Ausstellung

Das Stadtmuseum erzählt Norderstedts Geschichte neu

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Michael Schick
Ausstellungsgestalterin Luise Wolff, Museumsleiterin Romy Rölicke und Sozialdezernentin Anette Reinders (von links) präsentieren das Konzept.

Ausstellungsgestalterin Luise Wolff, Museumsleiterin Romy Rölicke und Sozialdezernentin Anette Reinders (von links) präsentieren das Konzept.

Foto: Stadt Norderstedt

215.000 Euro lässt sich die Stadt eine neue ständige Ausstellung kosten. Was in der Schau thematisiert wird.

Norderstedt.  Wäsche waschen, Haus- und Küchenarbeit vor und nach der Elektrifizierung, Wohnen in den 50er-Jahren, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg – das zeigt das Stadtmuseum Norderstedt in seiner Dauerausstellung. Unverändert seit 20 Jahren. Geschichte, die stehengeblieben ist, zudem noch antiquiert präsentiert wird, wenig attraktiv für Besucher. Und das in einer Stadt, die sich gern als innovativ beschreibt, und es zum Teil auch ist. Nur die Darstellung und Beschreibung der eigenen Historie erscheint zurückgeblieben.

Norderstedts Geschichte und Zukunft in einer Ausstellung

Der Schleswig-Holsteinische Museumsverband kritisierte bereits 2014 die Präsentationsform und empfahl eine zeitgemäße Ausstellungsgestaltung mit Hilfe einer professionellen Agentur, teilte Museumschefin Romy Rölicke dem Kulturausschuss mit. Und der sorgte nun dafür, dass die verstaubte Darstellung der Stadtgeschichte durch eine moderne Form ersetzt wird. 215.000 Euro haben die Politiker im Kulturausschuss für eine neue ständige Ausstellung zur Vorzeit Norderstedts, den vier Ursprungsgemeinden, zur Entwicklung der Stadt und zu ihrer Zukunftsperspektive bewilligt – einstimmig. Das Geld soll in den nächsten Haushalt eingestellt werden.

Der neue Blick auf die Norderstedter Zeitachse soll auf 350 Quadratmetern im Obergeschoss des Museums am Friedrichsgaber Weg 290 Platz finden. Etwa 600 Euro pro Quadratmeter sind veranschlagt, eine Pauschale, die sich preislich, wie die Museumsleiterin schreibt, im unteren Drittel vergleichbarer Projekte bewegt.

Dass die Museumsmacherinnen in Norderstedt „modern“ können, haben sie in den vergangenen Jahren bewiesen. Vor allem mit den interaktiven Sonderausstellungen „Was macht die Kuh im Kühlschrank?“ (2018/19) und „Mathekings und Mathequeens“ (2019/20), in Kooperation mit der Stabstelle Nachhaltiges Norderstedt organisiert, hat das Team neue Vermittlungsformate entwickelt und neue Zielgruppen erschlossen.

Norderstedt hat eine Kulturvermittlerin

Und der innovative Ansatz wurde weiter vorangetrieben. Im Oktober 2020 hat die Stadt die Stelle für eine Kulturvermittlerin im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung ausgeschrieben und zum Mai 2021 mit Ekaterina Lifantieva besetzt. Sie erarbeitete eine interaktive, digitale Führung für Smartphones, mit der Kinder zwischen 6 und 12 Jahren die Ausstellung „50 X Norderstedt!“ spielerisch und kreativ entdecken können. Auch für den fünftägigen Online-Ferienworkshop „Die faire Stadt der Zukunft“ zeichnete die neue Mitarbeiterin verantwortlich.

Das Museumsteam hat beim Bund Fördermittel in Höhe von 82.700 Euro für eine digitale Medienstation über bedeutende Orte in Norderstedt beantragt – eine Anwendung, die als zentrale digitale Medienstation in der neuen ständigen Ausstellung im Stadtmuseum eingesetzt und gleichzeitig mobil im Stadtraum genutzt werden könnte.

Die interaktive Dokumentation zum Stadtjubiläum überzeugt

Mit professioneller Hilfe haben Romy Rölicke und ihre Mitarbeiterinnen die Ausstellung „50 X Norderstedt! Eine Bestandsaufnahme“ zum 50. Geburtstag der Stadt organisiert. Mit im Boot waren 60 Partnerinnen und Partnern, die wertvolle Informationen geliefert haben. Die feierliche Eröffnung vor einem Jahr fiel der Pandemie zum Opfer.

„Neben der Präsentation von aktuellen und historischen Film- und Hörbeiträgen überzeugten vor allem das Farb- und Gestaltungskonzept, die Themenwahl, die Gliederung der Textebenen und die Online-Dokumentation (www.50xnorderstedt.de) viele Besucher und Besucherinnen“, teilte Rölicke im Ausschuss mit. Der Blick ging nicht nur zurück, sondern auch nach vorn.

Jugendliche zwischen 10 und 15 Jahren haben in einem Online-Workshop ihre Ideen für eine nachhaltige Stadtentwicklung visualisiert. „Zukunftsstadt“ lautete das Motto, das Leitmotiv, unter dem sich Norderstedt an einem bundesweiten Wettbewerb beteiligt. Mit sieben Städten hat es die Stadt bis ins Finale geschafft, Aufgabe ist es, Kleinstwohnungen als Wohnform der nächsten Jahrzehnte zu entwickeln. 600.000 Euro fließen dafür vom Bund nach Norderstedt.

Ursprungsgemeinden und Zukunftsentwicklung

Die Jubiläumsausstellung soll nun einen Teil der Konzeption der neuen Dauerausstellung bilden. Als Themenschwerpunkte der neuen Darstellung der Stadtgeschichte wurden die Besiedlung der Region, die Ursprungsgemeinden und ihre rasante Stadtwerdung und die Entwicklung von Norderstedt-Mitte als neuem Stadtteil definiert. Aber auch die Persönlichkeiten, die die Stadtgeschichte prägten und prägen, sollen ausführlich beleuchtet werden, ebenso wie der Wandel der Lebens- und Arbeitswelt und die Zukunftsperspektiven der fünftgrößten und jüngsten Stadt Schleswig-Holsteins.

Die Themenauswahl, die zeitgemäßen Präsentationsformen und die vielfältigen Vermittlungs- und Bildungsformate sollen das Stadtmuseum zu einem „Ort der Begegnung“ machen. Der Wechsel analoger und digitaler Medien werde die Inhalte für unterschiedliche Besucher wie Kita- und Grundschulgruppen, Familien mit Kindern und Erwachsene attraktiv gestalten. Sie sollen die Informationen nicht nur aufnehmen, sondern auch interaktiv beteiligt werden.

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