Verkehr

Wie viele Taxis braucht Norderstedt wirklich?

Taxiunternehmer Roland Klee ist seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. Von einem Abbau der Stellplätze hält er nichts – ganz im Gegenteil.

Taxiunternehmer Roland Klee ist seit mehr als 40 Jahren im Geschäft. Von einem Abbau der Stellplätze hält er nichts – ganz im Gegenteil.

Foto: Michael Schick / Schick

Linken-Politiker würde die Stellplätze lieber für Carsharing nutzen –Norderstedter Taxiunternehmer fordert dagegen noch mehr Plätze.

Norderstedt . Für Norbert Pranzas, Stadtvertreter der Linken in der Norderstedter Stadtvertretung, sind Stellplätze für Taxen überflüssig. Sie seien regelrecht verwaist. Weil die Menschen sich ein Taxi immer häufiger per Handy und Smartphone-App rufen. Warum also sollte es im Stadtgebiet von Norderstedt noch feste Parkplätze für die Autos mit dem Taxischild auf dem Dach geben. „Brauchen wir noch alle Taxenplätze, oder lassen sie sich nicht besser für mehr urbane Qualität nutzen?“, fragt Pranzas.

Mit einer Anfrage an die Norderstedter Verwaltung wollte der Kommunalpolitiker klären, wie viele Taxenplätze es in der Stadt gibt, wie die Taxen ausgelastet sind, und ob die Parkstreifen anders genutzt werden könnten. „Der Druck, diese Flächen für andere Zwecke zu nutzen, nimmt zu. Ob als Parkplätze mit Ladesäule für Elektro-Autos, als Carsharing-Plätze, um Fahrräder abzustellen, um die Stadt grüner zu machen oder die Aufenthaltsqualität zu steigern – denkbar sind da viele Alternativen“, sagt Pranzas.

In der Stadtverwaltung gibt es derartige Gedankenspiele nicht. Der Großteil der Taxenparkplätze sollte erhalten bleiben, heißt es in einer Empfehlung aus dem Rathaus. 37 Stellflächen für die 103 Taxen gebe es in Norderstedt. Sie verteilen sich auf die Busbahnhöfe in Norderstedt-Mitte (13), in Glashütte (3) und in Garstedt (10). Hinzu kommen die an der Berliner Allee vor der De-Gasperi-Passage (5) und am Harksheider Markt (6).

Die Plätze an den Busbahnhöfen seien „bedarfsgerecht“, teilt die Verwaltung mit. Für die anderen beiden Standorte habe die Verwaltung eine Verkehrszählung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Auch die Taxenplätze an der Berliner Allee würden gut angenommen und sollten nicht reduziert werden. Am Harksheider Markt hingegen sieht die städtische Verkehrsaufsicht die Möglichkeit, zwei der sechs Stellflächen abzubauen.

„Wir brauchen momentan eher mehr statt weniger Plätze für unsere Taxen“, sagt Roland Klee, der in Norderstedt einen eigenen Taxibetrieb und den Autoruf betreibt, dem sich mehrere Kollegen angeschlossen haben. Wie viele andere Betriebe drückt die Corona-Pandemie auch bei den Taxiunternehmern massiv auf die Umsätze. Die Fahrzeuge würden deutlich seltener angefordert, die Standzeiten erhöhten sich, an den Stellplätzen drängten sich die Taxen, wobei Klee andere Zahlen nennt als die Stadtverwaltung: Er kommt auf 34 Taxenplätze, zwölf am Herold-Center, acht in Glashütte, acht in Norderstedt-Mitte und sechs am Harksheider Markt.

Auf regulären Parkflächen dürften die Kollegen nicht parken, es sei gesetzlich vorgeschrieben, dass die Taxen nur auf den für sie reservierten Flächen stehen dürfen. „Da kommt es natürlich immer mal wieder zu Konflikten mit Autofahrern, die da parken wollen“, sagt Thoma Krotz, Geschäftsführer des Landesverbands für das Taxi- und Mietwagengewerbe in Schleswig-Holstein und Taxiunternehmer in Kiel.

Auch landesweit leide das Taxi- und Mietwagengewerbe mit etwa 2000 Fahrzeugen unter den Folgen von Covid-19, die Kollegen müssten mit 30 bis 50 Prozent geringeren Umsätzen klarkommen. Eine verlässliche Einnahmequelle seien die Krankenfahrten, die von den Kassen bezahlt werden. „Da der Flugbetrieb stark eingeschränkt ist, fehlen uns vor allem die Fahrten vom und zum Flughafen“, sagt Klee. Gebucht würden die Kollegen für Fahrten zum Arzt und zum Einkaufen. „Und da steigen viele durchaus an den Taxiständen ein.“

Landesweit betragen die Einbußen bis zu 50 Prozent

Doch nicht nur deshalb hält er die Stellflächen für die Taxen in Norderstedt für unverzichtbar. Schließlich seien die Taxiunternehmer fester Bestandteil des öffentlichen Personennahverkehrs und Bussen und Bahnen gleichgestellt. Das sei durch das Personenbeförderungsgesetz geregelt. „Wir müssen die Mobilität der Menschen garantieren und sie auch dahin bringen, wo Busse und Bahnen nicht fahren, und das 24 Stunden am Tag“, sagt Krotz.

Er und seine Kollegen hätten sich auf die moderne Kommunikation eingestellt. Sie würden oft vom Handy aus per Anruf oder per App geordert, aber: „Da wir nicht pausenlos fahren, müssen wir zwischendurch ja irgendwo stehen, und dafür brauchen wir die für uns reservierten Flächen.“ Und auf denen „rumdieseln, die Luft verpesten“, wie immer wieder kritisiert wird. Wie steht es im Gewerbe um den Klimaschutz und Elektromobilität?

„Wir beobachten den Markt. Aber der Umstieg auf E-Taxen ist momentan schwierig“, sagt Klee. Es fehlten Ladesäulen, vor allem für das schnelle Betanken mit Strom, und die Reichweite der E-Fahrzeuge reiche nicht. Vor allem dann nicht, wenn die Fahrzeuge voll beladen sind und im Winter die Heizung läuft. Außerdem gebe es bisher kaum passende Fahrzeuge mit ausreichend Platz. So setzten er und seine Kollegen gern Kleinbusse wie den Mercedes Vito oder geräumige Wagen wie den VW Caddy ein. Zu sehen seien gelegentlich Hybrid-Taxen, doch die böten oft zu wenig Platz und einen zu niedrigen Einstieg für die vielen älteren Taxikunden.

Die Norderstedter Verwaltung denkt zurzeit darüber nach, wie die beiden Taxenplätze am Harksheider Markt anders genutzt werden können. Möglich sei, Parkplätze für Carsharing-Autos einzurichten, denn Stellplätze für Elektro-Fahrzeuge und eine Nextbike-Station für Leihräder gebe es schon am Harksheider Markt.