Norderstedt
Schach

4:4 – SK Norderstedt ist zum zweiten Mal erstklassig

Der polnische Großmeister Michal Olszewski trat für den SK Norderstedt in der Zweitliga-Saison viermal an Brett eins an – und gewann alle vier Partien

Der polnische Großmeister Michal Olszewski trat für den SK Norderstedt in der Zweitliga-Saison viermal an Brett eins an – und gewann alle vier Partien

Foto: Thomas Maibom

Remis beim SC Kreuzberg reicht, um den Aufstieg in die Bundesliga perfekt zu machen. Die Mannschaft will komplett zusammenbleiben.

Norderstedt. Christian Michna kam schnell zur Sache. „Du bist wieder Präsident eines Bundesligavereins“, teilte der Kapitän der ersten Mannschaft des Schachklubs Norderstedt seinem Gesprächspartner am anderen Ende der Telefonleitung mit. Diesem fiel vor Freude fast der Hörer aus der Hand. Schließlich hatte SKN-Chef Rüdiger Schäfer dem letzten Zweitliga-Wettkampf in der Saison 2014/2015 mit einem mulmigen Gefühl in der Magengrube entgegengefiebert.

„Es wäre sehr enttäuschend gewesen, wenn wir so kurz vor dem Ziel den zweiten Aufstieg in die Bundesliga nach 2012 verspielt hätten“, so Schäfer. Der Grund für seine Unruhe: Die Situation vor dem Match beim SC Kreuzberg war längst nicht so komfortabel gewesen, wie es der schnelle Blick auf die Tabelle der zweithöchsten deutschen Klasse vermuten ließ.

Zwar gingen die Norderstedter als Spitzenreiter und mit der Gewissheit an die Bretter, dass ein Unentschieden zur Meisterschaft reichen würde; sie trafen in Berlin aber ausgerechnet auf ihren Angstgegner, der zu allem Überfluss auch noch in akuter Abstiegsgefahr schwebte. Und: Der SKN musste mit Großmeister Michal Olszewski (unaufschiebbarer Termin in Polen) und dem Internationalen Meister Michael Kopylov (startete zusammen mit Sohn Daniel bei einem Turnier auf Mallorca) seine beiden Spitzenleute ersetzen. An Position eins spielte deshalb erstmals in dieser Saison der Däne Simon Bekker-Jensen, den der SK Norderstedt aus Kopenhagen einfliegen ließ.

„Am Ende haben wir es gemacht wie ein gutes Pferd“, sagte Rüdiger Schäfer nach dem 4:4-Unentschieden schmunzelnd, „wir sind genauso hoch gesprungen, wie wir mussten.“ Bemerkenswert: Alle acht Partien endeten remis. Den entscheidenden halben Zähler zur Punkteteilung verbuchte Arne Jochens an Brett sieben gegen Manfred Gleinke.

Christian Michna: „Mit dem Sprung ins Oberhaus hatten wir vor der Zweitliga-Runde nie und nimmer gerechnet, da die Staffel mit dem scheinbar übermächtigen SK König Tegel sowie den Aufsteigern SV Glückauf Rüdersdorf und SF Schwerin sehr stark besetzt war.“

Doch letztendlich erwiesen sich die Norderstedter, die sich lediglich dem Lübecker SV geschlagen geben mussten, als das konstanteste Team. Zwar verbuchten Tegel, Rüdersdorf, der Hamburger SK II und Schwerin mehr Brettpunkte auf ihrem Konto; doch für die Platzierung in der Tabelle sind die Mannschaftspunkte ausschlaggebend – und in diesem Bereich war kein anderer Club besser als der SKN.

Das Saisonziel ist erreicht – jetzt gilt es, die Weichen für die Serie 2015/2016 zu stellen. Rüdiger Schäfer: „Es gibt einen großen Unterschied im Vergleich zu 2012: Wir wissen ziemlich genau, was auf uns zukommt.“

Bei der Zusammenstellung des Bundesliga-Kaders dürfte es keine gravierenden Änderungen geben. „Mir liegen zwar Anfragen von drei Internationale Meistern vor“, so Schäfer, „aber uns sind aktuell die Hände gebunden. Ohne zusätzliche Sponsoren können wir uns hochkarätige Neuzugänge nicht leisten.“ Immerhin hat Michal Olszewski, der an Brett eins bei vier Antritten vier Siege einfuhr, seine Bereitschaft bekundet, weiterhin für den SKN zu ziehen – genau wie alle anderen Akteure der Aufsteigermannschaft.

Als Glücksgriff hat sich die Verpflichtung der Youngster Benedict Krause, 17, und Emil Powierski, 19, erwiesen. Beide waren in allen neun Wettkämpfen dabei, Krause spielte mit sechs Punkten aus neun Partien eine bemerkenswerte Bilanz.

Für die kommende Serie kalkulieren die Norderstedter mit einem Etat von 15.000 Euro. „Der Löwenanteil geht dabei für Fahrt- und Übernachtungskosten drauf“, sagt Rüdiger Schäfer, „in der 2. Bundesliga fiel dieser Posten kaum ins Gewicht, da wir pro Spieltag nur ein Match hatten.“ Eine Klasse höher sind es dagegen zwei.

Schäfer will demnächst direkt Kontakt mit Firmen aus der Region aufnehmen, um potenzielle Geldgeber ausfindig zu machen. „Vielleicht ergibt sich bei den Gesprächen ja auch eine Alternative zu unserem bisherigen Spielort, der Mensa des Coppernicus-Gymnasiums. Allerdings müssen wir dabei die strengen Auflagen des Deutschen Schachbundes bezüglich der Größe des Raums, des Lichts und der Internet-Anbindung berücksichtigen.“

Die Abschlusstabelle der 2. Bundesliga Nord 1. SK Norderstedt (14 Mannschaftspunkte/38,5 Brettpunkte), 2. SK König Tegel (13/44), 3. SV Glückauf Rüdersdorf (12/43), 4. Hamburger SK II (12/41,5), 5. SF Schwerin (11/42), 6. SK Zehlendorf (9/36), 7. SC Kreuzberg (7/32), 8. Lübecker SV (6/29,5), 9. SF Berlin II (4/31,5), 10. SK Union Oldenburg (2/22).


Die Bilanzen der SKN-Spieler
Michal Olszewski 4 Punkte aus 4 Partien; Michael Kopylov 2/7; Simon Bekker-Jensen 0,5/1; Suren Petrosian 2,5/5; Marta Michna 6,5/9; Emil Powierski 3/9; Benedict Krause 6/9; Viktor Polischuk 1/1; Christian Michna 4/8; Oliver Zierke 0,5/1; Arne Jochens 3,5/6; Falko Meyer 2,5/5; Thomas Kahlert 2,5/6.