Norderstedt
Kreis Segeberg

Ist ein Ausbau der Bundesstraße 432 sinnvoll?

Zu den am stärksten belasteten Punkten auf der B 432 gehört die Tangstedter Kreuzung mit dem Wulksfelder Damm und der Tangstedter Hauptstraße.

Zu den am stärksten belasteten Punkten auf der B 432 gehört die Tangstedter Kreuzung mit dem Wulksfelder Damm und der Tangstedter Hauptstraße.

Foto: Michael Schick

Immer mehr Pendler sorgen für immer längere Staus. Politik fordert ein Verkehrskonzept, das auch auf neue Mobilitätsformen setzt.

Kreis Segeberg.  Die Zahl der Pendler in der Region steigt immer weiter: 162.237 Männer und Frauen aus den Kreisen Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg passierten im vergangenen Jahr auf dem Weg zu ihrer Arbeit die jeweilige Kreisgrenze. Das ergibt sich aus dem Pendleratlas der Agentur für Arbeit. Fünf Jahre zuvor lag die Zahl der Auspendler noch bei 146.552.

Die meisten Pendler machen sich auf den Weg nach Hamburg, jeden Morgen sind es 97.000. Das mit Abstand beliebteste Fortbewegungsmittel ist das Auto, die Folge: Die Einfallstraßen nach Hamburg sind verstopft, die Staus werden länger. Das trifft auch auf die Bundesstraße 432 zu, die vor allem die Einpendler aus den Kreisen Segeberg und Stormarn in den Hamburger Nordosten bringt. Wer diese Route nehmen muss braucht Geduld: „Ein Blick auf den Pendleratlas verrät: Die B 432 gehört zu den stark belasteten Verkehrsachsen“, sagt Henning Wulf von der WI-SE-Fraktion im Segeberger Kreistag. Die Fraktion werde zunehmend von Menschen, die täglich am Stau verzweifelten, auf die unbefriedigende Situation auf der B 432 angesprochen. „Auch die Fahrt mit dem ÖPNV zum Arbeitsplatz birgt auf Grund der hoch oder überlasteten B 432 in Norderstedt das Risiko, die Anschlussverbindung nach Hamburg nicht pünktlich zu erreichen“, sagt Wulff.

Auf neue Mobilitätsformen setzen

Er will mit Fragen an den Landrat nun eine Diskussion anstoßen: Sind die Probleme in der Kreisverwaltung bekannt? Gibt es bereits Überlegungen, gemeinsam mit der Stadt Norderstedt und der Bundesstraßenverwaltung, eventuell unter Beteiligung der Hamburger, nach Lösungen zu suchen? Wenn bisher noch nichts getan wurde, wird die Notwendigkeit gesehen, die Situation zu problematisieren? Nach Ansicht der WI-SE bietet sich die Chance, die Probleme mit einem Verkehrskonzept, das auch auf neue Mobilitätsformen setzt, zu lösen.

Doch nicht nur die WI-SE hält es für nötig, die wichtige Verbindung nach Hamburg zu entlasten und den Stress der Pendler zu mildern. „Wir Kennen das Problem, und ich habe mehrfach den zuständigen Staatssekretär im Kieler Verkehrsministerium und auch Minister Buchholz selbst darauf angesprochen. Beide haben Abhilfe zugesagt“, sagt der Hen­stedt-Ulzburger FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Holowaty. Über die Parteischiene habe er einen kurzen Draht zu Minister Buchholz, der ebenfalls der FDP angehört.

Preisdruck: Immer mehr Menschen ziehen ins Umland

Der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr habe in einer ersten Analyse die Kreuzungen als Hindernisse für den Verkehrsfluss ermittelt. Das gelte beispielsweise für Kayhude, wo die Stormarner via Bargfeld-Stegen auf die Bundesstraße 432 fahren, und für die Kreuzung B 432/Tangstedter Hauptstraße/Wulksfelder Damm. Und natürlich weiter in Norderstedt.

„Ein Ausbau der Bundesstraße tut Not“, sagt Tangstedts Bürgermeister Jürgen Lamp (CDU). Zu den Hauptverkehrszeiten reichten die Staus von Kayhude bis zur Kreuzung in Tangstedt. Wegen der steigenden Mieten und Grundstückspreise in der Stadt zögen die Menschen ins Umland und seien auf das Auto angewiesen. „Die Zahl der privaten Autos steigt, und es nützt auch nichts, auf den Bus auszuweichen, weil der auch im Stau steht“, sagt Lamp. Nahes Bürgermeister Holger Fischer hat selbst erlebt, wie Stillstand und Stop-and-go an den Nerven zerren können: „Ich bin jahrelang mit dem Auto nach Hamburg zur Arbeit gefahren.“

Nahes Bürgermeister setzt auf den ÖPNV

Holowaty geht davon aus, dass die Kreuzung in Tangstedt schon bald entschärft wird: „Da wird an konkreten Plänen gearbeitet, die Anfang des Jahres vorliegen könnten.“ Er würde es begrüßen, wenn auch andere Politiker und die Gemeinden das Verkehrsministerium auf den Verkehrsengpass hinweisen würden: „Je mehr Druck, desto besser.“ Der Abgeordnete will im Januar im Verkehrsausschuss des Landes erneut den Finger in die Wunde legen.

Nahes Bürgermeister hält wenig vom Ausbau der B 432: „Das wird kaum zu einer Entlastung führen.“ Holger Fischer setzt auf den ÖPNV, beispielsweise eine eigene Busspur, die ja durchaus auch neben der Bundesstraße verlaufen könnte. Eine Verbindung, die entlasten könnte, wurde vor Jahren zu Grabe getragen: Die Bahnstrecke von Bad Oldesloe nach Elmshorn (EBOE) ist zum Radweg und zu einem der längsten Obstlehrpfade Europas geworden. „Einige Bahnhöfe stehen ja noch“, sagt Fischer.

Landrat: Straßenabschnitte nicht wirklich ausbaufähig

„Uns ist bewusst, dass die Situation unbefriedigend, baulich aber leider auch nicht wesentlich zu verbessern ist“, sagt Segebergs Landrat Jan Peter Schröder. Ausbaupläne des Bundes seien nicht bekannt. Das, was baulich machbar war, sei mit dem Umbau des Knotens Ochsenzoll zum Kreisverkehr umgesetzt worden. Die sich anschließenden Straßenabschnitte der Bundesstraße 432 seien wegen der angrenzenden Bebauung nicht wirklich ausbaufähig, sodass sich auf absehbare Zeit wohl nichts an der hohen Verkehrsbelastung und den sich daraus ergebenden Einschränkungen ändern werde.

In dem Fahrplan der Buslinie 7550, die Bad Segeberg mit der U-Bahnstation Ochsenzoll verbindet, seien bereits Zeitpuffer für Staus berücksichtigt. „Es ist zu befürchten, dass sich die Situation durch die geplanten Baugebiete in Nahe und Itzstedt eher noch verschärfen wird. Das Fehlen einer Schienenanbindung macht sich hier schmerzhaft bemerkbar“, sagt Schröder.

All das spreche gegen Vorschläge, die B 432 als Siedlungsachse weiter zu entwickeln. Wenn es gelingt, die Buslinie 7550 attraktiver zu gestalten, könnten mehr Menschen das Auto stehen lassen. „Aber natürlich ist auch diese Buslinie von den schwierigen Verkehrsverhältnissen auf der B 432 betroffen. Diese Situation wird auch ein Prüfgegenstand bei der Fortschreibung des Regionalen Nahverkehrsplans (RNVP) sein“, sagt der Landrat.