Polizei Norderstedt

Ersthelfer stirbt auf der Autobahn 7 - der Prozess beginnt

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Wolfgang Klietz
Der Unfall am Ostermontag 2021 führte zu einem Großeinsatz auf der Autobahn 7 in Höhe Norderstedt und Quickborn.

Der Unfall am Ostermontag 2021 führte zu einem Großeinsatz auf der Autobahn 7 in Höhe Norderstedt und Quickborn.

Foto: Michael Arning

64-Jähriger starb, als er einem Verletzten helfen wollte. Autofahrerin soll bei Glätte zu schnell mit Sommerreifen gefahren sein.

Norderstedt/Quickborn. Weil sie einen Ersthelfer auf der Autobahn 7 bei Norderstedt überfahren haben soll, steht am Donnerstag, 30. Juni, eine 27 Jahre alte Autofahrerin vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr fahrlässige Tötung vor. Laut Anklageschrift war die Frau mit ihrem AMG Mercedes mit „nicht angepasster Geschwindigkeit von mindestens 110 km/h bei winterglatter Fahrbahn mit Sommerreifen“ in Richtung Norden unterwegs, als das Unglück am 5. April 2021 geschah. Bei dem Unfall starb ein 64-Jähriger und zehn Menschen wurden verletzt, die meisten davon erheblich.

Ein Polizeisprecher sprach nach dem Unfall von einer „Verkettung äußerst unglücklicher und tragischer Umstände“. Offenbar war an diesem Ostermontag gegen 18.30 Uhr ein Hagelschauer Auslöser einer Kettenreaktion Die Unfallserie begann mit 18 Jahre alten Fahrer, der zu schnell auf der glatten Autobahn in Richtung Norden unterwegs war. Offenbar löste ein plötzlicher Hagelschauer eine Kettenreaktion aus: Der 18-Jährige verlor die Kontrolle über sein Auto und schleuderte in Höhe der Raststätte Holmmoor erst in die Mittelschutzplanke, um dann rechts auf dem Grünstreifen zum Stehen zu kommen.

Autobahn 7: 64-Jähriger stoppte auf dem Standstreifen, um zu helfen

Der 18-Jährige überstand den Unfall ohne Blessuren, sein 17 Jahre alter Beifahrer erlitt leichte Verletzungen. Nach Angaben der Polizei hielten vier Autofahrer, die den Unfall beobachtet hatten, hinter der Unfallstelle an. Dazu gehörte auch ein 64-Jähriger, der seinen Wagen auf dem Standstreifen stoppte und den Verunglückten zu Hilfe eilen wollte. „Der Ersthelfer lief laut Zeugen als erster vorsichtig hinter der Leitplanke zum Unfallort“, sagte der Polizeisprecher damals dem Abendblatt.

In diesem Moment kam die Mercedes-Fahrerin auf die Unfallstelle zu und verlor bei einem Fahrstreifenwechsel die Kontrolle über das Auto, das nach rechts von der Fahrbahn abkam und den 64-Jährigen erfasst, der ungeschützt am Ende der Leitplanke stand.

Polizei Norderstedt: Beamte versuchten, Schwerverletzten zu reanimieren

„Der Mercedes schleuderte gegen den 64-jährigen Ersthelfer und dann weiter gegen die abgestellten Fahrzeuge der übrigen Helfer auf dem Standstreifen“, teilte die Polizei mit. Beamte des Polizeireviers Norderstedt trafen als erste am Unfallort ein und versuchten, den Mann bis zum Eintreffen der Rettungskräfte zu reanimieren. Doch der Mann starb noch am Unfallort.

Rettungsdienst behandelt zehn Verletzte auf der A7

Die Mercedes-Fahrerin sowie ihre drei Mitfahrer – darunter ein erst ein Monate altes Baby – zogen sich schwere Verletzungen zu. Mehrere Rettungswagen und Notärzte waren im Einsatz. Sie behandelten die zehn Verletzte und fuhren sie in umliegende Krankenhäuser. „Beim Eintreffen der Einsatzkräfte waren die Fahrzeuge auf einer Strecke von 80 bis 100 Metern verteilt“, sagte damals ein Sprecher der Rettungsdienstkooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH).

Der Prozess im Saal F beginnt um 10 Uhr.

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