Norderstedt
Kaltenkirchen

Ein Pfad zum Gedenken

Hans-Werner Berens (links) und Reinhard Bundschuh gehören zum Autorenteam der Gedenktafeln.

Hans-Werner Berens (links) und Reinhard Bundschuh gehören zum Autorenteam der Gedenktafeln.

Foto: Wolfgang Klietz

Sieben Tafeln erinnern an das Grauen in der Kaltenkirchener Heide während der NS-Zeit

Kaltenkirchen.  Wer durch die Kaltenkirchener Heide spaziert und die Geschichte dieses heute ökologisch wertvollen Ortes kennt, wird sich unweigerlich an seine grausige Geschichte erinnern: Die Nazis quälten hier erst kranke Kriegsgefangene, dann KZ-Häftlinge. Wer die Geschichte nicht kennt, wird kaum die letzten Spuren der dunklen Vergangenheit entdecken. Das soll sich jetzt ändern: Um die Besucher des weitläufigen Geländes zu informieren, stehen seit wenigen Tagen sieben Informationstafeln entlang des Weges, der aus Richtung Heidkaten nach Moorkaten führt. Gedenkpfad heißt das gemeinsame Projekt des Trägervereins der KZ-Gedenkstätte Kaltenkirchen und der Stadt.

Acht Jahre haben Planung und Umsetzung gedauert. An den Kosten kann die lange Dauer kaum gelegen haben: Gerade mal 8000 Euro haben die sieben Tafeln gekostet, die über die Geschichte der Heide der in den Jahren 1933 bis 1945 informieren. Die Kosten trägt die Stadt, die Beschlüsse dazu fielen in den politischen Gremien einstimmig.

Auf den Zeitraum der nationalsozialistischen Herrschaft haben sich die Autoren Hans-Werner Berens und Reinhard Bundschuh unter Federführung des Kaltenkirchener Historikers Gerhard Braas mit Bedacht beschränkt. Ein Lehrpfad zur Geschichte hätte viele andere Epochen behandeln müssen. Diese Eingrenzung führte auch zu der Entscheidung, den Weg nicht, wie zunächst geplant, Geschichtslehrpfad zu nennen. „Wir wollen nicht belehren“, sagt Bundschuh. Man einigte sich auf die Bezeichnung Gedenkpfad.

Der Weg führt von der Abzweigung Heidkaten der Bundesstraße 4 bis bis in den Kaltenkirchener Stadtteil Moorkaten. Wer sich Zeit nimmt oder bei einer Führung des Vereins mitgeht, muss etwa zwei Stunden einplanen. Die erste Tafel erklärte die Geschichte der gesamten Fläche während des Nationalsozialismus. Die anderen Tafeln widmen sich den Themen Verschleppung, Justizmord, Massengräber, Zwangsarbeit, Vernichtung und Massensterben. „Der Pfad ist noch ausbaufähig“ räumt Hans-Werner Berens ein. Denn nicht alle historisch wichtigen Orten liegen am Weg. Dazu gehören das Konzentrationslager selbst sowie die Reste eines ehemaligen Stabsgebäudes der Wehrmacht an der B 4 und eine Rampe mit Kommandobunker im Wald, die vermutlich für Abschussübungen mit ballistischen Waffen („V1“) genutzt wurde. Diese Orte liegen nicht an den Wegen, die die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) als Eigentümerin der Flächen für Spaziergänger vorgesehen hat. Die Orte sind zwar über Waldpfade erreichbar, aber konnten nicht in den Gedenkpfad aufgenommen werden. Reinhard Bundschuh spricht von einem Kompromiss, um nicht das gesamte Projekt zu gefährden. Bundschuh: „Mehr war nicht machbar.“

Längerfristig könnten weitere Tafeln hinzukommen, wenn die Geschichte der Heide weiter erforscht wird. So werden auf dem Gelände noch Massengräber vermutet. „Vieles ist noch nicht aufgearbeitet“, sagt Hans-Werner Berens.