Norderstedt
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Ein Bauer, der für blühende Landschaften sorgt

Landwirt Jens-Walter Bohnenkamp will bis zu 40.000 Quadratmeter Ackerland in blühende Flächen verwandeln.

Landwirt Jens-Walter Bohnenkamp will bis zu 40.000 Quadratmeter Ackerland in blühende Flächen verwandeln.

Foto: Michael Schick/VReG

Jens-Walter Bohnenkamp sucht „Blühpaten“, mit denen er aus 40.000 Quadratmeter Acker ein Insektenparadies machen will.

Norderstedt.  „Wir Landwirte haben immer mit dem Vorurteil zu kämpfen, wir täten nichts für den Klimaschutz“, sagt Jens-Walter Bohnenkamp. Er will allen Kritikern nun das Gegenteil beweisen und Ackerland in ein Paradies für Insekten umwandeln.

Der Norderstedter Bauer wird im nächsten Frühjahr aus einem 40.000 Quadratmeter großen Stück Ackerland eine Insektenweide machen. Flächen, auf denen sich Bienen und Schmetterlinge wohlfühlen – und vor allem Nahrung finden.

„Angesichts der Bedrohung für die Insekten – und damit auch letztlich für uns – müssen jetzt alle in der Gesellschaft gegensteuern. Auch wir Landwirte sind gefordert, dem Artensterben entgegenzuwirken und die biologische Vielfalt zu erhalten“, sagt Bohnenkamp, der auch Vorsitzender des Segeberger Kreisbauernverbands ist.

„Weit verbreitet ist ja die Meinung, dass Blühstreifen besonders finanziell gefördert werden – aber das ist leider falsch“, sagt der Landwirt. Bohnenkamp wählt einen gemeinschaftlichen Weg, um Ackerland in einen Garten Eden für Insekten zu verwandeln. Er sucht Blühpaten, Norderstedter Bürger und Unternehmen, die sein Engagement für den Artenschutz finanziell unterstützen. „Für Einzelpersonen beträgt die Summe 25 Cent pro Quadratmeter, wobei der kleinste Betrag bei 25 Euro für 100 Quadratmeter liegt“, sagt der Initiator des Projektes.

Er ruft Unternehmen, Verbände und andere Institutionen dazu auf, bei seinem Vorhaben mitzumachen. Für sie ruft Bohnenkamp 30 Cent pro Quadratmeter auf. „Mit dem Geld werden wir die Fläche im Frühjahr 2020 einsäen, betreuen und bis April 2021 auf dem Feld lassen. Dann sind alle Insekten aus dem Winterschlaf erwacht“, sagt Bohnenkamp. Selbstverständlich würden die Blühstreifen nicht gedüngt und auch nicht mit Pflanzenschutzmitteln behandelt. Am Rand der Blühflächen soll eine Tafel aufgestellt werden, auf der alle Unterstützer genannt werden.

Erste Erfahrungen mit blühenden Landschaften hat der Landwirt schon gesammelt. In diesem Jahr hat er eine erste Bienenweide angelegt. Möglich gemacht hat das die Norderstedter Bank, die nach dem Zusammenschluss mit der Volks- und Raiffeisenbank jetzt Volks- und Raiffeisenbank eG heißt. „Anfang des Jahres hat uns Herr Bohnenkamp von seinen Plänen berichtet. Als Bank der Region Norderstedt ist es für uns eine Herzensangelegenheit, vor Ort sowohl fortschrittliche als auch nachhaltige Projekte zu unterstützen. Da war die Zusammenarbeit bei dieser Maßnahme nur logisch“, sagt Bank-Sprecherin Kathleen Volkland.

1500 Euro hat die Bank gespendet, damit der Norderstedter Landwirt einen 300 Meter langen und 17 Meter breiten Blühstreifen anlegen konnte. Anfang Mai hat er eine spezielle Saat ausgebracht, eine Mischung, die zum großen Teil die von Bienen hochgeschätzte Phacelia-Pflanze, aber auch Dill, Kornblumen, Ringelblumen, Klatschmohn, Dill, Schwarzkümmel, Saflor, Sonnenblumen, Koriander, Serradella und mehrere Kleearten enthält.

„Am Ende der Saison konnten wir uns sowohl über eine tolle Blühwiese mit viel Leben als auch über ganz viel Honig freuen“, sagt Kathleen Volkland. Ein Imker hatte gegenüber der Blühwiese seine Völker stehen, die Bienen waren fleißig, der Ertrag war hoch. Die 200 Gläser Garstedter Feldhonig will die Bank Anfang 2020 an ihre Kunden ausgeben. 2020 soll die Kooperation weitergehen und eventuell ausgebaut werden.

„Natürlich bin ich nicht der einzige Landwirt, der Blühstreifen einrichtet“, sagt Bohnenkamp. Das Projekt gewinne insgesamt in Schleswig-Holstein an Fahrt (siehe Text unten). Bohnenkamp verbindet mit der Aktion wünschenswerten Naturschutz mit agrarpolitischen Forderungen. Er geht davon aus, dass sich die Vorgaben der Europäischen Union nach der Europawahl ändern werden. Bisher bekämen er und seine Kollegen 270 Euro pro Hektar aus Brüssel. Bohnenkamp rechnet damit, dass die EU diese Summe kürzen und mit ökologischen Auflagen verknüpfen wird. Mit den Blühflächen nehme er vorweg, was die EU in Zukunft wahrscheinlich verordnen werde.