Energiepreise

Selbstversuch: Mein Weg zum Balkonkraftwerk auf dem Dach

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Frank Knittermeier
Abendblatt-Redakteur Frank Knittermeier mit einem der beiden Photovoltaik-Module. Irgendwann sollen sie auf dem Dach angebracht werden.

Abendblatt-Redakteur Frank Knittermeier mit einem der beiden Photovoltaik-Module. Irgendwann sollen sie auf dem Dach angebracht werden.

Foto: Christian Milkorb

Abendblatt-Redakteur Frank Knittermeier setzt auf Solarenergie. Doch zwischen Idee und Realität lagen viele Probleme.

Henstedt-Ulzburg.  Ein Balkonkraftwerk zu installieren – kann doch nicht so schwer sein. Zu dieser Auffassung bin ich nach der Lektüre von Zeitungsartikeln oder Beiträgen in Internetportalen schnell gelangt. Tatsächlich aber gibt es einige Fallstricke, die zumindest Photovoltaik-Anfänger zunächst vor Rätsel stellen oder gar kurzfristig zur Verzweiflung treiben.

Zunächst eine Warnung: Fast alle Veröffentlichungen sind von Experten verfasst worden, die entweder schlau sind, sich schlau gemacht haben oder sich nur schlau stellen. Deren Motto: Alles läuft glatt, keine Probleme: Hurra, das Photovoltaik-Zeitalter hat begonnen. Ich vermute aber, die meisten dieser Schreiber kennen derartige Anlagen nur in der Theorie.

Energiepreise: Selbstversuch – Mein Weg zum Balkonkraftwerk auf dem Dach

Logisch: Wer sich eine große Anlage für das Dach kauft, legt nicht selbst Hand an, sondern beauftragt eine Firma, die das erledigt. Das ist nicht billig, aber das Ergebnis kann sich sehen lassen. Bei Mini-Photovoltaik-Anlagen ist das anders: Hier ist das eigene Know-how gefragt.

Also los: Anbieter ausgesucht, Anlage bestellt. Zwei Module für das Gartenhäuschen, da kein Balkon vorhanden ist. Der Vertrag ist schnell geschlossen, aber die Lieferung lässt auf sich warten. Fristen vergehen. Nachfrage vergeblich: Meist sind am Telefon wechselnde Mitarbeiter, die von nichts wissen.

Balkonkraftwerke - es gibt viele Fallstricke für Uninformierte

Das ist durchaus verständlich. Denn die Anbieter solcher Anlagen werden derzeit überrannt und können mit den Auftragen kaum nachkommen. Balkonkraftwerke boomen. Gleichzeitig sind die Lieferketten für Produkte und Bauteile überlastet und gestört, vor allem aus China. Schön wäre allerdings ein Hinweis vom Lieferanten gewesen.

Nach wochenlanger Verzögerung dann ein neuer Termin, der mit zweiwöchiger Verzögerung zumindest annähernd eingehalten wird. Immerhin. Zwar fehlt der Wechselrichter für die Umwandlung von Gleichstrom in Wechselstrom, auch das richtige Kabel ist nicht vorhanden, außerdem werden immer wieder falsche oder nicht passende Teile geschickt. Aber sonst – alles gut. Kann ja alles nachgeliefert werden. Irgendwann.

Statt auf’s Gartenhäuschen kommt die Mini-Anlage auf’s Dach

Das nächste Problem ist hausgemacht: In unserer Euphorie hatten wir nicht darauf geachtet, dass das Gartenhäuschen zumindest im Winter von der hohen Hecke überwiegend beschattet wird. Das ist schlecht. Es muss also eine andere Lösung her. Und die heißt: Ab auf’s Dach. Für den Dachdecker unseres Vertrauens kein Problem: Gerüst bauen, ein paar Stunden Arbeitszeit, 1500 Euro. Das macht zusammen 2500 Euro. Denn die beiden Module mit einer Gesamtleistungskraft von 600 Kilowatt kosten knapp 1200 Euro.

Weil uns das unangemessen erscheint, wird der Sohn gebeten, sich das mal anzusehen. Kein Problem, meint der und stellt fest, dass die in der Zwischenzeit vorsorglich bestellten Halterungen nicht passen. Also neue anfordern.

Der Netzbetreiber stellt hohe Hürden auf

Sollten die Module eines Tages tatsächlich auf dem Dach angebracht sein, bleibt noch die Anmeldung „einer steckerfertigen Erzeugungsanlage mit max. 600 VA“ bei der Schleswig-Holstein Netz. Das ist haarig: Das Formular gibt’s im Internet, ist aber nicht auf den ersten Blick zu durchschauen: Haben wir einen Zweirichtungszähler? Keine Ahnung? Von Freunden weiß ich, dass der Netzbetreiber einen Wielandstecker fordert und nicht den mitgelieferten Schukostecker. Kein Problem – allerdings muss der Elektriker dann die entsprechende Steckdose installieren.

Weil ältere Stromzähler bei Einspeisungen rückwärts laufen, muss unter Umständen auch ein neuer Zähler installiert werden. Kein Wunder, dass viele vor diesen Hürden kapitulieren und ihre Anlage gar nicht erst anmelden, denke ich mir. Vielleicht bin ich aber auch nur ein exotischer Einzelfall.

Energiepreise: Genehmigungen werden unnötig kompliziert gemacht

Ein interessanter Hinweis des Elektrikers: Nach seinen Erfahrungen ist der schleswig-holsteinische Netzbetreiber nicht gut auf die Genehmigungen von Balkonkraftwerken vorbereitet. Es werde alles zu kompliziert gemacht, in anderen Bundesländern laufe das wesentlich besser.

Carsten Voß, der seine Anlage ein paar Häuser weiter auf dem Garagendach installiert hat, war schlauer: „Ich habe mich vorher ganz genau informiert und zum Beispiel auch in den verschiedenen Facebook-Foren nachgesehen“, sagt er. Sehr gute Idee und ein prima Tipp. Aber leider zu spät.

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