Schröters Corona-Update

In kurzer Hose über die Brücke schlendern

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Jan Schröter
Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt.

Foto: Jan Schröter / Schröter

Furchtbare Ostern: Erst Schnee und Hagel und dann der Vorschlag vom „Brückenlockdown“. Und wer ist Schuld?

Kreis Segeberg.  Der Blick aus dem Fenster über Ostern sah aus wie dereinst die Schwarzweiß-TV-Mattscheibe nach Sendeschluss: flimmernde Flocken, ansonsten nichts. Immerhin ließen sich dann und wann verfrorene Hunde beobachten, die von ihren HalterInnen an der Leine vom Balkon abgeseilt wurden, um nach erfolgter Ei-Ablage in Nachbars Vorgarten mittels Repetierautomatik zurück in den 5. Stock geschnalzt zu werden.

Ganz Deutschland liegt paralysiert unter Frost. Sofern in kälteklirrenden Gehirnstübchen noch bewegliche Gedanken kreisen, fragt man sich nicht nur, warum man so blöd war, schon sämtliche Winterklamotten in Erwartung eines sonnigen Klimawandels verschenkt zu haben – man fragt sich auch, wie das mit dem Schneegestöber zu Ostern überhaupt angehen kann. Es gibt nur eine Erklärung dafür: Wie sowieso immer, ist auch diesmal Frau Merkel schuld. Die Frau ist ja sowas von pfiffig.

Auf ihr Geheiß betreiben Daniela und Daniel Düsentrieb (bezahlt aus dem versteckten Etat für externe Berater) in einem Geheimzimmer des Kanzleramts eine Klimakanone. Ein Schuss, schon liegt Ostern im Tiefkühlfach. Es braucht keine Ausgangssperre, bei dem Sauwetter geht eh niemand mehr raus. Falls doch, klappern die Aerosole vereist zu Boden, können aufgefegt und mit dem Hausmüll entsorgt werden. Die Kanzlerin kriegt, was sie will. Und sogar, ohne deutlich zu sagen, was sie überhaupt will. Lächerlich machen dürfen sich andere.

Zum Beispiel Kollegen, die erst großspurig ankündigten, die Feiertage für eine konstruktive Denkpause zu nutzen – um danach einen halbgaren Vorschlag namens „Brückenlockdown“ aus dem Hut zu ziehen. Zugegeben, ich hatte über Ostern auch keine großartigen Eingebungen. Ich hatte aber auch zuvor keine angekündigt. „Brückenlockdown“, was soll das sein? Mir drängt sich dabei sofort das Bild einer defekten Klappbrücke auf, die nicht richtig schließt. Keiner kommt mehr rüber. Bei uns in Schleswig-Holstein gibt es ja einige solcher Brücken: am Eider-Sperrwerk, bei Tönning, die Lindaunis-Brücke über die Schlei… Moment mal! Ist Laschets Oster-Eingebung vielleicht sogar Teil des Kanzlerinnenplans? Spielen die beiden Parteigenossen Doppelpass? Merkel sorgt für Schlechtwetter, Laschet blockiert sämtliche Brücken. Niemand geht mehr raus. Und wer doch rausgeht, kommt nicht weiter als bis zur nächsten Klappbrücke.

Nichts ist mit spontaner Rudelbildung und fröhlichem Virenwechsel. Alles wie von selbst, ganz ohne Ausgangsverbot oder Reisewarnung, ohne Polizei und Geldstrafen. Genial. Hätte man der Regierung gar nicht zugetraut. Aber diese Leute kommen auf Sachen, auf die kommen wir gar nicht. Deshalb sind wir auch nicht Kanzlerin oder Ministerpräsident. Sondern sitzen bloß während dieses angeblichen Frühlings zu Hause, schauen durchs Fenster aufs Schneegestöber-Testbild und seilen ab und zu unseren Hund zum Eierlegen vom Balkon ab.

Und gehen erst wieder raus, wenn wir in kurzer Hose über die Brücke können.

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