Norderstedt
Cloppenburg

In 180 Sekunden alles verspielt

Regionalliga-Fußballer von Eintracht Norderstedt unterliegen beim BV Cloppenburg mit 1:2 und bangen um ihren Mittelfeldmotor Deran Toksöz

Cloppenburg. Während der fast 400 Kilometer langen Hin- und Rückfahrt verbrachten die Fußballer von Eintracht Norderstedt fünf Stunden auf der Autobahn; 77 Minuten lang sah der Regionalligist in der Partie beim BVCloppenburg wie der verdiente Sieger aus, um in 180 Sekunden alles zu verspielen. Die Art und Weise der 1:2 (1:0)-Niederlage, der vierten in Folge, war symptomatisch für die aktuelle Misere der Garstedter und nicht minder bitter als das 0:5 vor einer Woche gegen Werder Bremen II.

Vor allem deshalb, weil sich die Mannschaft lange Zeit über eine gute Einstellung Vorteile in einer höhepunktarmen Begegnung erarbeitete. „Wir hatten es im Griff“, sagte Trainer Thomas Seeliger, was schon einmal ein klarer Fortschritt war gegenüber den vorherigen Wochen. Neben den zuletzt gesperrten Deran Toksöz, Marius Browarczyk und Philipp Koch hatte der Coach auch Erdinc Güner und Steffen Heinemann für die Startelf nominiert, es sollte eine laufstarke Formation sein. In der eigenen Hälfte war die Eintracht angehalten, die Räume eng zu halten, offensiv wurden insbesondere Toksöz sowie Yayar Kunath gesucht.

Die taktische Marschroute funktionierte ordentlich. Kunath provozierte schnell zwei Gelbe Karten, Toksöz fand Freiräume und traf sogar ins Netz; das vermeintliche Führungstor (10.) wurde jedoch aberkannt. Nach 20 Minuten applaudierte Abwehrchef Marin Mandic seinen Mitspielern: „Das sieht sehr gut aus, Norderstedt“, rief er laut hörbar.

Dennoch musste es wie so oft eine Standardsituation sein, die der Mannschaft half. Philipp Koch verwandelte in der 38. Minute einen Foulelfmeter, nachdem zuvor Deran Toksöz umgerissen worden war. Obwohl Cloppenburgs Innenverteidiger Marius Krumland damit eine klare Torchance verhinderte, wurde er nicht einmal verwarnt – eine Entscheidung von Referee Viatcheslav Paltchikov (Eintracht Groß Grönau), die für Verwunderung sorgte. Zumal die Szene für Toksöz Folgen hatte: Der bis dahin überzeugende Rückkehrer zog sich eine Verletzung am rechten Knie zu und musste ausgewechselt werden.

„Tiefer!“ Diese Anweisung bekamen die Eintracht-Spieler von Thomas Seeliger und seinem Assistenten Stefan Siedschlag im zweiten Durchgang immer wieder zu hören Je näher der mögliche Auswärtssieg rückte, desto angespannter wurde das Trainerduo – drei Punkte hätten automatisch auch das Standing im eigenen Verein verbessert.

Bei den Entlastungsangriffen der Norderstedter offenbarte sich hingegen die pure Harmlosigkeit. Angreifer Sinisa Veselinovic agierte erneut unglücklich, ihm fehlt die Intuition, zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle zu stehen. Zudem haderte er mit vielen Situationen, was auch die Körpersprache verdeutlichte. Ein formstarker Konterspieler hätte wohl ausgereicht, um das Match zu entscheiden.

Stattdessen passierte, was Keeper Johannes Höcker mit „selbst schuld“ beschrieb. Eine kompakte Defensive kann halt nur funktionieren, wenn die Konzentration nicht nachlässt. Doch genau dies passierte, sodass zwei Szenen ausreichten, um das Geschehen zugunsten Cloppenburgs kippen zu lassen. Beim 1:1 (78. Minute) konnte die Eintracht trotz Überzahl einen Querpass zu BVC-Kapitän Gerrit Thomes nicht verhindern, dessen Rechtsschuss passte genau in den rechten Winkel.

Das 1:2 (80.) war ebenfalls vermeidbar – Mannschaftskapitän Philipp Koch ließ sich den Ball im Mittelkreis abnehmen, beim folgenden Angriff konnten die Eintracht-Spieler weder auf den Passgeber Jonas Wangler noch auf den Torschützen Tim Wernke Druck ausüben. Was blieb, war Fassungslosigkeit. „Dieses Spiel dürfen wir nie verlieren. Cloppenburg hat aus drei Möglichkeiten zwei Tore gemacht“, sagte Thomas Seeliger und sprach von einer „riesigen Enttäuschung“.

Auf einen Abstiegsplatz ist Eintracht Norderstedt nach dem 13. Spieltag zwar nicht abgerutscht. Doch der Blick auf die kommenden Aufgaben gibt aufgrund der langen Verletztenliste wenig Anlass für Optimismus. Vier der nächsten fünf Begegnungen finden gegen U23-Teams statt (Eintracht Braunschweig II, Hannover96 II, FC St. PauliII, HamburgerSVII), dazu kommen Auswärtsaufgaben beim BSV Rehden und dem SV Meppen. Dass zuletzt in Lüneburg und in Cloppenburg, also bei Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt, nicht gepunktet wurde, wiegt angesichts dieses Programms umso schwerer.