Kreis Segeberg/Kiel

Giftige Herkulesstaude breitet sich ungebremst aus

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Frank Schulze
Dr. Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin der Naturfreunde Schleswig-Holstein, steht in Klein Gladebrügge vor den mehr als drei Meter hohen, giftigen Herkulesstauden.

Dr. Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin der Naturfreunde Schleswig-Holstein, steht in Klein Gladebrügge vor den mehr als drei Meter hohen, giftigen Herkulesstauden.

Foto: Naturfreunde SH

Umweltschützer warnen vor rascher Ausbreitung des Riesen-Bärenklaus. Vor allem die Gemeinde Klein Gladebrügge ist betroffen.

Kreis Segeberg/Kiel.  Die Umweltschutzorganisation Naturfreunde schlägt Alarm: Weil es im Kreis Segeberg ganz offensichtlich größere Vorkommen des Riesen-Bärenklaus (auch Herkulesstaude, Herkuleskraut oder Bärenkralle) gebe, seien die Verantwortlichen im Kreis gefordert, neben einer Erfassung der Bestände schnellstmöglich Maßnahmen zur Bekämpfung der Herkulesstaude zu ergreifen und die betroffenen Gemeinden zu unterstützen.

Besonders betroffen ist nach Erkenntnissen des Landesverbandes der Naturfreunde die 600-Einwohner-Gemeinde Klein Gladebrügge südlich von Bad Segeberg. „Wir sind in Klein Gladebrügge wohl auf ein Epizentrum einer sich ausbreitenden, im Kaukasus heimischen Herkulesstaude, auch als Riesen-Bärenklau bekannt, gestoßen“, stellt Dr. Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin der Naturfreunde, in einer Pressemitteilung fest.

Riesen-Bärenklau überwuchert große Flächen in Klein Gladebrügge

Trotz engagierter Bemühungen wie dem mehrfachen Mähen sei es der Gemeinde bisher nicht gelungen, die Verbreitung einzudämmen. Inzwischen seien größere Flächen überwuchert. Besonders schwer wiege, dass die Samen der auch unmittelbar am Höftgraben von Klein Gladebrügge wachsenden Staude in die Trave transportiert würden. Von dort sei eine weitere Ausbreitung entlang des Flusses bis zur Ostseeküste nur schwer zu verhindern. Es bestehe dringender Handlungsbedarf, so Walenda.

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Auf Bitten einer Gemeindevertreterin um Unterstützung waren die Naturfreunde Schleswig-Holstein zu einer gemeinsamen Besichtigung der Herkulesstauden-Vorkommen am vergangenen Wochenende angereist und über das Ausmaß der Ausbreitung der Giftpflanze kaum mehr aus dem Staunen herausgekommen.

Der florale Neubürger aus dem Kaukasus hätte bereits auf Privatgrundstücken, öffentlichen Flächen – auch unmittelbar an von Fußgängern wie Kindern frequentierten Wegen – und an landwirtschaftlich genutzten Flächen imposante Dominanzbestände ausgebildet. Deren Bekämpfung stelle sich als eine Herausforderung dar, so der Landesverband der Umweltschutzorganisation, sei aus Naturschutz- und Gesundheitsschutzgründen aber absolut notwendig.

Berührung des Riesen-Bärenklaus kann zu Verbrennungen führen

Die mehr als drei Meter hohen Pflanzen in der Region, deren Blütenstände bis zu einen halben Meter Durchmesser aufwiesen, verdrängten die heimischen Arten und gefährdeten Mensch und Tier durch ihre Giftigkeit.

Eine Berührung führe zusammen mit Sonnenlicht zu einer fototoxischen Reaktion und verursache in Konsequenz schwere Verbrennungen mit dauerhaften Narben. Dr. Waldenda: „Besonders gefährdet sind Kinder, deren Haut besonders empfindlich reagiert. Die Pflanze verbreitet sich allein durch ihre Samen – davon kann ein ausgewachsenes Exemplar bis zu 50.000 bilden.“

Gemeinde sagt Herkulesstaude den Kampf an

Wie eine weitere Ausbreitung der Herkulesstaude umweltverträglich eingegrenzt und letztlich beseitigt werden könne, konnten Mitarbeiter des Landesverband der Naturfreunde den Gemeindevertretern und interessierten Bürgern erläutern und auch praktisch mit Macheten und Spaten demonstrieren. Die Gemeinde will nun im nächsten Frühjahr neben dem Dorfputz auch eine Bekämpfung der Herkulesstaude durch Ausgraben angehen.

„Trotz allem großen Engagement ist die Gemeinde angesichts der Dimension der Bestände mit der Bekämpfung überfordert“, sagt der Landesvorsitzende Hans-Jörg Lüth. „Neben einer notwendigen Erfassung der Bestände sollte der Kreis seine Gemeinden bei der Bekämpfung der Herkulesstaude nicht allein lassen und ihnen konkrete Unterstützung anbieten.“

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