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Partys, Drifts und Wheelies: Am Stadtpark ist die Hölle los

| Lesedauer: 7 Minuten
Andreas Burgmayer
Qualm steht über dem Parkplatz am Kulturwerk: Ein Autofahrer hat gerade die Reifen bei einem Burnout durchdrehen lassen.

Qualm steht über dem Parkplatz am Kulturwerk: Ein Autofahrer hat gerade die Reifen bei einem Burnout durchdrehen lassen.

Foto: Privat

Party-Szene und Auto-Poser feiern regelmäßig am Kulturwerk. Anwohner genervt, Polizei erteilt Platzverweise, Politik fordert Lösung.

Norderstedt. Ein paar Szenen zu Beginn, damit jeder weiß, um welches Problem es sich in dieser Geschichte dreht. Ort des Geschehens: Der Parkplatz am Stadtpark vor dem Kulturwerk. Zeitpunkt: Unzählige Nächte in den vergangenen Jahren, vorzugsweise am Wochenende, gerne mal bis weit nach Mitternacht.

Szene 1: Ein paar junge, aber erwachsene Männer stehen am späten Abend vor ihren getunten Mittelklasselimousinen, aufgereiht vor dem Kulturwerk. Ein Fahrer kurvt um die Szene mit seinem hochmotorisierten Cabrio und „driftet“, das heißt, er lässt die Reifen quietschen und qualmen, bis ein dichter, bläulicher Nebel verbrannten Gummis über den Parkplatz zieht.

Szene 2: Motorradfahrer geben Vollgas auf der Längsseite des Parkplatzes, direkt an der Grenze zu den benachbarten Schrebergärten. Knatterndes Motorengeräusch in hohem Gang. Dann machen die Fahrer einen „Wheelie“, sie reißen das Vorderrad hoch und fahren nur noch auf den Hinterrad.

Szene 3: Der Parkplatz ist nachts zu Dreivierteln mit Autos gefüllt und jungen Leuten, die drum herum stehen, trinken, lachen, johlen und laut Musik hören. Die Beats schallen über die Fläche, Leergut steht überall herum. In den Morgenstunden kommt ein Flaschensammler – er weiß, dass hier regelmäßig was zu holen ist.

Szene 4: Wieder stehen etliche Autofans aufgereiht auf dem Platz. Es wirkt wie eine Szene aus der bei ihnen beliebten Filmserie „The Fast an the Furious“. In einem Wagen, der in hohem Tempo seine Kreise auf dem Parkplatz dreht, hängt ein johlender Mann aus dem Schiebedach heraus und winkt.

All diese Szenen gibt es auf Video. Ein Anwohner des Stadtparks, der in dieser Geschichte nicht genannt werden will, hat sie gedreht. Und er hat sie an die Polizei, die Stadtverwaltung, die Politik und andere geschickt. „Nicht, weil ich die Menschen auf diesen Videos für ihr Fehlverhalten zur Rechenschaft ziehen möchte“, betont er. „Sondern nur, damit alle genau wissen, unter welchem Lärm wir Anwohner hier leiden.“

Manchmal quietschen die Reifen um 4 Uhr am Morgen

Im vergangenen Corona-Jahr sei das „Fass übergelaufen“, der Krach habe „an Terror gegrenzt“. Teilweise noch um 4 Uhr morgens seien Unbekannte über den Parkplatz gedriftet. „Vergangenen Freitag, gegen 1 Uhr, da war der Parkplatz zu Dreivierteln voll. Da war Party. Hunderte junge Leute. Die Autos hatten auch Kennzeichen aus OH, PI und OD. Offenbar ist das also zu einem überregionalen Treffpunkt geworden“, sagt der Anwohner.

Eine Anwohnerin, die seit 1974 am Falkenhorst wohnt und lebt, vis á vis des Parkplatzes, und außerdem im Kleingartenverein Harksheide einen Garten hat, direkt neben dem Parkplatz, kennt die Lage seit Jahren aus nächster Nähe. „Ganz neu sind jetzt ja die gemeinsamen Hupkonzerte. Die stehen auf dem Platz und hupen alle wie verrückt.“

Die Frau, die ebenfalls ihren Namen nicht nennen möchte, hat Verständnis für junge Leute und ihr Verlangen, sich auch mal auszutoben. Gerade jetzt, wo den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in der Pandemie viele Orte als Treffpunkte weggebrochen sind.

