Sievershütten

Ruheforst-Projekt wird beerdigt

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft gegen einen geplanten Ruhewald in Sievershütten, Imme Demos (von links), Monika Baumgarth, David Krohn und Günter Seibert, sind froh, dass der Wald bleibt, wie er ist.

Die Mitglieder der Interessengemeinschaft gegen einen geplanten Ruhewald in Sievershütten, Imme Demos (von links), Monika Baumgarth, David Krohn und Günter Seibert, sind froh, dass der Wald bleibt, wie er ist.

Foto: Thorsten Ahlf

Waldbesitzer sieht wegen des Widerstandes in der Gemeinde keine Chance mehr, sein Vorhaben umzusetzen.

Sievershütten . In Sievershütten wird es keinen Ruheforst geben. Waldeigentümer Hans-Burkhard Fallmeier aus Hartenholm, der den Bestattungswald am Rande der Gemeinde errichten wollte, hat seinen Plan überraschend aufgegeben. ,,Ich habe den Bürgermeister von Sievershütten in einem Brief darüber informiert, dass ich das Projekt nicht weiterverfolge und auf die Einrichtung eines Ruheforstes in Sievershütten verzichte“, sagte Fallmeier im Gespräch mit dem Abendblatt.

Damit endet ein monatelanger Streit im Dorf, der hohe Wellen geschlagen hatte. Während sich Gemeindevertreter und der Bürgermeister von Sievershütten, Stefan Weber, vom Ruheforst wirtschaftliche Einnahmen für die Gemeinde und eine Belebung des Dorfes durch Trauergesellschaften versprochen hatten, befürchteten Kritiker des Projekts, dass Totenasche aus dem Bestattungswald das Grundwasser verunreinigen könnte und damit erhebliche Umweltschäden unausweichlich seien.

Anwohner hatten zudem die Interessengemeinschaft Sievershütten gegründet und nach mehreren Informationsveranstaltungen im Ort versucht, das Projekt mit einem Bürgerentscheid zu Fall zu bringen. Die Voraussetzungen für die Abstimmung waren erfüllt – doch mit dem Rückzug des Investors ist der geplante Bürgerentscheid, für den es bisher noch keinen Termin gab, hinfällig.

,,Ich bin nach Sievershütten gegangen, weil ich den Standort für attraktiv und geeignet halte“, sagt Waldbesitzer Fallmeier. ,,Selbst wenn der Bürgerentscheid mit einem positiven Votum für den Ruheforst ausgegangen wäre, hätten die Gegner meiner Einschätzung nach keine Ruhe gegeben. Sie hätten versucht, das Projekt über Fragen zur Zuwegung oder der Parkplätze weiter zu verzögern. Unter diesen Umständen macht ein Ruheforst in Sievershütten für mich aus wirtschaftlicher Sicht keinen Sinn.“ Ein von der Gemeinde angefordertes unabhängiges Bodengutachten, mit dem Fallmeier die Eignung der Fläche als Bestattungswald bis spätestens 15. September noch einmal untermauern sollte, habe keinen Einfluss auf seine Entscheidung gehabt, betont der Waldbesitzer. Das Waldstück Zuschlag werde nun weiter als normaler Wirtschaftswald genutzt.

Die Bürgerinitiative in Sievershütten zeigt sich überrascht vom Rückzug des Investors. ,,Es ist enorm. Wir haben mit dieser Entscheidung nicht gerechnet“, sagt Imme Demos, Initiatorin und Sprecherin der Interessengemeinschaft. ,,Ich bin sehr froh, dass der Wald so bleibt, wie er ist.“ Dass mit Fallmeiers Absage auch die in Aussicht gestellte Befestigung und Erneuerung der bei Regenwetter teils knöcheltief durchweichten Waldwege flachfällt, stört sie nicht. ,,Wenn ich mit Gummistiefeln durch den Wald wate, weil es geregnet hat, finde ich es stimmig. Ich liebe den Wald so natürlich und urig, wie er ist.“

Bürgermeister Stefan Weber bedauert die Entscheidung

Bürgermeister Stefan Weber bedauert dagegen die Entscheidung des Waldbesitzers. ,,Ich kann die Gründe von Herrn Fallmeier nachvollziehen. Ich finde es allerdings schade, dass er sich so entschieden hat“, sagt Weber. ,,Ich hätte mir gewünscht, dass wir das Gutachten bekommen hätten, um die Bürger mit guten Argumenten zu überzeugen und ihnen zu sagen, dass ein Bestattungswald für Sievershütten gut ist. Diese Möglichkeit haben wir nun nicht mehr.“ Der Bürgermeister hat den Kreis über den neuen Sachstand in Sievershütten informiert.

Waldbesitzer Fallmeier betreibt bereits in HartenhoIm, wo er von 2013 bis 2018 Bürgermeister war, einen Bestattungswald. Spätestens in zehn Jahren sollen dort alle Urnenplätze belegt sein. Das war nach Fallmeiers Angaben einer der Hauptgründe für sein Engagement in der Gemeinde Sievershütten. ,,Wir werden schauen, wie es nun weitergeht. Ich habe 400 Hektar Wald in Hartenholm. Davon sind bisher sechs Hektar Bestattungswald. Ich werde mit der Gemeinde sprechen. Ich kann mir vorstellen, eine weitere Teilfläche in Hartenholm als Ruheforst einzurichten.“