Musikvideos

Der Youtube-Star aus Ellerau – Rap und Hip-Hop statt Abi

Florian Marienberg in seinem Film- und Tonstudio in Ellerau, in dem er täglich als „Floder Flo“ Musikvideos bespricht und auf Youtube hochlädt.

Florian Marienberg in seinem Film- und Tonstudio in Ellerau, in dem er täglich als „Floder Flo“ Musikvideos bespricht und auf Youtube hochlädt.

Foto: Burkhard Fuchs

Florian Marienberg hat als „Floder Flo“ ein Millionen-Publikum im Netz. Der 20-Jährige kann davon so gut leben, dass er sein Abi geschmissen hat.

Ellerau. Das Internet bietet heute nicht nur fast unbegrenzte Möglichkeiten, sich mit anderen Menschen auf der Welt auszutauschen. Es schafft auch völlig neue Geschäftsfelder. So hat Florian Marienberg (20) aus Ellerau seine Liebe zur Musik und einen Hang zur Selbstdarstellung mit einer pfiffigen Geschäftsidee kombiniert, was ihn zu einem erfolgreichen Youtube-Star hat werden lassen.

In drei Jahren hat er unter seinem Pseudonym „Floder Flo“ knapp 2000 Videoclips auf dem Internet-Portal hochgeladen, von denen zwei bereits mehr als eine Million Mal aufgerufen wurden. Mittlerweile könne er davon leben, nehme einige Tausend Euro im Monat ein, sagt der junge Ellerauer stolz. Und weil es geschäftlich so gut läuft, hat er auch sein Abitur sausen lassen.

"Floder Flo" wird Yotube-Star und lässt Abi sausen

„Das ist für mich zum Fulltime-Job geworden“, erzählt Florian. Das tägliche Hochladen seiner Video-Clip-Kommentare habe ihm keine Zeit und Muße mehr zum Lernen von Mathe, Physik und Deutsch gelassen. Darum habe er die Schule nach der elften Klasse, die er eigentlich wiederholen wollte, verlassen.

Stattdessen hat Marienberg jetzt sein Gewerbe als „Web-Video-Produzent“ offiziell angemeldet, für das er auch Umsatzsteuer zahlt. „Ich sehe mich als Youtube-Influencer“, beschreibt er seine Arbeit, die ihm weltweit eine große Anhängerschar beschert hat.

100.000 Abonnenten sehen sich seine täglichen Video-Kommentare über deutsche Rap- und Hip-Hop-Musik an. Sein englischsprachiger Kanal als „Flo der Flo“, den er erst vor einem Jahr gestartet hat, zähle sogar schon 250.000 tägliche User, vor allem in Südkorea, Indien, Malaysia und Indonesien.

Mit zwölf Jahren lud er seine ersten Kurzfilme hoch

Florian Marienberg ist mit dem Internet und dem Video-Portal Youtube aufgewachsen, auf dem seit 2006 überall auf der Welt kostenlos Videoclips angeschaut beziehungsweise selbst gedrehte Filmchen hochgeladen werden können. Statistisch gesehen ruft jeder Erdenbürger mindestens einmal am Tag dieses Portal auf, das allein zehn Prozent des gesamten Datenmaterials im Internet ausmachen soll.

Mit zwölf Jahren begann seine Leidenschaft für das Videofilmen, erinnert sich „Floder Flo“. Da seien es mit einem kleinen Camcorder anfangs Kurzfilme gewesen, auf denen zu sehen war, wie er Star-Wars-Figuren nachgespielt habe. 2017 fing dann seine Karriere als anerkannter Musikvideo-Produzent an. Zunächst kommentierte er Musikvideos bekannter Hip-Hop-Bands, die er selber gut oder schlecht fand, sagt der Videokünstler. Inzwischen erhalte er dafür jede Menge Vorschläge von seiner Community, die ihm beim Deutsch-Rap zahlreich aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz ihre Meinungen dazu schreibe. 16 bis 24 Jahre seien die meisten alt, sagt Florian. „Es teilen nicht alle meine Meinung, aber 80 bis 90 Prozent finden gut, was ich mache.“

