Norderstedt

Stolperfalle Rathausmarkt – das sagen die Leser

| Lesedauer: 9 Minuten
Andreas Burgmayer
Die Regentrude vor dem Norderstedter Rathaus auf dem Marktplatz in Norderstedt.

Die Regentrude vor dem Norderstedter Rathaus auf dem Marktplatz in Norderstedt.

Foto: Thorsten Ahlf / THORSTEN AHLF / FUNKE FOTO SERVICES

Das Kopfsteinpflaster soll frühestens 2025 einer Neugestaltung weichen. Die Politik ist uneins – die Leser des Abendblatts auch.

Norderstedt.  Wenn es um den Rathausmarkt und seine Gestaltung geht, dann hat so ziemlich jeder Norderstedter eine Meinung. Der Platz vor dem Rathaus ist offenbar niemandem in der Stadt gleichgültig – ein gutes Zeichen für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit ihrer Stadt. Aber auch eine Bürde für die Planer im Rathaus, die derzeit die richtige Lösung für die grob verfugte Kopfsteinpflasterfläche suchen.

Nicht vor 2025 soll der Rathausmarkt modern umgebaut werden, für mindestens 3 Millionen Euro. Weil aber die Norderstedterinnen und Norderstedter – besonders die Gehbehinderten oder jene, die Kinderwagen schieben müssen – schon seit Jahrzehnten nur unter Stolpergefahr über den Markt laufen können, bricht sich im Rathaus eine bis dato unbekannte Ungeduld Bahn. Der Vorschlag an die Politik liegt auf dem Tisch, einen Teil der Kopfsteinfläche schon dieses Jahr mit rechteckigem Pflaster begehbar zu machen – eine Interimslösung im Wert von 250.000 Euro. Auch wenn sich das Pflaster nach dem Einsatz auf dem Markt anderswo in der Stadt weiterverwenden lässt – eine kostspielige Lösung. So urteilen zumindest einige in der Kommunalpolitik, etwa die CDU. Wohingegen andere das Projekt voll befürworten, etwa die SPD.

Wir hatten unsere Leser aufgerufen, sich zur Interims-Pflasterung des Rathausmarktes zu äußern – eine kleine Flut an Leserbriefen setzte ein. Das Meinungsbild – tendenziell eher ablehnend.

Claus Witt, Norderstedt: Es war sicherlich damals eine gut gemeinte und kostengünstige Lösung, das alte Kopfsteinpflaster auf dem Rathausmarkt zu verlegen, jedoch passt diese Gestaltung mit seiner ungleichmäßigen Beschaffenheit der Oberfläche nicht in die heutige Zeit. Seit vielen Jahren ist dieses Ärgernis nicht nur für ältere Menschen ein Problem. Es gibt viele Städte in Deutschland, die ihren Rathausplatz neu und modern gestaltet haben. Wenn nun für wenige Jahre eine Zwischenlösung mit einer Teilerneuerung der Pflasterung und einem Kostenaufwand von 250.000 Euro in Betracht gezogen werden soll, so ist dieses reine Geldverschwendung. Es sollte nur eine große Lösung in Betracht gezogen werden, denn mit der Erneuerung der Pflasterung ist es ja nicht getan. Es fallen ja voraussichtlich ja auch erhebliche Kosten für die Entwässerung und die Abdichtung der darunter befindlichen Decke der Tiefgarage an. Die Kosten für eine provisorische Lösung sollten in andere Projekte – von denen es genug in unserer Stadt gibt – investiert werden.

Margarethe Golz, Norderstedt: Ich würde die Übergangslösung favorisieren und zwar für fünf Jahre. So hätte man genügend Zeit, zu planen. Das historische Kopfsteinpflaster sollte unbedingt bei der Planung ein Bestandteil der Pflasterung sein. Da könnte man sich auf historischen Marktplätzen mal umschauen, wenn Ideen fehlen.

Christian Kelting, Norderstedt: Auch wenn ich eher selten die Ansichten und Meinungen der Norderstedter CDU-Fraktion teile, so muss ich im vorliegenden Fall der Aussage des CDU-Fraktionschefs Peter Holle, dass die von der Stadt Norderstedt geplante Teilpflasterung des Rathausmarktes mit grauem Rechteckpflaster „herausgeschmissenes Geld“ sei, vollumfänglich zustimmen. Auch mir erschließt es sich überhaupt nicht, warum nun eine sogenannte „Teilsanierung“ als kurzfristige „Zwischenlösung“ durchgeführt werden soll. Eine Sanierung benötigt der Rathausmarkt aus meiner Sicht schon gar nicht, insbesondere nicht mit billigem und unansehnlichem Betonrechteckpflaster. Mir ist im Allgemeinen sowieso nicht klar, warum seitens der Stadt Norderstedt in nahezu allen Fällen stets auf „Rechteckpflaster aus Beton“ gesetzt wird, welches zumeist schon im neu verlegten Zustand optisch wenig ansprechend ist und bereits nach wenigen Jahren in Gänze unansehnlich wird, von vielen zu beobachtenden Absackungen ganz zu schweigen. Gerade der Rathausmarkt als zentraler Stadtmittelpunkt und Visitenkarte von Norderstedt sollte vor derartigen Unansehnlichkeiten verschont bleiben.

