Gemeinde Sülfeld

"Kriegserklärung": Neonazi reagiert auf Youtube-Video

Youtuber Baldikin (Mitte) und Pastor Steffen Paar (rechts) treten in dem Video „Sülfeld – wir sind mehr“ zusammen mit anderen Bürgern auf.

Youtuber Baldikin (Mitte) und Pastor Steffen Paar (rechts) treten in dem Video „Sülfeld – wir sind mehr“ zusammen mit anderen Bürgern auf.

Foto: Burkhard Fuchs

Youtuber Baldikin veröffentlichte das Video "Sülfeld – wir sind mehr" – mit Folgen. Rechtsextremist Bernd T. gilt als gewalttätig.

Sülfeld.  Nach wenigen Wochen der Ruhe wächst in Sülfeld erneut die Furcht vor Neonazis. Der wegen Gewaltdelikten vorbestrafte Rechtsextremist Bernd T. kündigte „verstärkte Aktivitäten“ an. Damit reagierte der Segeberger auf das Video „Sülfeld – wir sind mehr“, das der Sülfelder Youtuber Baldikin ins Netz gestellt hat. Er und andere Bewohner des Ortes treten in dem Film gegen rechtsextremistische Aktivitäten ein. Die Reaktion von Bernd T. auf dem Instagram-Account von Baldikin: „Das ist eine Kriegserklärung!!!“ Außerdem schrieb T.: „Auch wir zeigen Gesicht.“

„Das ist hier Thema“, sagte ein Sprecher der Kriminalpolizei in Kiel. Die Äußerungen T.s werden in eine Gefährdungsanalyse eingearbeitet. Ein Strafbestand sei jedoch nicht erfüllt. Nach Abendblatt-Informationen schaltet sich das Landeskriminalamt (LKA) inzwischen regelmäßig in die Ermittlungen gegen die rechtsextremistische Szene im Kreis Segeberg ein, die von der Staatsschutzabteilung geführt werden. „Die Polizei zeigt nach wie vor erhöhte Präsenz in Sülfeld und wird bei Verstößen konsequent einschreiten“, hieß es aus der Polizeidirektion in Bad Segeberg.

Sülfeld: Rechtsextremist Bernd T. gilt als sehr gewalttätig

Bernd T. wird von den Sicherheitsbehörden beobachtet. Er gilt als sehr gewalttätig, hat mit anderen Tätern vor Jahren einen Obdachlosen zu Tode geprügelt und versucht, im Segeberger Raum einen „Aryan Circle“ („Arischer Kreis“) aufzubauen. Auch der Verfassungsschutz hat die etwa zehnköpfige Gruppe im Visier.

Baldikin teilte auf Instagram inzwischen mit, dass er Bernd T. auf seinem Account blockiert habe. Der 35-Jährige, der seinen richtigen Namen aus Sicherheitsgründen nicht nennen möchte, ist mit einer Schwarzen verheiratet und hat zwei schulpflichtige Kinder. Er habe den Song geschrieben, weil er nicht in einem Dorf leben wollte, in dem man Angst haben müsse. In dem Video tritt auch der Sülfelder Pastor Steffen auf, der sich immer wieder klar gegen die Rechtsextremen positioniert hat.

Youtuber Baldikin hat Angst um seine Familie

„Damit musste ich rechnen“, sagte Baldikin zu den Ankündigungen der Rechten. „Es ist einem mulmig zumute, aber ich würde es immer wieder tun.“ Angst habe er nicht um seine Person, aber um seine Familie.

Bis vor wenigen Wochen lebten drei Neonazis gemeinsam in Sülfeld, die dem Umfeld von Bernd T. zugerechnet werden: der Sülfelder Daniel S (19)., die Studentin Marie-Christin P. und der bekannte wohnungslose Rechtsextreme Marcel S. aus Bornhöved (23), der inzwischen wegen einer Gewalttat in Bad Segeberg gegen einen Gleichgesinnten in Untersuchungshaft sitzt.

"Wir werden dir noch zeigen, was rechts ist"

Daniel S., der weiter im Dorf lebt, hatte sich vor der Veröffentlichung des Videos bei Baldikin gemeldet. „Wir werden dir noch zeigen, was rechts ist“ soll er gesagt haben.

Für Innenminister Hans-Joachim Grote ist der Kampf gegen Hass und Rassismus eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Das machte er am Montag in seiner Rede bei der Dialogveranstaltung „Schleswig-Holstein gegen Rassismus“ in Kiel deutlich. „Verunglimpfung, Hass und Gewaltexzesse sind in Zeiten der sogenannten sozialen Medien anscheinend ein Bestandteil unserer Gesellschaft geworden. In manchen Bereichen gibt es scheinbar keine Grenzen mehr. Dies nehmen wir nicht hin“, sagte Grote.

Der Kampf gegen rechts in Sülfeld

Nach Überzeugung des Innenministers ist dabei entscheidend, dass sich neben öffentlichen, staatlichen Stellen, Vertreter aus allen Bereichen der Gesellschaft einbringen. „Unsere Aufgabe ist es, für eine tolerante und weltoffene Gesellschaft einzustehen, für sie zu kämpfen. Mir machen die Aktivitäten im Internet wirklich Sorgen. Hier findet die Radikalisierung statt. Wir haben darauf reagiert und unseren Verfassungsschutz personell verstärkt. Wir haben neue Stellen geschaffen, um die Machenschaften im Netz mit zu verfolgen und notfalls handeln zu können“, sagte Grote. Er kündigte einen „Landesaktionsplan gegen Rassismus“ an.

Der ehemalige Norderstedter Oberbürgermeister amtiert derzeit als Vorsitzender der deutschen Innenministerkonferenz und hatte die Sülfelder beim Kampf gegen rechts mit einem Auftritt in der Sporthalle vor 800 Menschen unterstützt. Kurz danach hatten Unbekannte seine beiden Autos auf Grotes Privatgrundstück beschädigt. Wer für die Tat verantwortlich ist, konnte die Polizei bislang nicht klären.