Norderstedt
Ratgeber Gesundheit

Notfalldosen: Wie ein Blick in den Kühlschrank Leben rettet

Notfalldosen sind kleiner als ein Senfglas, enthalten aber die wichtige Informationen zu benötigten Medikamenten, Allergien sowie Kontaktdaten.

Notfalldosen sind kleiner als ein Senfglas, enthalten aber die wichtige Informationen zu benötigten Medikamenten, Allergien sowie Kontaktdaten.

Foto: Marcus Jürgensen

Der Seniorenbeirat verschenkt ab Donnerstag rund 1400 Notfalldosen in Norderstedt – sie können Leben retten.

Norderstedt.  Wenn der Ehepartner zu Hause bewusstlos wird und auf die schnelle Hilfe von Notfallsanitätern angewiesen ist, können Angaben zum Gesundheitszustand Leben retten. Doch in so einer Stresssituation fällt es Angehörigen oder gar dem Betroffenen meistens schwer, besonnen auf Fragen der Sanitäter zu antworten. Deshalb verteilt der Seniorenbeirat Norderstedt ab Donnerstag rund 1400 Notfalldosen. Sie können während der Sprechstunden im Büro in der Rathaus-Passage abgeholt werden und sind kostenfrei.

In der grün-weißen Dose befindet sich ein Infoblatt, in das alle wichtigen Informationen zu benötigten Medikamenten, Allergien, behandelnden Ärzten oder Kontaktpersonen eingetragen werden kann. Außerdem sind darin zwei Aufkleber mit der Aufschrift „Notfalldose“ enthalten. Einen davon klebt man auf die Innenseite der Haustür, den anderen an die Kühlschranktür. Hier muss die Dose aufbewahrt werden.

Wenn die Sanitäter eintreffen, erkennen sie sofort, dass im Haushalt eine Notfalldose mit allen lebensnotwendigen Informationen vorhanden ist. „Für Sanitäter sind Erstinformationen entscheidend. Deswegen kann so eine Dose Leben retten“, sagt Stadtsprecher Bernd-Olaf Struppek.

Die AOK verteilt die Notfalldosen derzeit landesweit. Die Krankenkasse hat den Seniorenbeirat auf das Projekt aufmerksam gemacht und rund 400 Dosen gesponsert. „Wir fanden die Idee von Beginn an großartig“, sagt Jürgen Peters, Sprecher des Seniorenbeirats.

Auch die Stadtwerke Norderstedt ließen sich für die Notfalldose begeistern und spendeten gleich 1000 Stück. „Nicht nur für Senioren ist die Dose wichtig. Jeder sollte eine zu Hause haben“, sagt Oliver Weiß von den Stadtwerken. Insbesondere Single-Haushalte, von denen es in Norderstedt immer mehr gibt, können sich über dieses System absichern.

Notfalldosen ersparen Sanitätern die Detektivarbeit

Aber warum soll man die Notfalldosen im Kühlschrank aufbewahren? „Das ist ganz einfach“, sagt Jürgen Peters, „einen Kühlschrank hat so gut wie jeder.“ Außerdem sei er in der Küche leicht zu finden. Hinzu kommt: Selbst wenn die Elektronik des Kühlschranks streikt, hat dies keine negativen Auswirkungen auf die Notfalldose. Sie ist nicht auf Batterien oder Akkus angewiesen. Zudem kann der Infozettel mit allen medizinisch relevanten Angaben jederzeit ergänzt werden.

„Die Notfalldose ist kleiner als ein Senfglas und beinhaltet trotzdem alle wichtigen Informationen“, sagt Christian Mandel, Sprecher der Rettungsdienst-Kooperation in Schleswig-Holstein (RKiSH). Den Notfallsanitätern würden die Dosen die „lange Detektivarbeit“ ersparen. Stattdessen könnten sie die Zeit nutzen, um dem Patienten schnell zu helfen. Ebenfalls wichtig: In Haushalten mit mehreren Personen braucht nicht zwangsweise jedes Familienmitglied eine eigene Notfalldose. „Eine Dose mit mehreren Zetteln reicht“, sagt Christian Mandel.

Bisher sei Schleswig-Holstein noch nicht flächendeckend mit den kleinen Dosen ausgestattet. „Aber die Idee gewinnt immer mehr Auftrieb. Gerade weil viele Seniorenbeiräte sie für sich entdecken“, sagt Mandel.

Die Sprechstunden des Seniorenbeirats sind jeweils dienstags von 10 bis 12 Uhr und donnerstags von 14.30 bis 16.30 Uhr.