Schröters Corona-Update

Statistisch gesehen... braucht man Urlaub vom Urlaub

| Lesedauer: 3 Minuten
Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Umfragen, Statistiken und bahnbrechende Erkenntnisse – mittlerweile gibt es zu allem Zahlen, Daten und Fakten. Oder?

Kreis Segeberg.  Diese Zeitungsmeldungen, die sich auf irgendwelche Umfragen und Statistiken beziehen, mit Formulierungen wie „Das Meinungsforschungsinstitut XY hat ermittelt…“ oder „Wie Wissenschaftler der Universität XY berichten…“ beginnen, um dann eine mehr oder weniger bahnbrechende Erkenntnis zu verkünden – an diesen kleinen Randnotizen komme ich bei meiner Zeitungslektüre nie vorbei. Je abseitiger die sind, desto länger denke ich darüber nach.

Die Krankenkasse DAK, zum Beispiel, ermittelte für ihren „Urlaubsreport“, fast jeder 5. Deutsche habe sich in diesem Sommer im Urlaub „weniger gut oder überhaupt nicht“ erholt. Vor der Pandemie lag der Anteil der auch nach dem Urlaub noch Gestressten bei 13 Prozent. Daraus zieht die DAK den Schluss, wegen Corona und der damit auch im Urlaub oft spürbaren Beschränkungen seien die Ferien nur eingeschränkt erholsam.

Wie gut, dass man das mal untersucht hat. Genauso wichtig: die Umfrage des Digitalverbandes „Bitkom“. Demnach nutzen stolze 96 Prozent aller Sommerurlauber ihr Smartphone als digitalen Impfpass, zum Testnachweis, zur Kontaktnachverfolgung oder allgemein zur Information über Corona-Regeln an ihrem Urlaubsort. Ich wusste nicht mal, dass 96 Prozent aller Sommerurlauber ein Smartphone besitzen. Tatsächlich behauptet „Bitkom“, alle der rund tausend Befragten hätten im Urlaub ihr Smartphone dabei – vier Prozent davon benutzen es bloß nicht im Zusammenhang mit Corona. Da wundert’s mich kaum, dass sich so viele (siehe DAK-„Urlaubsreport“) nicht erholen.

Lasst doch einfach das Handy zuhause und entspannt Euch, anstatt immer nur alles auf die Pandemie zu schieben! Früher hat man sich am Strand in den Sand gelegt und die Augen zugemacht. Im Kopf mischten sich Wellenschlag, leichte Brise und das Geschrei spielender Kinder zum dezenten Hintergrundgeräusch, überspülten die Sorgen des Alltags und nach wenigen Minuten war man eingeschlafen. Sofern einem kein Gör einen Ball an die Rübe schoss und kein Möwenschiss auf den Bauch klatschte, währte dieser Zustand bis zu dem seligen Moment, da im Ferienquartier das „All-you-can-eat“-Buffet öffnete.

Heute starren sie am Strand auf die winzigen Monitore ihrer Smartphone und sind schon deshalb gestresst, weil man darauf wegen der Sonne kaum was erkennt und weil einem vielleicht ein Gör das teure Teil mit dem Ball aus der Hand schießt, vom Möwenschiss ganz zu schweigen. Kein Wunder, dass dann im Flieger die Nerven blank liegen. Laut jüngstem Bericht der US-Luftfahrtbehörde FAA hat sich die Zahl der randalierenden Passagiere vervielfacht. Im ersten Halbjahr 2021 registrierte man 3.271 solcher Fälle. Bestimmt hatte sich keiner von denen im Urlaub erholt. Dafür zu 100 Prozent ein Smartphone dabei.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt