Pandemie

Corona: Norderstedter Stadtwerke garantieren Versorgung

| Lesedauer: 4 Minuten
Burkhard Fuchs
„Das Glasfasernetz kann auch die fünf bis sechsfache Belastung aushalten“, sagt Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich.

„Das Glasfasernetz kann auch die fünf bis sechsfache Belastung aushalten“, sagt Wilhelm.tel-Chef Theo Weirich.

Foto: Burkhard Fuchs / fuchs

Engpässe soll es laut Energieversorger weder bei Gas, Strom, Wärme und auch nicht bei der Internetversorgung geben.

Norderstedt.  Beim Streamen im Internet ist die Stadt Norderstedt durch die Glasfaserleitungen von wilhelm.tel ohnehin eine Hochburg. Und das zum Teil im weltweiten Vergleich. Aktuell stellt das Norderstedter Unternehmen vor allem tagsüber mehr „Traffic“ im Internetverkehr fest, weil offenbar wegen der Coronavirus-Krise mehr Menschen als sonst zu Hause sind oder im Homeoffice arbeiten.

Aber kein Norderstedter müsse sich Sorgen machen, dass die Leitungen bald überlastet sein könnten, versichert wilhelm.tel-Chef Theo Weirich auf Abendblatt-Nachfrage. „Im Glasfasernetz ist das kein Problem“, sagt er. Da könnte sich der Traffic ohne Weiteres noch um das Fünf- bis Sechsfache erhöhen. Wer allerdings über einen Kabelnetzanschluss im Internet surfe, könnte womöglich Verbindungsprobleme bekommen, warnt Weirich. Oder wenn in einem Haushalt zehn Leute gleichzeitig im Netz wären.

Ein weiterer großer Vorteil für die wilhelm.tel-Kunden: Die großen Streaminganbieter Netflix, Amazon Prime, Apple’s Akme und der Spieleanbieter Twitch haben ihre Server direkt im Rechenzentrum des Norderstedter Unternehmens installiert, auf die die neuesten Updates aufgespielt sind, erläutert Weirich. Somit würden alle wilhelm.tel-Kunden jederzeit mit dem neuesten Content dieser Anbieter über ihren Stream zu Hause auf den Bildschirmen versorgt sein. Durch die Nähe gebe es auch keine Verbindungsschwierigkeiten. „Wer beispielsweise eine neue Netflix-Serie schaut, bekommt sie direkt aus unserem Rechenzentrum in Norderstedt heruntergeladen.“

Wilhelm.tel bringt 760.000 Menschen täglich in Netz

Wilhelm.tel versorgt in Norderstedt, Hamburg sowie dem Umland inzwischen 310.000 Kunden über Glasfaserkabel. Hinzu kommen laut Weirich weitere etwa 450.000 mobile Kunden am Tag, die über das kostenlose WLAN-Netz von Mobyklick, einem Tochterunternehmen von wilhelm.tel, im Internet surfen. So sind so gut wie alle Bushaltestellen und Bahnhöfe an das WLAN-Netz angeschlossen, für das in Hamburg 3500 Antennen und in Norderstedt allein 1000 Antennen installiert worden seien, erklärt Weirich.

Diese enge Verzahnung mit den Streaminganbietern und das schnelle Glasfasernetz, das Datenverkehr in einer Geschwindigkeit von bis zu einem Gigabyte (eine Milliarde Bytes) pro Sekunde ermöglicht, mache das Norderstedter Unternehmen zu einem Global Player der virtuellen Welt. Der gesamte Traffic, der ein Terabyte (1024 Gigabyte) am Tag erreiche, führe dazu, dass am Hauptknotenpunkt der Glasfasernetze in Deutschland, in Frankfurt am Main, der Datenverkehr aus und nach Hamburg/Norderstedt über wilhelm.tel 15 Prozent aller durchlaufenden Daten ausmache, beschreibt Weirich den Marktanteil seines Unternehmens. „Für Amazon Prime sind wir nach Santa Barbara in Kalifornien der größte Markt weltweit noch vor Tokio.“ Die aktuelle Coronavirus-Krise habe auch die Stadtwerke Norderstedt strenge Vorsorgemaßnahmen treffen lassen, sagt Weirich. „Ein Drittel unserer Mitarbeiter arbeitet von zu Hause aus.“

Alle wichtige Positionen sind doppelt besetzt

Zudem sei gemäß der Pandemie-Vorschriften sichergestellt, dass alle systemrelevanten Funktionen und Abteilungen, die die Daseinsvorsoge betreffen, wie Wasser, Gas, Strom, Wärme und Internet, doppelt besetzt sind, betont Weirich. Und nicht nur das: Diese würden jeweils selbstständig agieren und untereinander nicht in Kontakt treten, um Ansteckungen auszuschließen. Falls ein Team ausfallen sollte, würde ein anderes sofort deren Aufgaben übernehmen können. Darüber hinaus seien die Dienstfahrzeuge einzelnen Mitarbeitern zugeordnet worden. Störungen oder Stromausfälle würden selbstverständlich von den Mitarbeitern vor Ort wie bisher so schnell wie möglich behoben.

Weirich betont: „Wir schalten in dieser Krise niemanden ab.“ Ob diese Aussage auch für säumige Kunden gelte, lässt der zweite Stadtwerkechef offen. Weirich hofft, dass diese Krise in wenigen Wochen gemeistert sei. „Das Leben geht weiter“, so seine Devise.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Norderstedt