Norderstedt

SV Henstedt-Ulzburg: Der Absteiger der Herzen

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Frank Best

Nach einem Jahr Zugehörigkeit zur zweithöchsten deutschen Klasse spielen die Handballer des SV Henstedt-Ulzburg künftig wieder in der 3. Liga.

Norderstedt. Um 20.58 Uhr und 20 Sekunden ist das Kapitel 2. Bundesliga für die Handballer des SV Henstedt-Ulzburg beendet. Während die mitgereisten Fans des ThSV Eisenach in der Norderstedter Moorbekhalle den deutlichen 37:30 (17:11)-Auswärtssieg ihrer Mannschaft bejubeln und "Nie mehr 2. Liga" skandieren, lassen die SVHU-Akteure deprimiert Köpfe und Schultern hängen. Der aufmunternde Applaus des Publikums verhallt bei Spielern, Betreuern und Helfern nahezu ungehört - zu groß ist die Enttäuschung über den Abstieg nach einem Jahr Zugehörigkeit zur zweithöchsten deutschen Spielklasse.

Der auf dem Hallenboden hockende Rechtsaußen Julian Lauenroth, 21, steht nach dem Schlusspfiff des Schiedsrichtergespanns Ronny Dedens und Nico Geckert aus Magdeburg unter Schock, kann seine Tränen nicht mehr zurückhalten und weint hemmungslos. Tränen, derer er sich nicht zu schämen braucht. Denn der nur 1,69 Meter große Linkshänder, der beim Einlaufen seiner Zweitliga-Mannschaft stets wie ein Zwerg unter Riesen wirkt, ist ein ganz großer Sportler. Er hat, wie es seine Art ist, bis zum Umfallen gekämpft, alles versucht - ohne das erhoffte Resultat.

Kreisläufer Jan Wrage, ein 2,02-Meter-Hüne und neben Linksaußen Jens Thöneböhn das zweite Henstedt-Ulzburger Eigengewächs im Kader, ist ebenfalls angeknockt; er sitzt stocksteif auf einem Stuhl und stiert minutenlang apathisch ins Leere. Die beiden Keeper Jan Peveling und Stephan Hampel liegen derweil im Wurfkreis vor ihrem Tor - der Frust steht ihnen ins Gesicht geschrieben.

Das Handball-Wunder im Fernduell mit der vor dem letzten Spieltag punktgleichen, aber einem um 29 Treffer besseren Torverhältnis ausgestatteten SG Leutershausen - es hat nicht stattgefunden. Der ThSV Eisenach lässt den Gastgebern 60 Minuten lang kaum die Luft zum Atmen, zeigt eine starke Leistung und glänzt sogar mit technischen Kabinettstückchen. Die vor dem Match im Umfeld des SVHU gehegte Hoffnung, der Bundesliga-Aufsteiger aus Thüringen würde in Norderstedt im Feier-Modus antreten, entpuppt sich als Wunschtraum.

Damit nicht genug: Zeitgleich erledigen die Leutershausener ihre Hausaufgabe und fertigen die als auswärtsschwach bekannte HSG Nordhorn-Lingen nach einem 12:13-Halbzeitrückstand noch mit 28:22 ab - den Henstedt-Ulzburgern hätte somit selbst ein Sieg nicht zum Klassenerhalt gereicht.

Die Hoffnung auf die Wende, sie lebt exakt bis zur 37. Minute. Bis zum Tor zum 17:19 durch Julian Lauenroth. Als sich Eisenach dann aber mit einem Zwischenspurt wieder absetzt und der Internet-Live-Ticker einen Heimerfolg der SG Leutershausen prognostiziert, verstauen die meisten SVHU-Sympathisanten unter den insgesamt 800 Zuschauern ihre zuvor noch eifrig benutzten Smartphones genervt in Hand-, Hosen- oder Jackentaschen.

Trainer Tobias Skerka erlebt das Spielende mit versteinerter Miene. Janicke Bielfeldt und Nina Schilk, zwei Drittliga-Spielerinnen der Frauenmannschaft des SV Henstedt-Ulzburg, jubeln derweil von der Haupttribüne dem Absteiger der Herzen zu. "Schade, aber gegen diesen Gegner war nicht mehr drin", sagt Bielfeldt. Und Schilk ergänzt mit einem bezaubernden Lächeln: "Wer hinfällt, der muss auch wieder aufstehen. Dann gibt's im nächsten Jahr eben den Doppel-Aufstieg."

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