Norderstedt
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Drei Stunden lang hingehalten – Senior trickst Betrüger aus

Der ehemalige Polizist Berthold  Mau kam mit seiner Frau Astrid ins Amtsgericht und berichtete, wie er die Polizei auf die Spur des Betrügers führte.

Der ehemalige Polizist Berthold Mau kam mit seiner Frau Astrid ins Amtsgericht und berichtete, wie er die Polizei auf die Spur des Betrügers führte.

Foto: Florian Büh

Ein pensionierter Polizist führte die Polizei auf die Spur eines falschen Beamten. Er handelte dabei sehr geschickt.

Norderstedt.  Eine erfahrene Spürnase wie Berthold Mau legt man nicht so schnell herein. Schon gar nicht mit einem Trick, der sich herumgesprochen hat. Als sich am 31. Januar ein „Oberkommissar Bach“ bei ihm am Telefon meldete, erkannte der pensionierte Polizeibeamte schnell, dass er mit einem Betrüger sprach. „Nach zwei Sätzen wusste ich, dass da was nicht stimmt“, sagt der 86-jährige Norderstedter, der 40 Jahre bei der Hamburger Polizei gearbeitet hat und sich bei dem Anruf an die vielen Berichte über Senioren erinnerte, die von angeblichen Polizisten betrogen worden waren. Mau führte die Polizei am 31. Januar geschickt auf die Spur eines Täters. Der 22-jährige Ninder S. musste sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht verantworten.

Mau spricht immer noch von seinen Kollegen, die er am 31. Januar angerufen habe. Gegen 11.30 Uhr hatte sich „Bach“ auf seinem Festnetzanschluss gemeldet und eine dramatische Geschichte berichtet: An der Ulzburger Straße sei eine Bande von Rumänen aufgeflogen. Zwei habe die Polizei festgenommen, zwei weitere seien flüchtig. „Bach“ berichtete, in der Wohnung sei ein Zettel mit dem Namen und der Anschrift Maus sowie dem Hinweis „Wertsachen vorhanden“ gefunden worden.

„Bach“ berichtete Mau, die Täter seien auf dem Weg zu ihm. Um seine Wertsachen zu schützen, werde „Bach“ einen Kollegen namens „Sanchez“ schicken, der Geld und Gegenstände in Sicherheit bringe. „Das ist eine geheime Polizeisache auf höchster Ebene, Sie sind in Gefahr“, sagte „Bach“.

Mau reagierte geschickt. Er übergab das Telefon kurz seiner Frau, rief von seinem Handy aus die echte Polizei an und kehrte dann zu „Bach“ zurück. „Das hat nur ein paar Minuten gedauert, bis die Kollegen da waren“, sagt der Norderstedter. Draußen waren zwei Zivilbeamte im Einsatz, im Haus drei weitere.

Das Gespräch mit „Bach“ zog sich hin. „Am Ende hat es drei Stunden gedauert, das war eine echte Show“, sagt der Pensionär. Der vermeintliche Polizist fragte detailliert nach Wertgegenständen und Bargeld. Mau gab sich auskunftsfreudig und überzeugte offenbar seinen kriminellen Gesprächspartner. „Erst habe ich von ein bis zwei Goldbarren gesprochen, wir haben uns dann auf acht geeinigt.“

Der bis heute unbekannt gebliebene „Oberkommissar Bach“ saß offenbar in der Türkei in einem der berüchtigten Callcenter, die zu Tausenden Senioren anrufen, um an deren Hab und Gut zu kommen. Parallel dirigierte ein Mitwisser den Boten „Sanchez“ zum Haus des Ehepaars Mau, um Goldbarren und Bargeld abzuholen. „Sanchez“ heißt tatsächlich Ninder S., arbeitet als Aushilfskoch und ist abhängig von Kokain und Marihuana. Zwei Wochen vor der Tat habe er bei einem Bekannten nach einem Job gefragt, der ihm ein Handy und eine SIM-Karte gekauft habe. Dieses Handy klingelte, als „Bach“ und Mau miteinander telefonierten. 400 Euro wurden ihm für das Abholen versprochen. Worum es ging, habe er nicht gewusst, sagte der 22-Jährige vor Gericht. Ihm sei aber klar gewesen, dass es sich um eine illegale Aktion handeln würde. Da er keinen Führerschein besaß, musste er einen Freund bitten, ihn zu fahren. Der sollte dafür mit 200 Euro entlohnt werden.

Auf der Anfahrt telefonierten „Bach“ und Mau immer noch. Schließlich bat der 86-Jährige um eine Pause, er habe Hunger. „Bach“ stimmte zu, wenn Mau verspreche, nicht aufzulegen. Die Polizisten im Haus hörten alles mit. Nach 20 Minuten setzte der Pensionär das Gespräch fort. „Was gab es denn?“, wollte „Bach“ wissen. „Bratkartoffeln mit Bismarckhering“, antwortete der Ex-Polizist. Dass das Gespräch so lange dauerte, führt Mau darauf zurück, dass „Sanchez“ das Haus nicht fand.

Als er dann doch eintraf, nahmen die Polizisten ihn fest. „Da lagen die zu viert bei uns im Wohnzimmer auf dem Teppich“, berichtete Mau dem Amtsgericht. Der angeklagte Ninder S. saß eingeschüchtert auf der Stuhlkante, berichtete von einem bevorstehenden Entzug und dem Wunsch, sein Leben in Ordnung zu bringen. Er entschuldigte sich bei Mau. Wenn er gewusst hätte, worum es damals ging, hätte er nicht mitgemacht.

Diese Bemerkung bezeichnete Staatsanwältin Juliane Traulsen als unglaubwürdig und forderte wegen gemeinschaftlich versuchten Betruges neun Monate Haft auf drei Jahre Bewährung und 100 Arbeitsstunden. Anwalt Kemal Su sprach sich hingegen für eine Verwarnung unter Strafvorbehalt aus. Diesem Argument folgte Richter Jan Willem Burchert jedoch nicht und verurteilte S. wegen Beihilfe zum Betrug zu einer Geldstrafe von 2250 Euro. Su will dagegen Rechtsmittel einlegen.