Norderstedt

Eine unverhoffte Chance

Eintracht Norderstedt startet als Nachrücker für den FC Elmshorn in der Regionalliga-Aufstiegsrunde.

Norderstedt. Die Tickets in den Süden lagen längst griffbereit. Ein paar gemeinsame Tage Mallorca wollten sich die Fußballer von Eintracht Norderstedt ab dem 30. Mai gönnen Doch daraus wird nichts. Was erst als loses Gerücht seinen Anfang nahm, steht nun fest: Die Eintracht spielt am 1., 4. und 8. Juni in drei Partien gegen Kontrahenten aus Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen um den Aufstieg in die Regionalliga Nord.

Der Verein profitiert vom für die Öffentlichkeit überraschenden, in der Szene indes schon mehrfach kolportierten Rückzug des FC Elmshorn. Dabei hatte der Oberliga-Champion noch im März auf einer Pressekonferenz stolz seine Pläne dargelegt, der Norddeutsche Fußball-Verband (NFV) den Club im Mai zugelassen; und an der sportlichen Eignung gab es keine Zweifel.

Nur: In den letzten Tagen stellte sich heraus, dass Elmshorn schlicht über keine Spielstätte für die Aufstiegsrunde verfügt. Es gab Verhandlungen mit der Stadt über eine Nutzung des Krückaustadions, doch der NFV hätte dieses erst am 11. Juni inspizieren können. Allerdings war die Heimpartie des FCE gegen den Vizemeister der Oberliga Niedersachsen schon fest für den 1. Juni angesetzt.

Alternativ hätte die bisherige Heimstätte des Vereins an der Wilhelmstraße ausgebaut werden können, doch die Finanzierung konnte nicht rechtzeitig geklärt werden. Rein hypothetisch ist in diesem Zusammenhang, ob die Niederlage im Oddset-Pokal-Finale gegen den SC Victoria am Pfingstmontag ebenfalls für den Rückzug ausschlaggebend war. Immerhin entgingen Elmshorn damit Einnahmen von rund 100.000 Euro.

Reenald Koch, Vorsitzender von Eintracht Norderstedt, bestätigte, dass er von seinem Elmshorner Amtskollegen Helge Melzer über den Verzicht des FCE informiert wurde. Die Zeit drängte, denn schließlich absolvierten die Garstedter am Donnerstag (bei Redaktionsschluss noch nicht beendet) ihr letztes Ligaspiel gegen den FC Bergedorf 85.

In einer Mannschaftssitzung vor dem Anpfiff informierte Koch die Kicker über die neue Entwicklung. "Wir werden unsere Chance jetzt nutzen und haben alles parat. Ich bin gespannt, wie wir uns schlagen werden."

Sein Trainer Thomas Seeliger hatte keine Zeit verstreichen lassen, als er erstmalig von der Möglichkeit hörte, dass die Eintracht in die Aufstiegsrunde nachrücken könnte. "Ich habe mir schon Infos über die Gegner aus Niedersachsen geholt. Ich bin ja kein Amateur, man sollte sich schon professionell vorbereiten."

Das lässt sich seiner Meinung nach von den Elmshornern nicht sagen. "Das ist schon bedenklich, was auf deren Seite gelaufen ist. So etwas wie mit dem Stadion muss man doch im Vorwege klären."

Nun ist Improvisationskunst gefragt. Jürgen Tunjic wollte beispielsweise seinen Sommerurlaub in Kroatien ab dem 7. Juni antreten. Doch als der Torjäger von der unverhofften Aufstiegschance hörte, meldete er sich sofort zum Dienst.

"Das ist super für uns! Ich will unbedingt spielen. Bei meinem Urlaub bin ich flexibel, ich fahre eh mit dem Auto nach Kroatien." Der 38-Jährige ist der mit Abstand älteste Kicker der Truppe. "Dass wir jetzt mit drei A-Jugendlichen spielen, ist kein Problem."