Mittlerweile laden ihn die Bands, die er bespricht und kommentiert, persönlich nach Berlin, Köln oder Düsseldorf ein, wenn sie dort auf Konzerten spielten, ihre neuesten Scheiben vorstellen oder Autogrammstunden geben, erzählt er stolz. Dieser Erfolg hierzulande – „kein anderer in Deutschland hat so viele Abonnenten wie ich bei diesen ‚Reaction-Videos‘“ – hat ihn den Sprung ins internationale Musik-Business wagen lassen. Kommentierte er zuvor deutsche Hip-Hopper wie Sun Diego, Kollegah, Elif oder Jamule sind es jetzt Weltstars wie BTS, Black Pink oder Twice, deren Musikstücke er für eine wachsende Zahl von Fans beschreibt, lobt, kritisiert und für sie einordnet. Dabei habe er sich vor allem dem aus Südkorea stammenden K-Pop verschrieben, der vor einigen Jahren mit dem „Gangnam Style“ einen weltweiten Durchbruch erzielte.

„Sie haben das Gefühl, als ob sie mit einem Freund das Musikvideo anschauen würden“, weiß „Floder Flo“ aus den Reaktionen seiner Abonnenten, warum sie gerade seine fachlich versierten Beitrage so schätzten. „Ich lese und beantworte jeden Kommentar auf meine Beiträge“, sagt er.

Es kommt im Netz auf Aktualität und Schnelligkeit an

Er müsse sich ständig auf dem Laufenden halten und aufpassen, wann das nächste oder neueste Video veröffentlicht wird, das er für seine Fangemeinde kommentieren möchte. „Da kommt es auf Aktualität und Schnelligkeit an“, sagt „Floder Flo“. Wie zum Beispiel bei dem neuesten Stück der Mädchenband Black Pink „How you like that“, das vor zwei Monaten auf Youtube rauskam und dort seitdem inzwischen fast 500-Millionen-mal angeklickt worden ist.

Innerhalb von einer halben Stunde nach der Veröffentlichung von Black Pink hatte „Floder Flo“ seine Version im Netz, die nach vier Wochen bereits eine Million Mal aufgerufen wurde. Inzwischen sind es an die 1,2 Millionen User, die sich diesen nur knapp sieben Minuten langen Beitrag unbedingt ansehen wollten. Florian ist da ebenso wie die Band zu sehen, wie er praktisch live das neue Stück erlebt, mitfiebert und völlig begeistert aus dem Häuschen ist. „Das habe ich sofort hochgeladen, und die Fans sind ausgeflippt.“

Sein Zimmer in dem kleinen Häuschen in Ellerau, wo er zusammen mit seinem Vater und seinem Bruder lebt, gleicht einem Tonstudio. Vier große Bildschirme, zwei hochprofessionelle Lichtblitze, Mikrophon und eine Top-Kamera stehen dort bereit, damit er seine sieben bis 15 Minuten langen Video-Kommentare aufnehmen und hochladen kann, die in drei Jahren insgesamt 7,5 Millionen Mal angeklickt worden sind. Die Wände hat er eigens mit Schaumstoff abgeklebt, damit der Sound im Netz besser rüberkommt.

Als er 100.000 Abonnenten erreichte, schickte ihm der zum Google-Konzern gehörende Youtube-Kanal einen gläsernen Pokal, der jetzt sein Tonstudio zu Hause ziert. Je nachdem wie die Werbeclips, die Youtube vor und nach den Videos dazu einspielt, von den Usern angeschaut werden, werde das Honorar berechnet, das ihm jeden Monat mit vierstelligen Summen auf sein Konto überwiesen werden, sagt „Floder Flo“. Er werde diesen Job jetzt solange weitermachen, wie er Spaß daran habe und wie er Nutzer finde, die das sehen wollten, was er im Netz präsentiere. „Mein Ziel ist es, bald eine halbe Million Abonnenten zu erreichen.“ Wie sein Vorbild BRISxLIFE in den USA. Der sei aber schon zwei Jahre länger dabei, sagt Florian schmunzelnd.