Jürgen Peters, Sprecher des Seniorenbeirates der Stadt Norderstedt: Das ist ein uraltes Thema. Bereits am 21. Juli 2011 hat der Seniorenbeirat einen Antrag an den Ausschuss Stadtentwicklung und Verkehr gestellt, dass der Rathausmarktplatz erneuert wird. Keine Stolperfallen, glatte Oberfläche und somit Sicherheit für ältere und gehbehinderte Menschen. Es wurden von unserer Seite dem Ausschuss und auch der Verwaltung diverse Vorschläge unterbreitet, die nicht angenommen wurden. Es wird jetzt darüber gesprochen, dass die große Lösung frühestens Anfang 2025 realistisch erscheint. Mit den Erfahrungen, die wir haben, denken wir eher 2030 und somit würden wir eine umgehende Zwischenlösung bevorzugen, den gesamten Marktplatz mit einer neuen und ebenen Steinflächen zu versehen. Damit wäre die Fläche für die Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen sicher möglich. Es wäre zu hoffen, dass die Fraktionen und die Verwaltung es nicht wieder verschleppen.

Sabine Voß, Norderstedt: Mittel müssen sinnvoll eingesetzt werden. Hier stellt sich mir die Frage , wer sich profilieren möchte. Eine ganzheitliche und zeitgleiche Sanierung von Tiefgarage und Rathausmarkt ist erstrebenswert und dieses in einem schnelleren Bautempo als die Bürger Norderstedts seit zwei Jahren gewohnt sind. Sind die Arbeiten mit den 250.000 Euro unter Umständen zu beschleunigen? Stolperfallen bestehen für Fußgänger auf dem Rathausmarkt seit vielen Jahren, weitere Jahre wird man sicherlich warten können, zumal in Corona-Zeiten wesentlich weniger Menschen unterwegs sind und die Mittel knapper werden. Ein eindeutiges Nein zu teuren und ungenügend überdachten Zwischenlösungen.

Günther Köhler, Norderstedt: Es muss doch möglich sein, für relativ wenig Geld und Aufwand als Zwischenlösung, die Fläche mit einer Rüttelmaschine auf ein ebenes Niveau zu bringen.

Uwe Diedrichsen, Norderstedt: Ich lebe seit 1964 in Garstedt. Hier ist in der Zeit sehr viel Gutes geschehen, aber auch einiges schief gelaufen. Ich habe jedoch den Eindruck, letzteres häuft sich! Rathausmarkt: Die Sanierung steht nicht vor 2025 an. Stattdessen soll eine teure Zwischenlösung gewählt werden. So eine Geldverschwendung! In der Zeit werden in China ganze Städte gebaut. Die auszubauenden Pflastersteine sollen dann in der „Fahrradstadt Norderstedt“ für Radwege gebraucht werden, wahrscheinlich damit die Radfahrer auf dem Pflaster Kopfschmerzen bekommen oder besser nachdenken können! Die Rathausallee soll ja auch nach noch umstrittener Planung umgebaut werden. Hoffentlich werden die „Experten“, die die Ulzburger Straße gemacht haben nicht wieder herangelassen!

Curt Dabbert, Hamburg: Ich glaube Schilda liegt in Norderstedt und kaufmännisches Denken ist im Rathaus ein Fremdwort. Wenn „schon“ nach 50 Jahren der Platz saniert werden soll, dann bitteschön nicht wieder ein Provisorium, das nach drei Jahren wieder abgerissen werden soll, sondern als endgültige Maßnahme.

Christa Quade, Norderstedt: Erstmal finde ich es gut, dass dieses Thema wieder diskutiert wird. Der damalige Architekt hatte wohl vergessen, dass wir nicht mehr mit Holzpantinen einkaufen gehen, sondern mit einfachen Straßenschuhen. Ich kaufe gern auf dem Wochenmarkt ein, bin aber immer wieder froh, wenn ich mit meinen 86-jährigen Beinen diesen Gang heil überstanden habe. Außerdem weiß ich von vielen Älteren, dass sie dieses Risiko gar nicht erst eingehen. Ich hoffe, dass bald die Entscheidung für eine Renovierung des Platzes erfolgt.

Edgar Timm, Norderstedt: Gut, schnell und preiswert: Anstatt Geld für ein Provisorium auszugeben, sollte zügig eine endgültige Lösung angestrebt werden. Die geplante glatte Steinfläche dürfte nach einem Regenguss eventuell zu glatt sein – außerdem werden sich Beton-, Keramik- oder Natursteinplatten durch das Befahren des Platzes mit teilweise schweren Fahrzeugen verkanten. Ich schlage deshalb vor, sich am Rundweg um den Stadtparksee zu orientieren. Dort besteht seit der Landesgartenschau 2011 eine viele 100 Quadratmeter große Fläche aus gegossenem, eingefärbtem Beton, der noch im feuchten Zustand gebürstet wurde und auch nach zehn Jahren noch bemerkenswert gut aussieht. Der Rundweg bietet einerseits bei jedem Wetter eine gute Bodenhaftung – andererseits ist er glatt genug zum Skaten auf relativ kleinen Rollen. Diese Lösung ist nicht nur preiswert und ansprechend – sie mindert die Stolpergefahr für Senioren, sehbehinderte und mobilitätsbeeinträchtigte Menschen und macht die gefahrlose Nutzung des Marktplatzes für Benutzer von Rollstühlen, Rollatoren und Kinderwagen wieder möglich.

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