Norderstedt
Tangstedt

Das Alsterufer: Hundetummelplatz oder Naturschutzgebiet?

Das Alsterufer im Rader Wald: Beliebter Hundetummelplatz, eigentlich aber ein Naturschutzgebiet.

Das Alsterufer im Rader Wald: Beliebter Hundetummelplatz, eigentlich aber ein Naturschutzgebiet.

Foto: Claudia Blume

Anwohnerin kämpft für Schutz des Alsterufers und gegen Hundehalter, die ihre Tiere dort buddeln lassen. Nun erhält sie Morddrohungen.

Tangstedt. In den Augen der Hundehalter in der gesamten Region ist der Rader Forst der perfekte Tummelplatz für ihre Vierbeiner. Jede Menge Wald, jede Menge Waldwege und der schöne Alsterlauf. Doch sie haben eine hartnäckige Widersacherin: Die Anwohnerin Frau K. Sie sieht das naturgeschützte Alsterufer in Gefahr und möchte das ungezügelte Treiben der Hundehalter unterbunden sehen. Mit Erfolg: Durch die Bemühungen der Anwohnerin prüft die Untere Naturschutzbehörde nun das weiträumige Absperren der Uferbereiche.

In diesem Artikel will Frau K. weder mit richtigem Namen, noch mit ihrem Bild auftauchen. „Ich werde fast täglich mit Anfeindungen, tätlichen Angriffen und Morddrohungen konfrontiert“, berichtet die resolute Tangstedterin. Doch das schüchtert sie nicht ein. Sie will nicht zuschauen, wie das Treiben der Hundehalter auf Kosten der Natur geht. „Das tut es und alle gucken weg!“ Übrigens: Eine sprichwörtliche Hundehasserin ist sie nicht. Frau K. hält selbst drei Hunde.

Konkret geht es der Anwohnerin um einen Steilhang der Alster, unweit des Waldparkplatzes am Wulksfelder Weg. „Der Uferbereich ist extrem aufgebuddelt und zerstört; das alte Holzgeländer und die Platten der ehemaligen Wegbefestigung am oberen Rand sind abgestürzt und der aktuelle Weg ist stark unterhöhlt“, sagt Frau K. Es seien Hunde, die hemmungslos tiefe Löcher in den lockeren Sand des Steilhangs graben. Regelrechte „Buddeltreffen“ würden vor Ort stattfinden, sagt Frau K.

Die Hundehalter sehen keine Gefahr für die Natur

Hundehalter haben damit kein Problem. „Unsere Tiere haben hier viel Spaß“, sagt eine Hundehalterin, die an diesem Tag an der Abbruchkante des Alster-Steilhangs steht. Dass hier die Natur zerstört werde, kann sie nicht erkennen. „Irgendwo müssen sich die Tiere ja austoben können.“

Frau K. findet diese augenscheinliche Ignoranz schlimm. „Aber noch schlimmer ist, dass das Gebiet unter Naturschutz steht, niemand davon weiß und sich daher auch niemand darum schere – auch nicht die zuständigen Behörden.“ Frau K. sagt von sich selbst, sie sei unbequem und hartnäckig. Sie legt sich selbstbewusst mit Ämtern und Behörden an, schreckt auch nicht vor Anzeigen zurück. Sie hat sich schon mit einem umstrittenen Durchfahrts- und Parkverbot an der Wulksfelder Dorfstraße durchgesetzt – damit „Hundetouristen“ hier nicht mehr illegal parken. Nun will Frau K. den Naturschutzstatuts für das Alsterufer durchsetzen.

Anwohnerin wendet sich ans Umweltministerium

„Die Alster und ihr Uferbereich stehen seit 2007 durch das europaweite Projekt ‚Natura 2000‘ unter strengem Schutz, doch Maßnahmen wurden nicht ergriffen.“ Die Europäische Union habe deswegen 2015 ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet, sagt Frau K. Daraufhin sei 2018 vom Land Schleswig-Holstein ein Managementplan verfasst worden, der eine weitere Erosion des Uferbereiches durch Bepflanzung und Zäune vorsieht, um explizit auch Hunden den Zutritt zu erschweren. „Doch wieder passierte nichts“, sagt Frau K., die sich akribisch in Akten und Verordnungen eingelesen hat. „Doch da bin ich wohl die einzige.“

In mehreren Telefonaten und mit Briefen samt Fotos und Dokumenten hat sich die Anwohnerin an die Gemeindeverwaltung in Itzstedt, an den Stormarner Landrat sowie an das Umweltministerium in Kiel gewandt, um auf die Missstände hinzuweisen und sofortige Schutzmaßnahmen und Infotafeln mit Verhaltensregeln für Waldbesucher zu fordern – das blieb ohne Resonanz. Bis jetzt.

"Regelmäßige Kontrollen sind personell nicht zu leisten"

Denn auf Nachfrage des Abendblattes räumt Joachim Schulz, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde in Bad Oldesloe ein, dass die Problematik schon länger bekannt sei und nun gehandelt werde. „Es bedarf regelmäßiger Kontrollen vor Ort, aber die sind personell nicht zu leisten. Schilder aufzustellen bringt wenig, da sie erfahrungsgemäß nach kurzer Zeit verschwinden. Ob ein weiträumiges Einzäunen möglich ist, wird in Kürze bei einem Begehungstermin erörtert. Der ist aktuell mit diversen beteiligten Stellen wie etwa der Wasserbehörde in Abstimmung“, erklärt Joachim Schulz.

Darauf will Frau K. nun nicht mehr warten: „Jeden Tag wird ein Stückchen Natur mehr zerstört“. Vor zwei Wochen hat sie daher eine Beschwerde bei der EU-Kommission in Brüssel eingereicht. „Wenn es sein muss, gehe ich sogar bis vor den EU-Gerichtshof“, sagt die Tangstedterin kämpferisch, „man sollte mich nicht unterschätzen. Ich habe schon gegen Nazis gekämpft – das war schlimmer.“