Schröters Quarantänetagebuch

Wie wir unseren Sommerurlaub retten

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Jan Schröter
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Foto: Jan Schröter / Schröter

Bevor wir zurück in die Firma wechseln, sollte der Arbeitgeber uns zwei Wochen Quarantäne in einem Hotel finanzieren!

Trotz aller bereits erreichten und in Aussicht gestellten Lockerungen der Corona-Beschränkungen zeichnet sich ab, dass der Sommerurlaub 2020 für die meisten von uns kaum möglich sein wird. Das unterstreichen entsprechende Prognosen aus der Politik. Und Außenminister Heiko Maas warnt die Urlauber jetzt schon kategorisch, nicht damit zu rechnen, dass der Staat wieder mit aufwendigen Rückholaktionen für die Rückreise sorgt. Wahrscheinlich haben Kenner der Branche dem Minister die Information zugespielt, dass 90 Prozent der diesjährigen Sommer-Flugreisebuchungen nur den Hinflug beinhalteten. Deutsche Globetrotter sind eben Sparfüchse.

Wir müssen uns also andere Strategien ausdenken, um den Sommerurlaub nicht nur zu erleben, sondern auch finanziell machbar zu gestalten. Beides ist in diesem Jahr eine echte Herausforderung, selbst wenn man sich die Flüge spart und keine Landesgrenze überquert. Die Preise für Ferienunterkünfte steigen nämlich gerade rasant. Für Appartements auf der Insel Spiekeroog wird beispielsweise eine Mietpreissteigerung von 87 Prozent vermeldet. Auch andernorts wird beim Preis derart satt zugeschlagen, als wolle man die Corona-Einkommensausfälle noch im Verlauf der Sommerferien wieder hereinholen. Bei den Restaurationsbetrieben wird es ähnlich kommen, wundern Sie sich also nicht, wenn die Rechnung für ein kleines Pils höher ausfällt als die für eine Maß Bier auf dem letzten Oktoberfest. Letzteres fällt ja für dieses Jahr aus, aber keine Sorge: Die Bayern bluten dann eben beim Oktoberfest 2021, wenn sie die Maß mit einem Fünfziger zahlen und von der Bedienung darauf hingewiesen werden, dass da aber noch kein Trinkgeld enthalten ist.

So wird es also nichts mit Urlaub. Es sei denn, wir folgen dem Beispiel unserer Idole und Helden. Nein, nicht Christian Drosten. Unseren absoluten Heroen: den Fußballprofis. Bevor die wieder ernsthaft arbeiten – also um Punkte spielen –, ziehen sich erst mal alle Mannschaften zwei Wochen in ein schickes Hotel zurück, damit auch ja keiner den anderen mit dem bösen Virus infiziert, wenn er ihm per Blutgrätsche den Meniskus zermatscht.

Folgen wir alle diesem löblichen Modell, ist unser Urlaub gerettet. Bevor wir demnächst aus dem Homeoffice zurück in die Firma wechseln, muss der Arbeitgeber uns zwei Wochen Quarantäne in einem schönen Hotel finanzieren, damit sämtliche Kollegen sicher sein können, Corona-clean arbeiten zu können. Es wäre zwar ein Urlaub ohne die Familie – aber hey, die hatten wir in letzter Zeit doch sozusagen in Überdosis, da wäre es sogar therapeutisch empfehlenswert, mal wieder ein wenig Sehnsucht nach den Seinen zu empfinden. Die Bundesligafußballer werden vielleicht sogar nach jedem Arbeitstag – sprich: Spieltag – für eine weitere Woche im Hotel relaxen. Ich empfehle diese Maßnahme allen Gewerkschaften unbedingt als künftige Minimalforderung. Dann ginge ich am nächsten Maifeiertag aus voller Überzeugung mit auf die Straße.

Falls Corona bis dahin weg ist. Und ich nicht im Urlaub bin.

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