Norderstedt
Behindertensport

Noch eine Woche Vorfreude auf Spiele in Los Angeles

Radcoach Oliver Zöbisch, Trainerin Maike Rotermund, Andreas Winter und Sebastian Kröger (von links) freuen sich über die Unterstützung durch Jörg Rusch von ihrem Reisekostensponsor, der Immobilien- und Grundstücksgesellschaft  Manke GmbH & Co KG aus Henstedt-Ulzburg

Radcoach Oliver Zöbisch, Trainerin Maike Rotermund, Andreas Winter und Sebastian Kröger (von links) freuen sich über die Unterstützung durch Jörg Rusch von ihrem Reisekostensponsor, der Immobilien- und Grundstücksgesellschaft Manke GmbH & Co KG aus Henstedt-Ulzburg

Foto: Ulrich Stückler

Die Werkstätten-Sportler Andreas Winter und Sebastian Kröger starten in einer Woche zu den Special Olympics. Sponsoren helfen kräftig.

Norderstedt. Langsam aber sicher steigt das Lampenfieber. In genau einer Woche, am kommenden Dienstag, werden Andreas Winter und Sebastian Kröger um 10 Uhr in den Flieger nach Frankfurt/Main steigen. Von dort aus starten sie nur knapp drei Stunden später zum größten sportlichen Abenteuer ihres Lebens durch. Die beiden Aktiven der Norderstedter Werkstätten gehören zur 194 Sportler starken deutschen Delegation, die aus der Hessen-Metropole nach Los Angeles zu den Special Olympics Summergames – die Olympischen Sommerspiele für Menschen mit geistiger Beeinträchtigung – aufbricht.

Radrennfahrer Winter, der im
Zehn-Kilometer-Zeitfahren sowie in Straßenrennen über 15 und 25 Kilometer auftrumpfen will, und Leichtathlet Kröger, der neben seinen Antritten im 100-Meter-Sprint und im Weitsprung auch auf eine Nominierung für die deutsche 4 x 100-Meter-Staffel hofft, haben eine vertraute Hilfe an ihrer Seite, wenn sie sich auf ihre USA-Reise machen. Werkstätten-Sportlehrerin Maike Rotermund – zudem Stützpunktleiterin des Leichtathletik-Landesleistungszentrums Norderstedt für Menschen mit Behinderung – ist als Trainerin und Betreuerin von Special Olympics Deutschland für die L.A.-Delegation nominiert worden.

Ihre Unterstützung wird den beiden Werkstätten-Sportlern das Leben vor Ort auf jeden Fall erleichtern, wird aber auch – wie Rotermund erfreut registriert – mehr und mehr überflüssig. „Beide Jungs haben durch die Bestätigung, die sie erfahren, gewaltige Fortschritte auch abseits des Sports gemacht“, sagt sie“, „so wird Andreas beispielsweise immer lockerer, er streut hin und wieder sogar einen Witz ein, wahrt dabei aber Disziplin. Er übernimmt immer mehr Verantwortung. Das, was er und Sebastian an positiver Entwicklung seit der Nominierung für Special Olympics zeigen, ist eine Riesenfreude für uns.“

Radrenn-Trainer Oliver Zöbisch kann hingegen nicht mit in die USA fliegen. „Leider hat die Dachorganisation Special Olympics Deutschlands eigene Coaches“, so Maike Rotermund, „dabei ist es ein gewaltiger persönlicher Einsatz, den Oliver geleistet hat, damit Andreas über die National Olympics im vergangenen Jahr sowie seine aktuellen Leistungen die Nominierung schaffen konnte.“

„Seit feststeht, dass ich nach Los Angeles darf, ist Oliver noch mal fast 7000 Kilometer mit mir Rad gefahren“, sagt der 34 Jahre alte Winter, der dankbar über das ehrenamtliche Engagement des selbstständigen Physiotherapeuten aus dem Norderstedter Herold-Center ist. Maike Rotermund absolvierte derweil zweimal pro Woche mit Sebastian Kröger Start-, Lauf- und Sprungübungen.

Zusätzlich gab es für die beiden Olympioniken auch Trainingslager – ganz wie bei den „Großen“. Andreas Winter durfte mit dem deutschen Rad-Team für L.A. eine Woche lang auf Mallorca an seiner Fahrtechnik feilen; Sebastian Kröger traf sich vier Tage lang in Bad Malente mit den National-Olympics-Leichtathleten. Doch während Kröger, der sich auch als schleswig-holsteinischer Athletensprecher für seine Mitsportler einsetzt, mit einem guten Paar Spikes und diszipliniert eingehaltenem Trainingsprogramm bereits olympiafit gemacht werden konnte, galt es für Winter, eine wesentlich kostenintensivere Frage zu klären.

„Andreas’ bisheriges Wettkampfgerät wog knapp neun Kilogramm und war aerodynamisch alles andere als optimal“, sagt Oliver Zöbisch, „aber seit diesem Frühjahr hat er ein konkurrenzfähiges Vollcarbon-Rad, das nur noch 6,8 Kilogramm schwer und für Zeit- und Straßenrennen gleichermaßen geeignet ist.“ Die erforderliche Investition von 5000 Euro war nur durch eine großzügige Spende der Block House AG und das Entgegenkommen der Herstellers zu bewältigen. „Die Firma Bergamont hat uns das topaktuelle Modell für knapp die Hälfte des Katalogpreises überlassen“, sagt Maike Ro­termund, die noch einem anderen Gönner sehr dankbar ist.

„Die Teilnehmer der Worldgames in Los Angeles müssen sich mit 400 Euro pro Kopf an den Reisekosten beteiligen.“ Ein misslicher Umstand, den die Manke Wohnungsbaugesellschaft aus Henstedt-Ulzburg nun mit einer 1200-Euro-Spende großzügig aus dem Weg geräumt hat.

www.la2015.org