Norderstedt
Schröters Wochenschau

Menschen diesseits und jenseits der Astralebene

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Jan Schröter, Autor aus Bad Bramstedt

Foto: Wolfgang Klietz

Trauertage im November und schlechtes Wetter dazu – Zeit für Jan Schröter, sich mit innovativen Bestattungsformen auseinanderzusetzen.

Kreis Segeberg.  Volkstrauertag, Buß- und Bettag, Totensonntag – alles in einer Woche. Dazu November und das entsprechende Wetter, da kann die Stimmung schon mal ins Morbide abkippen.

Sehen wir den Tatsachen ins eiskalte Auge: früher oder später geht’s mit uns zu Ende. Da man dann nicht mehr da ist, um sich um den sachgemäßen Verbleib der eigenen Reste zu kümmern, gilt es, Vorsorge zu treffen. Und in dieser Hinsicht gibt es innovative Ansätze, wie Ralf Paulsen, Stellvertretender Obermeister der Bestatter-Innung Schleswig-Holstein, unserer Abendblatt-Lokalredaktion Norderstedt, dem Zentralorgan für alle Lebensfragen diesseits und jenseits der Astralebene, jüngst bestätigte. In Schweden entwickelte man die „Frost-Bestattung“: Leiche in Stickstoff schockfrosten und aufs vibrierende Rüttelsieb legen – unten fällt ein kleinteiliges Biomasse-Puzzle heraus, während Goldzähne, künstliche Hüftgelenke und vom Chirurgen im Patienten vergessene Gerätschaften zur Wiederverwendung oben liegen bleiben. Ökologisch und damit voll im Trend liegend ist auch das sogenannte Recomposting, entwickelt in den USA. Zusammen mit Rindenmulch, Pflanzen und Holzspänen wird der Leichnam verschlossen und bei leichter Ober- und Unterhitze sechs Wochen lang aufgewärmt. Danach ist der Kompost einsatzbereit, bietet die Grundlage für gesundes Gemüse und damit die Chance, dass Ihnen Ihre Schwiegermutter endlich mal schmeckt.

Man kann in den USA auch den Wunschbaum im eigenen Garten in ein Gemisch aus Leichenasche und Substrat pflanzen. Nur blöd, wenn man dem Hund nicht abgewöhnen kann, ständig gegen Opa zu pinkeln. Oder das mit der Rasenpflege beauftragte Kind schreckensbleich gesteht: „Ich habe gerade Tante Frieda abgemäht!“

Machen wir uns nicht viel zu viele Gedanken um Totes? Man hat ausgerechnet, dass jeder von uns im Zeitraum von vier Stunden mindestens zwei Moleküle einatmet, die bereits Julius Cäsar im Mund hatte. Was sagt uns das? Erstens: Wir kriegen den Dreck nicht aus der Welt. Zweitens: Alles, in was auch immer wir zerfallen, bleibt sowieso da.

Ein paar Trauertage im November, dann lachen wir wieder, okay?