Prozess

Arzt soll Hausbesuche bei einem Toten abgerechnet haben

Ein Fall von dreistem Abrechnungsbetrug wird vor dem Amtsgericht Norderstedt verhandelt.

Ein Fall von dreistem Abrechnungsbetrug wird vor dem Amtsgericht Norderstedt verhandelt.

Foto: Peter Steffen / dpa

Der Tod des Henstedt-Ulzburger Politikers Dierk Finder ist Gegenstand eines Verfahrens vor dem Amtsgericht Norderstedt.

Norderstedt. In der Henstedt-Ulzburger Kommunalpolitik war Dierk Finder einst eine feste Größe. Er war Mitgründer und als Fraktionsvorsitzender lange Wortführer der Wählergemeinschaft Henstedt-Ulzburg (WHU).

Im April 2019 verstarb der Kommunalpolitiker und freiberuflich tätige Unternehmer in einer Seniorenresidenz in Bad Bramstedt im Alter von 79 Jahren, am 20. Januar 2021 ist Dirk Finders Tod noch einmal Gegenstand eines Verfahrens vor dem Norderstedter Amtsgericht: Seinem Hausarzt wird Abrechnungsbetrug vorgeworfen.

Hausarzt soll Besuche bei verstorbenem Patienten abgerechnet haben

Der Bramstedter Arzt Pascal G. (57) soll nach Angaben der Staatsanwaltschaft Lübeck fünfmal einen Hausbesuch mit 42,90 Euro abgerechnet haben, obgleich der Patient bereits verstorben war.

„Ein Hausbesuch kann natürlich nur bei lebenden Patienten abgerechnet werden“, sagt Oberstaatsanwältin Ulla Hingst, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft beim Landgericht Lübeck. Der Fall des am 2. April 2019 verstorbenen Dierk Finder hat das Augenmerk offenbar auf die mutmaßlich gefälschten Abrechnungen gelenkt.

Sohn des Verstorbenen wurde bei Rechnung stutzig

Sein Sohn Thomas Finder (50), TV-Produzent aus Köln, wunderte sich nämlich, als der Bestatter bei ihm anfragte, wer die Arztkosten begleichen sollte. Die Rechnung hatte der Hausarzt dem Bestattungsunternehmer während der Totenvisite in der Seniorenresidenz in die Hand gedrückt. Für einen „Hausbesuch“ berechnete er 42,90 Euro – kein großer Betrag, aber Thomas Finder wurde stutzig, zumal auch der Bestatter darauf hinwies, dass diese Abrechnung falsch sei.

Verärgert war er ohnehin, weil der Hausarzt tatsächlich um einen Hausbesuch gebeten worden war, aber mit Hinweis auf die wöchentliche Sammelvisite in der Seniorenresidenz nicht erschien. Thomas Finder erstattete Anzeige wegen Abrechnungsbetruges. Danach sind vier weitere Fälle bekannt geworden, die am 20. Januar vor Gericht verhandelt werden.

Sohn des verstorbenen Kommunalpolitikers erstattete Anzeige

„Ich finde es schon perfide und abgebrüht, Menschen, die sich aufgrund der Trauer in einer emotionalen Ausnahmesituation befinden, derart abzuzocken, auch wenn es sich um einen kleinen Betrag handelt“, sagt Thomas Finder.

Er erstattete auch Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung gegen den Arzt. Oberstaatsanwältin Ulla Hingst weist darauf hin, dass die Untersuchung der Verstorbenen nebst Ausstellung des Totenscheins korrekt abgerechnet worden sei.