Norderstedt
Alstergymnasium

Ministerpräsident Günther zu Besuch in Henstedt-Ulzburg

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther  zu Besuch im Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther zu Besuch im Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg.

Foto: Annabell Behrmann

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident diskutierte mit Schülern des Alstergymnasiums.

Henstedt-Ulzburg.  Vor dem Haupteingang zum Alstergymnasium in Henstedt-Ulzburg haben am Donnerstagvormittag zwei schwarze Limousinen geparkt. Im Forum saßen die Schüler der Oberstufe und tuschelten. Als sich um 11.44 Uhr die Tür öffnete, wurde es plötzlich still. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) betrat den Raum, dicht gefolgt von seinen Bodyguards. „Wir hatten lange nicht mehr einen so hochkarätigen Gast an unserer Schule“, sagte Schulleiter Michael Höpner zur Begrüßung.

Günther will Werbung für die Politik machen

Günther war zu Gast, um mit den Schülern unter dem Motto „Heute das Morgen denken – Unsere Zukunft gemeinsam gestalten“ zu diskutieren. Seit seinem Amtsantritt im Juni 2017 hat der 46-Jährige bereits mehrere Schulen in Schleswig-Holstein besucht – auch um Werbung für die Politik zu machen. „Ich glaube, es ist klug, wenn Politiker in Schulen unterwegs sind. Nicht nur, um deutlich zu machen, dass sie ganz normale Menschen sind. Sondern auch, um zu erklären, wie Politik funktioniert“, sagte Günther.

Neun Schüler haben die Veranstaltung moderiert und mit dem Ministerpräsidenten diskutiert. Dabei sprachen sie drei große Themenkomplexe an: die Klimapolitik, die politischen Entscheidungen sowie die Zukunft der CDU. Jeweils drei Oberstufenschüler nahmen Günther in die Mangel. Was sofort auffiel: Der Ministerpräsident redete mit ihnen auf Augenhöhe, siezte sie sogar. Dabei präsentierte er sich sehr menschlich, nahm die Fragen der jungen Menschen ernst und versuchte, sich bei kritischen Worten nicht herauszureden.

Schüler sprechen sich für Wahlrecht ab 16 Jahren aus

Los ging es mit dem wohl wichtigsten Thema, das junge Menschen derzeit beschäftigt – das Klima. „Es ist peinlich, dass wir die Klimaziele 2020 in Deutschland nicht erreichen“, gestand Günther. Man könne der Politik zurecht vorwerfen, dass sie zu spät auf das Thema aufmerksam geworden sei. „Bis 2050 soll Deutschland klimaneutral werden. Das ist sehr ehrgeizig, aber ich glaube, dass Schleswig-Holstein es früher schaffen kann. Wird sind das Land der Energiewende“, sagte Günther.

Einen ähnlichen Stellenwert hatte für die Jugendlichen eine ganz andere Debatte. „Herr Günther, wie stehen Sie dazu, das Wahlalter bundesweit auf 16 Jahre herabzusetzen?“, fragte eine Schülerin. In Schleswig-Holstein darf bereits ab diesem Alter gewählt werden. Ohne den jungen Menschen nach dem Mund zu reden, äußerte der Politiker seine Skepsis. „Ich war nie besonders begeistert von der Idee. Wenn man mit 16 Jahren wählen darf, muss man sich schon mit 14 oder 15 langsam darauf vorbereiten. Ist das nicht ein bisschen zu früh?“, fragte Günther. Schließlich müsse man Kindern die Chance geben, das Kindsein zu genießen. „Aber ich gebe zu, genau in dieser Generation nehme ich ein deutlich höheres politisches Interesse wahr als früher. Deswegen würde ich mich nie gegen eine Senkung wehren.“

Von einer Senkung des Wahlalters hält Günther nicht viel

Der Politiker fragte die Schüler im Publikum, wer gegen eine Herabsetzung des Wahlalters sei – kein einziger hob seinen Arm. Dann appellierte Günther an die Jugendlichen: „Wenn man etwas verändern und jungen Menschen eine Stimme geben will, dann muss man zur Wahlurne gehen und seine Meinung lautstark vertreten.“

Trotz Aufregung zeigten sich die jungen Moderatoren auf der Bühne mutig. Sie trauten sich dem Ministerpräsidenten zu widersprechen und stellten steile Thesen auf: „Wir sind der Meinung, dass die CDU eine alte, verstaubte und konservative Partei ist“, sagten sie. Günther reagierte mit Humor: „Das ist ja ein tolles Bild, das ihr von meiner Partei habt“, scherzte er. „Die Beschreibung trifft aber nicht nur auf die CDU zu, sondern auch auf andere große Parteien. Ich will jetzt keine Namen nennen.“ Die Schüler schmunzelten.

Grundsätzlich wisse er, dass seine Partei bei einigen Themen zu spät aufgewacht sei. Zum Beispiel in der Klimapolitik. „Aber wir sind nicht alle alt. Ich bin noch kein Opa, nur Vater“, sagte Günther, der sich bereits mit Anfang 20 als Kreisvorsitzender der Jungen Union in Rendsburg-Eckernförde engagierte und jetzt zwei Töchter hat. „So langweilig ist Politik nicht. Ich war auch mal in eurem Alter, und mir hat es immer Spaß gemacht.“