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U1-Verlängerung: Ministerium warnt Norderstedt vor Euphorie

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Burkhard Fuchs
Entscheidend für die Verlängerung der U-Bahn über Norderstedt-Mitte hinaus in Richtung Quickborner Straße ist eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse.

Entscheidend für die Verlängerung der U-Bahn über Norderstedt-Mitte hinaus in Richtung Quickborner Straße ist eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse.

Foto: Thorsten Ahlf

Auch wenn Norderstedt das Projekt umsetzen wolle, sei die Finanzierung nicht gesichert. Worauf es nun ankommt.

Norderstedt/Kiel. Er müsse doch „ein wenig Wasser in den Wein gießen“, was die mögliche U-Bahn-Verlängerung angeht, sagt Harald Haase. Die Euphorie, die er da aus der Verwaltung und Politik in Norderstedt über die Berichterstattung im Abendblatt vernahm, halte er doch für etwas zu voreilig, sagt der Sprecher des Verkehrsministeriums in Kiel.

U1-Verlängerung: Gibt es Fördergeld?

So sei keineswegs sicher, dass das 135-Millionen-Euro-Verkehrsprojekt tatsächlich in den Landesweiten Nahverkehrsplan (LNVP) aufgenommen werde. Das sei bislang als rein innerstädtisches Verkehrsprojekt nur der Stadtbahn in Kiel gelungen, erklärt Haase. Und selbst wenn das U-Bahn-Projekt in den LNVP aufgenommen wird, dann wären der Bau und die Finanzierung noch lange nicht gesichert, warnt der Ministeriumssprecher.

„Viel entscheidender ist, dass das Vorhaben einen Kosten-Nutzen-Faktor von über 1 auf die Waage bringen muss. Das ist auch für eine Gemeinde-Verkehrs-Finanzierungsgesetz (GVFG)-Förderung das wichtigste Kriterium beim Bund.“ Damit meint Haase jene Förderung von bis zu 75 Prozent der Baukosten, die der Bund nur dann für Verkehrsprojekte beisteuere, wenn diese eine positive Kosten-Nutzen-Rechnung aufweisen. Also wenn der volkswirtschaftliche Vorteil weit größer ist als das Geld, das die öffentliche Hand darin investiert.

Es gibt keine schriftliche Förderzusage vom Land

Bei der geplanten Elektrifizierung der AKN-Strecke zwischen Kaltenkirchen und Eidelstedt zur neuen S-Bahn-Linie 21 war dieser Punkt lange ein Problemfall, der aber inzwischen gutachterlich nachgewiesen ist. „Es gibt auch keine schriftliche Förderzusage vom Ministerium“, betont der Ministeriumssprecher. „Die kann das Land ohnehin nicht treffen, da es sich beim GVFG um ein Förderprogramm des Bundes handelt. Die Begleitung des Projektantrages würde aber gegebenenfalls durch das Land erfolgen.“

Norderstedts Fachbereichsleiter Mario Kröska bleibt dennoch zuversichtlich, dass die U-Bahn-Verlängerung in Norderstedt diese Hürden überwinden kann und wird. Natürlich gebe es immer wieder Unwägbarkeiten bei großen Verkehrsprojekten, und es könnten sich die politischen Mehrheiten wieder ändern und die Planungen zunichtemachen.

U1-Verlängerung: Politik steht hinter Projekt

Wie damals, als die beiden Kreise Segeberg und Pinneberg sowie das Land eine Autobahnabfahrt an der A 7 in Norderstedt gemeinsam planerisch auf den Weg gebracht hatten, die Umsetzung aber am Widerspruch in der Norderstedter Stadtvertretung gescheitert war. Das könnte auch jetzt wieder passieren, warnt Kröska. Auch wenn ihm der einstimmige Beschluss im Stadtentwicklungsausschuss für die U-Bahn-Verlängerung die Zuversicht gebe, dass der politische Wille hier voll dahinter stehe, so Kröska.

„Natürlich müssen wir erst unsere Hausaufgaben machen“, sagt der Fachbereichsleiter. Das gehe Schritt für Schritt. Sobald er den positiven Beschluss der Stadtvertretung dazu habe, die am 14. September darüber zu befinden hat, einschließlich der Zusage, sich mit „mindestens 25 Prozent“ an den Baukosten zu beteiligen, werde er zusammen mit der Hamburger Hochbahn die weiteren Planungsschritte in Angriff nehmen.

Fachbereichsleiter Kröska weiterhin zuversichtlich

Dass die Finanzierungszusage vom Bund vom Kosten-Nutzen-Faktor abhänge, sei ihm voll bewusst, sagt Kröska. Deshalb habe er auch nicht vorgeschlagen, die U-Bahn bis Ulzburg-Süd zu verlängern. Das würden die Fahrgastzahlen dort nicht hergeben. Aber mit dem neuen Wohnbaugebiet Grüne Heyde würde eine U-Bahn-Verlängerung bis zur Quickborner Straße seiner Einschätzung nach auf jeden Fall Sinn machen und aller Voraussicht nach viele Autopendler im Norden der Stadt in die leisere und bequemere U-Bahn umsteigen lassen, weil sie dann in Norderstedt-Mitte nicht mehr umsteigen müssten.

All das werde im Planfeststellungsverfahren untersucht, so Kröska. „Aber dafür brauche ich zunächst den Beschluss der Stadtvertretung.“ Da gebe es keinen Automatismus, und es lägen zu diesem frühen Zeitpunkt auch keine Förderzusagen vor, betont Kröska. Aber das kenne er auch schon vom Ausbau der Ochsenzoll-Kreuzung, wo die Ausgangslage die gleiche gewesen sei und sich letztlich doch alles im Sinne Norderstedts zusammengefügt habe.

Aus ökologischer Sicht und der im politischen Raum so sehr propagierten Verkehrs- und Energiewende könne er sich nicht vorstellen, dass die U-Bahn-Verlängerung am Ende nicht umgesetzt werden sollte, so der Fachbereichsleiter. Falls er sich irren sollte, bliebe halt alles beim Alten und die AKN würde weiter mit ihren Dieselloks die Strecke befahren.

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