In einem gewissen Rahmen hätte sie mit den Treffen auf dem Parkplatz also kein Problem. Doch die Lage sei eben ausgeartet. „Es sind nicht nur die Autos, die hier driften und mit heulenden Motoren herumrasen. Es kommen auch Motorräder und Quads. Das geht bis in die Morgenstunden, teilweise in der Woche und immer am Wochenende.“

Als Schrebergärtner müsse man hinterher regelmäßig den weggeworfenen Müll aus den Pflanzen klauben. Andere berichten, dass die Leute auf dem Parkplatz mangels Toilette ihre Notdurft in den Hecken zu den Schrebergärten verrichten.

Unzählige Male haben Anwohner schon die Polizei alarmiert. „Die sind schon genervt, wenn wir anrufen“, sagt der Anwohner. „Außerdem haben die auf dem Parkplatz ein Frühwarnsystem. Einer steht Wache an der Zufahrt auf der Stormarnstraße – und wenn die Polizei anrückt, wissen alle Bescheid.“

Hauptkommissar Fabian Schröter von der Norderstedter Polizei kennt die Lage gut und weiß auch vom „Frühwarnsystem“ der Szene. „Ist ja aber nicht so, dass die Kollegen nicht auch ihre Mittel und Wege haben, unerkannt zu ermitteln.“

So geschehen am 15. Mai, als Beamte sich den Krach vom nahen Famila-Parkplatz aus angehört hatten, ehe sie für etliche junge Erwachsene mit ihren Autos Platzverweise wegen Lärmbelästigung aussprachen und den Parkplatz räumten. „Wir haben uns die Lage intensiv angeschaut“, sagt Schröter. „Es gibt Lärm, viele Personen, die Alkohol konsumieren, und Verkehrsteilnehmer, die mit ihren Fahrzeugen ,driften’ und ,Burnouts’ machen.“

Der Polizei fehlt die Handhabe zur Räumung des Platzes

Das Problem sei die mangelnde Handhabe der Polizei. Für die Fläche sei das Ordnungsamt der Stadt Norderstedt zuständig. Momentan sei das Parken dort auch nachts nicht rechtswidrig. „Wenn dort Schilder stünden, die eine Nutzung entsprechend einschränken würden, hätten wir die Möglichkeit, das durchzusetzen“, sagt Schröter. Ansonsten müsse man einen „Drifter“ schon in flagranti erwischen, um ihm ein Bußgeld zu verpassen.

Natürlich habe man immer das Problem Alkohol am Steuer im Blick und prüfe die Fahrer darauf. Auch Schranken, für die Reglung der Zufahrt auf den Parkplatz könnten sinnvoll sein. Ebenso Schweller oder Blumenkästen auf dem Parkplatz, die das Befahren einschränken, sagt Schröter. „Wir stehen mit der Stadt in gutem Kontakt und haben die Situation dem Ordnungsamt fortlaufend gemeldet. Das Rathaus muss die möglichen Maßnahmen nun gemeinsam mit der Politik besprechen.“

Die CDU-Stadtvertreterin Petra Müller-Schönemann hat das Thema bereits aufgegriffen und als Anfrage an die Stadt formuliert. Sie hat die Verwaltung aufgefordert, Lösungsvorschläge in einer der kommenden Sitzungen des Ausschusses für Stadtentwicklung und Verkehr vorzulegen.

Komplett ohne Zuständigkeit auf dem Parkplatz ist übrigens der Hausherr im Stadtpark, die Stadtpark GmbH. Geschäftsführer Kai Jörg Evers weiß aber sehr wohl, was bei ihm vor der Stadtparkgrenze los ist. „Bei allen Einschränkungen der Nutzbarkeit des Parkplatzes muss im Blick gehalten werden, dass wir viele Stadtpark-Besucherinnen und -Besucher haben, die auch zu später Stunde noch von Veranstaltungen im Park zurückkehren und ihr Auto vom Parkplatz fahren wollen“, sagt Evers.

Um die Partyszene zu vergrämen, hat Evers der Stadt angeboten, die Park-Security immer mal wieder vorbeizuschicken. „Dazu müsste uns die Stadt aber die Erlaubnis erteilen, sonst geht das rechtlich nicht.“

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