Norderstedt
Norderstedt

Ein jugendfreier „Fabian“ in der Schul-Aula

Sie fiebern der „Fabian“-Premiere am Donnerstag entgegen: Antonia Rodriguez als Dame der Nacht (v. l.), Antonia Boye als Bettlerin, Johanna Gentjes als Streichholzmädchen, Gemma Steinberg als Brünette, Fenja Möll als Fabians Wirtin Frau Hohlfeld und Lucas Thiel als Kellner.

Sie fiebern der „Fabian“-Premiere am Donnerstag entgegen: Antonia Rodriguez als Dame der Nacht (v. l.), Antonia Boye als Bettlerin, Johanna Gentjes als Streichholzmädchen, Gemma Steinberg als Brünette, Fenja Möll als Fabians Wirtin Frau Hohlfeld und Lucas Thiel als Kellner.

Foto: Heike Linde-Lembke

„Vivant!Theater!“ bringt Erich Kästners Roman auf die Bühne. Am Donnerstag, 14. November, ist Premiere.

Norderstedt.  Charleston, Federboas, Bubiköpfe, lange Zigarettenspitzen und verruchte Blicke – Tanz auf dem Vulkan. Die Weimarer Republik zerfällt, am politischen Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Das alles hat Erich Kästner schon 1930 in „Fabian. Die Geschichte eines Moralisten“ beschrieben. Die Theater-AG am Schulzentrum Süd, die sich als „Vivant!Theater“-Verein neu gründete, bringt ab Donnerstag die Theater-Fassung „Fabian“ auf die Bühne der Aula am Schulzentrum.

„Wir wollen mit diesem Stück zeigen, wie aktuell die 20er-Jahre heute sind“, sagen die Regisseure Angela Isbaner und Carsten Rieck. „Es ist ein wuchtiger Text, aber die ganz drastischen Passagen, der Bildungsbürger Fabian verkehrt ja viel in Bordellen, haben wir gemildert, wir sind schließlich ein Schultheater“, sagt Angela Isbaner. Dafür haben sie live gesungene Lieder der 20er-Jahre zu Klavierbegleitung eingebaut.

Das Publikum darf gespannt sein, wie das „Vivant!Theater“ die Schlussszene löst

Zu insgesamt neun Schauplätzen, die durch spezielle Vorhänge symbolisiert werden, hat das „Vivant!Theater“ die 24 Roman-Kapitel zusammengefasst. Als Kulisse dienen allerlei 20er-Jahre-Utensilien, darunter eine mit Büchern voll gepackte Badewanne. Die Handlung: Moralist Fabian kann nicht mehr als Werbetexter arbeiten, zu unmoralisch erscheint ihm der Job. Er zieht mit seinem besten Freund Labude durchs Nachtleben. Doch Labude erschießt sich nach einigen Lebens-Katastrophen. Fabian, der Gutmensch, will einen Jungen vorm Ertrinken retten, doch auch das geht schief. Das Publikum darf gespannt sein, wie das „Vivant!Theater“ diese Schlussszene löst.

Als Erzähler kommt ein Bettler auf die Bühne, der beispielsweise den Frühling mit „Sehr viele Frolleins haben schwache Knie, und in ihren Adern rollt’s wie süße Sahne“ lyrisch-liebevoll-ironisch beschreibt.

Erich Kästner ist mit „Fabian“ ein großer Roman gelungen, der zusammen mit vielen anderen Werken bekannter Autoren am 10. Mai 1933 von den Nationalsozialisten öffentlich verbrannt wurde.

„Fabian“: Donnerstag bis Sonnabend, 14. bis 16. November, jeweils 19.30 Uhr, Aula am Schulzentrum Süd, Poppenbütteler Straße 230. Karten zu zehn, ermäßigt vier Euro, unter Telefon 040/52 98 75 30 und an der Abendkasse..