Kreis Segeberg

Rechtsextremismus-Experte warnt vor neuer Bewegung

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Demo des „Demokratischen Widerstandes“ in Berlin am 25. April

Demo des „Demokratischen Widerstandes“ in Berlin am 25. April

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Gruppierung „Demokratischer Widerstand“ aus Berlin hat Demos gegen Corona-Maßnahmen abgehalten – Ortsgruppe auch in Segeberg.

Kreis Segeberg.  Die Diskussion über den Sinn und Unsinn von Maßnahmen gegen die Verbreitung des Sars-Cov-2-Virus ist voll entbrannt. Widersprüchliche Äußerungen von Wissenschaftlern, unterschiedliche Corona-Regelungen in den Ländern und eine zunehmend dramatische Lage in der Wirtschaft verunsichern die Bürger und bieten Nährboden für jene, die jetzt ihre speziellen Thesen und Ideologien aufblühen sehen wollen.

Torsten Nagel, Leiter der Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus des Landesverbandes Schleswig-Holstein der Arbeiterwohlfahrt (Awo), warnt jetzt vor der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“ aus Berlin, die derzeit bundesweit Anhänger findet. Es bilden sich auch in Schleswig-Holstein Ortsgruppen, unter anderem in Kaltenkirchen.

Laut Selbstbeschreibung ist der „Demokratische Widerstand“ eine oppositionelle, überparteiliche Bewegung, die sich für die Verfassung, das Grundgesetz, die Grundrechte und die „transparente Gestaltung der neuen Wirtschaftsregeln durch die Menschen selbst“ einsetzt. In ihren derzeit bundesweit angemeldeten „Hygienedemos“, bei denen ihre Zeitung und das Grundgesetz verteilt werden, wenden sich die Anhänger gegen gegen die Corona-Maßnahmen und pochen auf den Erhalt von Freiheits- und Bürgerrechten. Für Torsten Nagel sind die Ziele der Gruppierung nur vordergründig. „Bei Demonstrationen in Flensburg zeigten Demonstranten Banner mit Parolen wie ,Sklave von Bill Gates? Nein’ und ,Impfzwang – nein Danke’ die Anschlussfähigkeit an rechtsextreme Inhalte und Gruppierungen. Auch in der verteilten Zeitung der ,Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand’ wird von der ,einzig seriösen Printzeitung’ gesprochen und das rechtsextreme Bild der ,Lügenpresse’ und Gleichschaltung der Medien bedient.“ Das große Spektrum der sich an der Bewegung beteiligenden Menschen reiche von Verschwörungsideologen, Esoterikern, sogenannten Querdenkern, bis zu Antisemiten und Rechtsextremen. „Da sich auch links-liberal verstehende Menschen den Protesten angeschlossen haben, sehen wir dringenden Handlungsbedarf der Aufklärung und Information“, sagt Torsten Nagel.

In Zeiten der Ungewissheit und Sorge der Menschen hätten rechte, antisemitische Verschwörungstheorien Konjunktur. „Sie sind aber häufig auf den ersten Blick als solche nicht zu erkennen“, sagt Nagel. Um hier Orientierung zu geben, bieten die Regionalen Beratungsteams gegen Rechtsextremismus der Awo und des Vereins AKJS in Kiel, Lübeck, Flensburg und Itzehoe Beratung an. Zur Aufklärung und Information von Kommunen, Organisationen, Schulen oder Parteien können Online-Vorträge oder Webinare angefragt werden.

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