Henstedt-Ulzburg

Nach Protesten: Die Alster bekommt nun doch eine neue Brücke

| Lesedauer: 4 Minuten
Christopher Herbst
Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg will im Schlappenmoor nun eine vergleichsweise günstige Holzbrücke über die Alster bauen. Die vorläufigen Kosten betragen 110.000 Euro.

Die Gemeinde Henstedt-Ulzburg will im Schlappenmoor nun eine vergleichsweise günstige Holzbrücke über die Alster bauen. Die vorläufigen Kosten betragen 110.000 Euro.

Foto: Frank Knittermeier

Öffentlicher Druck wurde immer größer. Wann mit dem Bau der Schlappenmoorbrücke begonnen werden könnte.

Henstedt-Ulzburg. Die Entscheidung ist getroffen: Im Schlappenmoor im Naturschutzgebiet Oberalsterniederung wird es eine neue Brücke über die Alster geben. Das hat der Umwelt- und Naturausschuss in Henstedt-Ulzburg mit großer Mehrheit beschlossen.

Kurios: In diesem Frühjahr war die alte, baufällige Brücke abgerissen worden – die Landesregierung hatte sich dafür ausgesprochen. Die Henstedt-Ulzburger Lokalpolitik war dem eher widerwillig gefolgt. Denn der Ersatz hätte mehr als 200.000 Euro gekostet.

Neue Querung über die Alster muss her

Als die Brücke dann abgerissen war, wurde eine Furt angelegt. Fußgänger und Radfahrer konnten diese ganz gut überqueren, sofern der Wasserstand der Alster nicht zu hoch war – was allerdings in jüngster Zeit zunehmend schwieriger wurde. So schwierig, dass zuletzt die Durchquerung der Furt sogar offiziell untersagt werden musste – nur noch der land- und forstwirtschaftliche Verkehr darf und kommt derzeit durch.

Der hohe Wasserstand und der Unmut der Bevölkerung, die beim Wandern durch die idyllische Oberalsterniederung an der Furt gestoppt wurde, sorgten jetzt für die politische Rolle rückwärts.

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Kürzlich trafen sich Vertreter von Gemeindeverwaltung, des Landes, der Unteren Naturschutzbehörde und der Unteren Wasserbehörde zum Ortstermin an der Furt. Fazit: Die Brücke muss wieder her. Es soll eine „schmale Lösung“ gebaut werden, die nur so wenig kostbaren Naturraum links und rechts der Furt verbrauche, wie nötig.

Sechs Brücken wurden in vergangenen Jahren abgerissen

Doch zu schmal – etwa ein einfacher Steg – darf es auch nicht werden. Denn da bestünde zu viel Unfallgefahr und die Verantwortlichen könnten aufgrund mangelnder Verkehrssicherungspflicht belangt werden. Also ist jetzt eine einfache Fußgängerholzbrücke geplant, die auf Pfeilern aus kreisrunden, hohlen Betonringen steht.

Sechs vergleichbare Brücken wurden in den vergangenen sieben Jahren im Gemeindegebiet abgerissen und in Eigenregie durch den Baubetriebshof neu gebaut worden, zuletzt 2020 am Hein-Timm-Weg nahe der Alsterquelle. Das wäre auch im Schlappenmoor möglich, nur Material, Gründungsarbeiten und Statik müssten extern vergeben werden.

Neue Brücke kostet mehr als 100.000 Euro

Für die Holzbrücke werden Baukosten in Höhe von 110.000 Euro aufgerufen – was aber nicht für alle Kosten ausreichen wird. Denn die Gemeinde muss vermutlich Flächen erwerben, den Ausgleich für die durch den Bau beanspruchten geschützten Flächen bezahlen und sich Beratung in Naturschutzfragen hinzuziehen.

„Das ist natürlich ein Haufen Geld. Aber es gab jetzt auch keine Alternativen mehr“, sagt Dirk Rohlfing (BfB), Vorsitzender des Umwelt- und Naturausschusses. „In allen Hamburger Karten ist der Weg mit Brücke eingezeichnet. Und dann stehen die Leute plötzlich da! Wenn wir Hochwasser haben, ist das Wasser einen Meter tief.“

Aktivregion Alsterland könnte Projekt fördern

Eine Partei, war schon im vergangenen Jahr gegen den Abriss des alten Bauwerks – die CDU. „Wir hatten nach dem Abriss sofort gesagt, dass wir eine neue Brücke wollen“, sagt Planungspolitiker Michael Meschede. „Auf der einen Seite ist es zwar ein stolzer Preis, aber es handelt sich um mooriges Gebiet.“

Auch er verweist auf den Wunsch der Bürgerinnen und Bürger. „Der öffentliche Druck war notwendig. Wir hatten uns selbst gewundert, wie viele Menschen dort längslaufen. Und durch die Diskussion sind die Leute erst recht neugierig geworden. Die Gemeinde hat erkannt, dass der Wunsch nach einer neuen Brücke groß ist.“

Nun steht die Planung. Und es gibt noch eine gute Nachricht: Die Aktivregion Alsterland wird möglicherweise 55 Prozent der Kosten übernehmen. Dann wäre der finanzielle Aufwand verkraftbar. Die Gemeinde wird das Vorhaben in der Vorstandssitzung der Aktivregion am heutigen Donnerstag, 2. September, vorstellen und um Unterstützung werben. Der Bau selbst könnte im November beginnen – das hängt jedoch auch vom Wasserstand der Alster ab.

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