Henstedt-Ulzburg

„Die Arbeit hat sich deutlich verdichtet“

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Christopher Herbst
Kerstin Löbe, seit 41 Jahren Krankenschwester.

Kerstin Löbe, seit 41 Jahren Krankenschwester.

Foto: Christopher Herbst

Kerstin Löbe, Stationsleitung in der Paracelsus-Klinik, ist seit 41 Jahren Krankenschwester. Sie berichtet über die Veränderungen in der Pflege.

Henstedt-Ulzburg. Kerstin Löbe hat viel gesehen. Seit 41 Jahren ist sie Krankenschwester, erlebte 2021 die umstrittene Schließung der Medizinischen Klinik im Forschungszentrum Borstel. Seit April ist sie in Henstedt-Ulzburg tätig, leitet die Station A der Paracelsus-Klinik. „Es ist eine gemischte Station, wir haben chirurgische, haben Unfall- und innere Patienten. Und was bei uns besonders ist: Wir haben einen Iso-Bereich, wo nur Covid-Patienten sind.“

Corona hat verdeutlicht, wie sich die Pflege längst verändert hat. Löbe: „Die Arbeit hat sich deutlich verdichtet. Das Verständnis, das man früher hatte, den ethischen Anspruch an sich selbst, das kann man heute viel weniger machen, weil die Ressource Zeit nicht da ist, das Personal fehlt. Sich zu den Patienten zu setzen, zu sprechen, kommt oft zu kurz – durch Bedingungen, Anforderungen, Dokumentation. Als Leitung macht man viele Dinge hinter der Arbeit, manchmal hat man neun bis zehn Stunden.“ Trotzdem ist der Beruf etwas Besonderes. „Ich bin immer jemand gewesen, der gerne für andere da war, andere umsorgt hat. Ursprünglich wollte ich nie in die Pflege, sondern Stewardess werden. Ich bereue es keinen einzigen Tag, egal wie schwer manchmal der Alltag ist.“

Warum Kerstin Löbe dennoch jungen Menschen den Beruf empfiehlt

Die Momente, wenn Patientinnen oder Patienten nach einer erfolgreichen Behandlung entlassen werden, stärken dieses Gefühl. „Das spricht für das Team. Es gibt fehlendes Personal, aber ich erlebe auch mein Team. Egal wie schwer der Tag ist, sie sind alle nett, hilfsbereit, und am Ende des Tages ist die Arbeit trotzdem auch zu meiner Zufriedenheit gemacht. Wir freuen uns, wenn etwas super gelaufen ist. Das spiegelt sich auch darin, was mir Patienten persönlich sagen.“ Deswegen empfiehlt die erfahrene Krankenschwester auch jungen Menschen, diesen beruflichen Weg einzuschlagen – auch wenn dieser nicht vergleichbar ist mit einem Bürojob. „Ich würde jedem sagen, dass der Beruf nach wie vor toll ist, dass man ein breites Feld hat, wo man sich verwirklichen kann. Es ist nicht mit der Ausbildung getan, es gibt so viele Weiter- und Fortbildungen, sodass es Freude macht, es anzuwenden am Patienten.“

Welche Fähigkeiten eine Pflegekraft haben muss? Kerstin Löbe muss nicht lange nachdenken. „Auf jeden Fall Empathie, das ist der größte Faktor. Und ein bestimmtes Hintergrundwissen. Man muss ein gefestigtes Umfeld haben, das einen auffängt, der Partner muss Verständnis haben. Und Verständnis für Patienten, denn es gibt so viele verschiedene Charaktere. Ich sage Schülern immer: Versorgt die Patienten so, wie ihr gerne versorgt werden möchtet.“

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