Verkehr

Warum der Stadtbus in Kaltenkirchen nicht zum HVV gehört

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Wolfgang Klietz
Ursprünglich war geplant, dass der Stadtbus in Kaltenkirchen zum 13. Dezember 2020 in das große HVV-Netz integriert wird..

Ursprünglich war geplant, dass der Stadtbus in Kaltenkirchen zum 13. Dezember 2020 in das große HVV-Netz integriert wird..

Foto: Wolfgang Klietz

Ein Rechtsstreit verhindert in Kaltenkirchen die Integration der Buslinie in den Hamburger Verkehrsverbund. Die Hintergründe.

Kaltenkirchen.  Betrachtet man den öffentlichen Nahverkehr, gleicht Kaltenkirchen einer Insel. Während sich alle Kommunen zwischen Neumünster und Lüchow-Dannenberg in den vergangenen Jahren entschieden haben, dem Hamburger Verkehrsverbund (HVV) beizutreten, ist in Kaltenkirchen bis heute ein Unikat unterwegs: der Stadtbus.

Wer hier einsteigt, kommt mit einem HVV-Ticket, das zum Beispiel für die AKN gelöst wurde, nicht weit. Kaltenkirchen leistet sich den zweifelhaften Luxus, als einziger Ort im Norden eigene Fahrscheine im Bus mit der Nummer 7960 zu verkaufen.

Dass diese Regelung nicht praktisch ist und Fahrgäste verschreckt, erkannte die Politik spät. Aber am 13. Dezember 2020 sollte es soweit seit: Die Buslinie sollte ins große HVV-Netz integriert werden, mehr Haltestellen anfahren und öfter unterwegs sein. Doch daraus wurde nichts, weil sich zwei Busunternehmen vor Gericht streiten.

Jetzt warten die Fahrgäste und die Politik auf eine erneute Entscheidung

Anlass des Zanks ist die Ausschreibung der Linie: Nachdem ein Unternehmen im vergangenen Jahr von der Südholstein Verkehrsservicegesellschaft (SVG) für die Linie den Zuschlag erhalten hatte, war ein Konkurrent nicht einverstanden und legte mit Erfolg Beschwerde ein. Das Oberverwaltungsgericht prüfte, erkannte Mängel und wies die SVG an, die Angebote erneut zu prüfen. Mit dem Ergebnis, dass der Beschwerdeführer den Zuschlag erhielt.

Doch mit dieser Niederlage wollte sich der Sieger der Ausschreibung nicht abfinden. Auch er legte Beschwerde ein. Jetzt warten die Fahrgäste und die Politik auf eine erneute Entscheidung der Gerichte.

Richtig beliebt war die Buslinie 7960 noch nie

„Der Rechtsstreit geht in die zweite Runde“, sagt SVG-Geschäftsführer Claudius Mozer. „Damit hat sich in Kaltenkirchen nichts verändert. Das macht keinen Spaß.“ Wann die nächste Entscheidung der Justiz fällt, ist noch offen. Über einen Zeitpunkt will Mozer nicht spekulieren. Bis Klarheit über die Vergabe herrscht, fahren weiter drei Unternehmen auf der Linie wie in den Jahren zuvor.

Damit ist der Versuch, den Busverkehr attraktiver zu gestalten, wieder einmal gescheitert. Beliebt war die Nummer 7960 noch nie. Sie fährt zu selten und steuert nicht alle wichtigen Orte der Stadt an. Zur Holstentherme muss man zum Beispiel mit der AKN fahren, die fast nur stündlich unterwegs ist. Frühmorgens und spätabends warten die Fahrgäste vergebens auf einen Bus. Außerdem sind auf der Linie zuweilen nur Kleinbusse unterwegs.

Bereits 2018 hatte die SPD bei einer Umfrage die Wünsche der Fahrgäste abgefragt und war zu eindeutigen Ergebnissen gekommen. So stimmten mehr als 70 Prozent der Befragten für einen Anschluss an den HVV. Jeweils 85 Prozent sprachen sich für eine Angebotsausweitung an Sonn- und Feiertagen und in den Zeiten vor 8 Uhr und nach 18 Uhr aus.

Auch Bürgermeister Hanno Krause ist genervt, dass auch nach Jahren der Stadtbus immer noch nicht modernen Anforderungen entspricht. „Wir wollten den Stadtbus erheblich attraktiver machen“, sagte er. „Jetzt können wir nicht, das ist sehr bedauerlich.“ Vor Jahren hatte Krause mehrfach öffentlich gesagt: „Wenn man keinen Stadtbus will, sollte man es so machen wie wir in Kaltenkirchen.“

Zahl der Passagiere soll auf etwa 400.000 im Jahr steigen

Mit finanzieller Unterstützung des Kreises Segeberg habe Kaltenkirchen nicht nur die Integration des Stadtbusses in den HVV geplant, sondern auch den barrierefreien Ausbau der Haltestellen. Außerdem soll der Bus – wenn die Gerichte entschieden haben – tagsüber alle 30 Minuten fahren. Geändert wird auch die Linienführung: Aus einer werden zwei Strecken, die ein größeres Gebiet in der Stadt abdecken.

Nach einer Anlaufphase von etwa drei Jahren wird sich die Zahl der Passagiere schätzungsweise auf jährlich 400.000 Personen belaufen und damit dieselbe Größenordnung erreichen wie Bad Segeberg. Die Einnahmen werden dann etwa bei 240.000 Euro liegen und damit – wie überall im öffentlichen Personennahverkehr – nur einen geringen Teil der Kosten decken.

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