstatt eines Brettes nur ein ungewohnter Klebestreifen aufgebracht war. „Und es hat geklappt. Vorher habe ich immer etwas verschenkt, diesmal passte es“, sagte er strahlend. Mit seinem Satz auf 3,11 Meter katapultierte sich der Athletensprecher der 194 Männer und Frauen starken deutschen Delegation um drei Plätze nach vorn.

Damit hatte er sich seinen größten Wunsch erfüllt und von der Sorge befreit, die Flughafentür neben seinem Teamkameraden Andreas Winter ohne Medaille passieren zu müssen. Der
34 Jahre alte Radrennfahrer hatte sich zwei Tage zuvor Edelmetall gesichert.

Beim Zehn-Kilometer-Zeitfahren bestätigte er mit der Präzision eines Uhrwerks seine Leistung aus dem Klassifikationsrennen über fünf Kilometer. Nach den 8:30,98 Minuten über die kürzere Strecke benötigte er nun 17:01,05 Minuten für die doppelte Distanz.

„Ich habe mich gut gefühlt, und mein Rad hat wunderbar funktioniert“, sagte Winter und bedankte sich noch einmal bei den Sponsoren Block House AG und Bergamont, die ihm den Hightech-Carbon-Renner finanziert haben.

„Noch wichtiger war aber Andreas’ überragender Auftritt beim 40-Kilometer-Straßenrennen, in dem er Vierter geworden ist“, sagte Maike Rotermund. „Da hat er sich so cool, diszipliniert und leistungsstark gezeigt, dass wir ihn nun für das Race Across America anmelden werden. Dann fährt er im Juni 2016 in einem Achter-Team rund 5500 Kilometer quer durch die USA.“