Norderstedt
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Segeln und Rudern auf dem Stadtparksee

Der Norderstedter Jerzy Chojnowski am Stadtparksee, der zum Revier für Segel- und Ruderboote werden soll.

Der Norderstedter Jerzy Chojnowski am Stadtparksee, der zum Revier für Segel- und Ruderboote werden soll.

Foto: Michael Schick/privat

Der Norderstedter Jerzy Chojnowski will die Wasserfläche im Stadtpark renaturieren und der Stadt so ein maritimes Flair verleihen.

Norderstedt.  Jerzy Chojnowski steht am Stadtparksee, und vor seinem geistigen Auge erscheint ein Bild, das eine veränderte Realität zeigt. Die Masten der Wasserskianlage sind verschwunden. Nicht mehr Jugendliche werden am Seil übers Wasser gezogen, sondern Segler und Ruderer prägen die Szene. „Ich möchte Norderstedt maritimes Flair verleihen“, sagt Chojnowski. Der Stadtparksee soll renaturiert werden, die Wasserskianlage in die Costa Kiesa auf der anderen Seite der Schleswig-Holstein und auf Tangstedter Gebiet versetzt werden. „Der Rückbau passt genau in die Zeit, in der das Motto zurück zur Natur heißt und alle darüber reden, wie wir das Klima schützen können“, sagt der Initiator der neuen Norderstedter Leitidee.

Das ökologische Potenzial des Sees ist nicht ausgeschöpft

Nur Baden und Wasserski – damit sei der See dem Kommerz preisgegeben, das ökologische Potenzial der Wasserfläche werde bei weitem nicht ausgeschöpft. Sportarten wie Segeln, Rudern und Langstreckenschwimmen, das gerade für die vielen hiesigen Triathleten wichtig sei, hätten keine Chance. „Kindern und Jugendlichen wird nicht einmal die Möglichkeit gegeben, mit Optis und kleinen Jollen das Segeln und Windsurfen zu lernen“, sagt der begeisterte Segler. Und liefert gleich noch eine weitere Idee mit: Der Wassersportverein Norderstedt soll gegründet werden und die „Natursportarten Freischwimmen, Rudern, Segeln mit Optis und kleinen Jollen und Windsurfing“ voranbringen.

Ein Symbol für das neue Stadtmotto hat er auch schon: die Helena. So heißt der alte Fischkutter, den der 66-Jährige vor dem Verschrotten gerettet hat. Noch liegt das hölzerne Segelboot, das 1943 gebaut wurde, in Wilhelmshaven. Doch Chojnowski möchte, dass seine Heimatstadt die Helena nutzt. Da bietet sich das Jugendlandheim in Lemkenhafen geradezu an. Das Haus, das der Stadt gehört und vor allem von Schülern genutzt wird, liegt auf Fehmarn dicht am Wasser. Von dort könnten die jungen Norderstedter zu Fahrten auf der Ostsee und in anderen Revieren starten.

Und dabei Erfahrungen sammeln, die sie für das spätere Leben gut gebrauchen könnten. Ihm schwebt ein maritimes Projekt für Kinder und Jugendliche vor, „die an Bord Teamarbeit, Disziplin, Seemannschaft und Naturliebe lernen“. Die Helena solle Platz für Abenteuer, Spaß und einmalige Erlebnisse werden.

Norderstedt soll nun zum Heimathafen der Helena werden und das Segeln in der Stadt hoffähig machen. Der Initiator sieht sein Projekt als Geschenk zum 50. Geburtstag der Stadt, der im nächsten Jahr groß gefeiert wird. Der 66-Jährige hat seinem Wunsch in Schreiben an Stadtpräsidentin Kathrin Oehme und Oberbürgermeisterin Elke Christina Roeder Ausdruck verliehen.

Rund 200.000 Euro sind nötig für die Reparatur des Bootes

Das Projekt hat nur einen Haken: Chojnowski braucht rund 200.000 Euro, um das 15 Meter lange und 33 Tonnen schwere Holzschiff reparieren zu lassen. Die Helena müsste von Wilhelmshaven auf dem Landweg in eine Reparaturwerft, am besten in die dänische Werft in Hvide Sande, überführt, dort instand gesetzt und ausgerüstet werden, denn: Das Boot war 2008 gesunken und lag mehr als eine Woche lang in zehn Meter Tiefe im Hafen von Wilhelmshaven.

Die Stadt habe die Bergung organisiert. „Als die Helena wieder an die Oberfläche kam, hatte sie schwere Schäden an Maschine, Elektrik, Einrichtung und Ausrüstung davongetragen und war praktisch ein Wrack“, sagt der Elektrotechniker, der später in Danzig Philosophie studierte und 1981 nach Deutschland kam. Chojnowski hat die Helena vor dem Abwracken bewahrt – dass er sich für den Oldie derart engagiert, hat sehr persönliche Gründe: 2004 starb sein Vater bei einem gemeinsamen Urlaub auf der Insel Phuket. Ein Tsunami riss den damals 83-Jährigen am 26. Dezember gegen 10 Uhr in den Tod, den Sohn spuckte die Riesenwelle wieder aus.

Der alte Kutter heißt wie seine verstorbene Mutter: Helena

Die Trauer zog dem damals 52-jährigen Polen auch an Land den Boden unter den Füßen weg. Er musste wieder Tritt fassen und gründete den Verein für Tsunami-Opfer (GTVRG), ein erster Schritt. Chojnowski, schon als Jugendlicher segelbegeistert, als Segellehrer, Skipper und Marineberater weltweit unterwegs, folgte dem Rat des Arztes, sich ein Hobby zu suchen, etwas, was ihn ablenkt. Bei der Suche im Internet fiel sein Blick auf die Verkaufsanzeige eines alten Holzkutters in Wilhelmshaven: Helena – so hieß auch seine verstorbene Mutter – schien ihm das Objekt zu sein, das ihn wieder auf die Beine bringen kann. Er hat viel Zeit und Geld investiert, um den Kutter flott zu machen. Doch irgendwann reichten weder Kraft noch Geld, nun hofft er, dass Verwaltung, Politik und Sponsoren ihn dabei unterstützen, die Helena fahrtüchtig zu bekommen.

Finden sich Geldgeber und entscheidet sich die Stadt für das Projekt, könne die Helena bis zum Sommer 2020 restauriert – und im Stadtparksee feierlich zu Wasser gelassen werden. „Stellen Sie sich das vor: Ein Autokran hebt das strahlend weiß glänzende Schiff ins Wasser, und die Helena schwimmt wieder, in ihrem Heimathafen.“ Weitere Infos per E-Mail an hydrospace@wtnet.de